Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Trotz Rente arm

VDGN-Veranstaltung: Schlechte Aussichten für künftige Rentner

Dr. Judith Kerschbaumer von der Gewerkschaft Verdi und Heinz Scharf von der AG Rente beim VDGN

„Trotz Rente arm?“ war das Motto einer Veranstaltung, zu der der VDGN Ende April eingeladen hatte. Ausgegangen war die Initiative von der AG Rente des Verbandes, der mittlerweile eine stattliche Zahl von Verbandsmitgliedern und Juristen angehören.

Zustimmung, aber auch Skepsis erntete die Referentin Dr. Judith Kerschbaumer, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik bei der Gewerkschaft Verdi, für ihren Vortrag. Sie analysierte die besorgniserregende Entwicklung der Renten in Ost und West und skizzierte für die Zukunft ein noch düstereres Bild. Vor allem im Osten werde die Altersarmut stark ansteigen. Dies führte Kerschbaumer unter anderem auch auf die unterschiedliche Bewertung von Zeiten der Kindererziehung, des Wehrdienstes oder etwa der Pflege von Angehörigen zurück, die zu niedrigeren Rentenanwartschaften im Osten führe – was so nicht bleiben könne. So bekomme etwa eine Frau, die 1995 in Hamburg ein Kind zur Welt gebracht und erzogen hat, dafür 84,21 Euro (nach den Werten ab Juli 2012) bei ihrer monatlichen Rente gutgeschrieben. Eine Frau, die im gleichen Jahr in Dresden ein Kind bekam, erhält dafür aber nur 74,76 Euro – also 9,45 Euro pro Monat weniger.

Die von der Politik immer wieder versprochene Angleichung der Renten in Ost und West sei in weite Ferne gerückt. Parteien  drückten sich oft ganz vor einer Position. Die Zeit des Bundestagswahlkampfes wolle man nutzen, um sie an ihre Versprechen zu erinnern, erklärte Dr. Kerschbaumer.

Ziel eines Bündnisses für die Angleichung der Renten in den neuen Bundesländern, in dem sich neben der Gewerkschaft Verdi große Sozialverbände engagieren, sei ein fairer Interessenausgleich und die Beendigung des immer noch unterschiedlichen Rentenrechts in Ost und West. So schlage Verdi ein Stufenmodell vor, nach dem ein Zuschlag für eine Übergangszeit von zehn Jahren als zusätzliche Leistung zu den Renten in den neuen Bundesländern gezahlt werden soll – bis die Renten in Ost und West gleich bewertet werden.

Die Einführung eines gesetzlichen gesamtdeutschen Mindestlohns sei ebenfalls ein unumgänglicher Schritt, weil die Rentenhöhe an die Lohnentwicklung gekoppelt sei.

Kritische Fragen zur Rolle ihrer Gewerkschaft im Kampf für die Interessen heutiger Ost-Rentner mußte sich die Referentin in der anschließenden Diskussion gefallen lassen. Manche Teilnehmer konstatierten, sie fühlten sich alleingelassen. Sie vermißten spürbaren Einsatz, auch auf dem Klageweg, und greifbare Resultate.                      

Kerstin Große

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