Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Mediation als Alternative

Vorteile: Nervenaufreibende Auseinandersetzungen vermeiden und Geld sparen

Ist zunächst für viele mit dem Kauf einer – zumal selbstgenutzten – Wohnung ein Traum in Erfüllung gegangen, wird später die Freude nicht selten von harmlos begonnenen Meinungsverschiedenheiten in der Eigentümerversammlung getrübt. Die Emotionen kochen hoch, ein Wort ergibt das andere. Ein Alptraum! Gestritten, zerstritten, vor Gericht Recht bekommen, aber dennoch nicht glücklich – nach manch einem Urteil gibt es nur Verlierer.

Zwei Eigentümer vor Gericht
Eigentümer A ist genervt. Sein Nachbar, nennen wir ihn B, ist leidenschaftlicher, aber leider auch schlechter Klavierspieler. Er versucht täglich mehrere Stunden lang die 88 Tasten in gewünschter Reihenfolge zu treffen. Die Anzahl der Fehlversuche konnte er dennoch nicht wesentlich reduzieren.

A fordert bei der nächsten Eigentümerversammlung die Übungszeit zu reglementieren, was die Mehrheit aber nicht beschließen wollte. Man forderte aber A bei dieser Gelegenheit mit einem Mehrheitsbeschluß dazu auf, seine widerrechtlich auf dem Balkon installierte Satellitenschüssel zu entfernen, da eine Kabeleinspeisung für Programmvielfalt sorge. A schwört weiter auf den Satelliten und wird schließlich gerichtlich belangt. Nicht mit ihm, denn als Eigentümer C eine lautstarke und nicht enden wollende Party feiert, verständigt er die Polizei.

Die Spirale der Mißverständnisse beginnt sich zu drehen, die Zweckgemeinschaft wird zum Alptraum, juristisch nicht mehr zu retten und finanziell eine große Belastung. Denn selbst ein Vergleich oder eine später zurückgenommene Klage verursachen Kosten bei Gericht. Klage, Gegenklage, das potenziert sich mit der Zeit. Jeder Verwalter verzweifelt an dieser Situation, ein verbindlicher Rechtsfrieden ist nicht zu erreichen, Beschlußanfechtung folgt auf Beschlußanfechtung. Der Konflikt wird nicht gelöst, denn Gerichte können ausschließlich über den vorgetragenen  Rechtsanspruch entscheiden. Die Vorgeschichte, die Anfeindungen, Kränkungen, gegenseitige Beschuldigungen werden nicht gerichtlich aufgearbeitet und auch nicht gerichtlich geklärt.

Die Mediation (Vermittlung) ist eine Möglichkeit, diese Situation im Sinne aller Beteiligten zufriedenstellend zu lösen. Das Mediationsverfahren hat in Deutschland insbesondere bei Familienstreitigkeiten große Bedeutung. Auch in deutschen Großunternehmen wird es zur Konfliktlösung angewandt. Im Wohneigentumsrecht gewinnt es immer mehr an Bedeutung. In  einer Eigentümergemeinschaft kann es dazu beitragen, verhärtete Fronten aufzubrechen, Beziehungsprobleme zu lösen und jede weitere gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Auch im Nachbarrecht findet es immer breitere Anwendung, vor oder nach einem Schiedsverfahren.

Ein erfahrener Mediator ist neutral
Bei einer Mediation ist es entscheidend, beiden Seiten gleichberechtigt die Möglichkeit einzuräumen, ihre Sicht auf die Dinge umfassend zu schildern, ihre Befindlichkeiten darzustellen und ihre Rechtsauffassung zu erläutern. Das kann in einem gemeinsamen Gespräch mit allen am Streitgegenstand Beteiligten erfolgen. Sind allerdings die Gräben zwischenzeitlich so tief geworden, die Differenzen scheinbar unüberwindlich, hat unsere Praxis belegt, daß Einzelgespräche effizienter und zielführender sind. Ein erfahrener Mediator bewahrt sich seine Neutralität, ist ein guter Zuhörer und analysiert nach dem Gespräch mit beiden Streitparteien die entscheidenden Konfliktursachen. Fast in allen Fällen haben wir die Erfahrung gemacht, daß jeder Streitpartner liebend gern die Auseinandersetzung beenden würde, und dabei selbst zu kleinen Zugeständnissen bereit wäre, wenn der andere nur nicht…!

Ziel ist Interessenausgleich
Und hier liegt das eigentliche Problem: Keiner möchte bei diesem Streit seine Würde, sein Gesicht verlieren. Ein Mediator hat die Aufgabe zu vermitteln, die Einzelgespräche fortzuführen, die beauftragten Anwälte und die Hausverwaltung einzubeziehen und einen Kompromiß auszuhandeln. Ziel muß es sein, anhängige Gerichtsverfahren zu beenden und einen von beiden Seiten akzeptierten Interessenausgleich abzustimmen.

Der Mediator muß entscheiden, ob der abgestimmte Vergleich in einem gemeinsamen Abschlußgespräch von allen Beteiligten schriftlich bestätigt wird und die ehemaligen Kontrahenten an einem Tisch den Streit allseitig als beendet erklären. Im Einzelfall ist das auch mit einer schriftlichen Vertragserklärung im abschließenden Einzelgespräch möglich. 

Die finanziellen Aufwendungen für ein Mediationsverfahren unterscheiden sich wesentlich von den Gerichtskosten. Der finanzielle Aufwand ist wesentlich niedriger und wird in der Regel mit einem vertraglich vereinbarten Stundensatz abgegolten. Die Kosten tragen beide Streitparteien hälftig.

Der VDGN bietet Mediationsverfahren an und unterstützt Sie gern bei der Lösung unüberwindlich erscheinender Probleme. Kontaktieren Sie uns.                

Lothar Blaschke

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