Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Arbeiten im Verein gegen Entgelt?

Für Vergütung ehrenamtlicher Tätigkeiten gelten Obergrenzen

Den VDGN erreichte ein verzweifelter Hilferuf von einem Verein aus Nordrhein-Westfalen (NRW): „In unserem Gartenverein ist es von Jahr zu Jahr schwieriger, Arbeiten von Vereinsmitgliedern ausführen zu lassen. Die älteren Vereinsmitglieder können nicht mehr, die jungen Vereinsmitglieder haben keinen Bock, ohne Entgelt Arbeiten zu verrichten. Hinzu kommt, daß manche Arbeiten nur von Fachleuten ausgeführt werden können, deren Arbeitskonten an geleisteten Gemeinschaftsstunden permanent übererfüllt sind.

Konsequenz: Insgesamt wird der Verein immer öfter einzelne, eng abgegrenzte Arbeiten von einzelnen Vereinsmitgliedern oder deren Angehörigen gegen Entgelt ausführen lassen müssen. Frage: Was müssen wir bei der Vergabe von einzelnen Arbeiten beachten, damit wir die gesetzlichen Vorschriften erfüllen?“

Nach Recherchen hat der VDGN aus mehreren Möglichkeiten zwei ausgewählt, mit deren Hilfe dem Anliegen des Vereins entsprochen werden kann. Die erste Möglichkeit ist die umsatzsteuerfreie Zahlung einer Entschädigung für eine ehrenamtliche Tätigkeit (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. Januar 2012 (Az IV D 3 – S 7185/09/10001).  Danach gilt: Besteht das Entgelt für eine ehrenamtliche Tätigkeit nur im Auslagenersatz und einer angemessenen Entschädigung für Zeitversäumnis, sind die Zahlungen umsatzsteuerfrei.

Entgelte für eine ehrenamtliche Tätigkeit sind in der Regel dann als angemessen anzusehen, wenn die Entschädigung einen bestimmten Höchstbetrag je Tätigkeitsstunde nicht übersteigt und sofern die Vergütung für die gesamten ehrenamtlichen Tätigkeiten im Jahr einen Höchstbetrag einhält. Beide   Höchstwerte sind im Schreiben des Ministeriums genannt und können auch beim VDGN erfragt werden. Der tatsächliche Zeitaufwand ist nachvollziehbar zu dokumentieren. Dagegen unterliegt eine vom tatsächlichen Zeitaufwand unabhängige, laufend gezahlte Vergütung der Umsatzsteuer.

Die zweite Möglichkeit bietet der Werksvertrag. In diesem Fall schließt der Verein mit einem Mitglied einen mündlichen oder schriftlichen Vertrag. Empfohlen wird ein schriftlicher Werkvertrag. Der Verein hat die zu erledigende Aufgabe genau zu bezeichnen und den Auftrag zu erteilen. Nimmt das Vereinsmitglied diesen Auftrag an, dann ist der Vertrag zustandegekommen. Das Angebot des Vereins gilt als Vertragsgrundlage und sollte von daher klare und genaue Angaben zu allen Leistungen und Preisen enthalten.

Weitere Bestandteile eines Werkvertrages sollten sein: Der Auftraggeber weist darauf hin, daß der Auftragnehmer keinen Weisungen des Auftraggebers unterliegt, zeitlich in seiner Arbeit vollkommen frei ist, freiberuflich tätig ist, d. h., daß der Auftragnehmer weder in einem Arbeitsverhältnis noch in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis zum Auftraggeber steht. Weiter sollte im Vertrag verankert werden, daß der Auftragnehmer eventuelle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge selbst abzuführen hat.

Im vorliegenden Fall hatte sich der Verein aus NRW einen Werkvertrag für das Verlegen von Fliesen im Anbau des Vereinshauses auf einer Fläche von 60 Quadratmetern abgeschlossen. Als Entgelt wurde ein Stundensatz von 8,50 Euro pro Stunde vereinbart.

Lothar Blaschke,
Dr. Michael Jagielski

zurück