Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Renaissance des Kachelofens

Altes Handwerk mit goldenem Boden: Ofensetzer hält Familientradition hoch

Dirk Hoffmann vor einem seiner Kamine

Wer erinnert sich nicht gern an den guten alten Kachelofen: In Zeiten moderner Heizsysteme trauern viele der verlorengegangenen Behaglichkeit nach. Das angenehme Raumklima, das solch ein Ofen verbreitete, die Kacheln, an denen man sich nach einem Winterspaziergang schnell wieder aufwärmen konnte – oder die Kanne Tee, die die fürsorgliche Tante in das Wärmefach gestellt hatte …

Eine wachsende Zahl Begeisterter wünscht sich für die eigenen vier Wände wieder diese traditionelle Heizung, als Ergänzung zu gas- oder ölbetriebenen Systemen, weiß Dirk Hoffmann zu berichten: „Ein Ofen oder Kamin schafft einfach Gemütlichkeit und Atmosphäre. In wirtschaftlich eher unsicheren Zeiten besinnen sich die Leute darauf.“ Während sich Hausbesitzer in den 90er Jahren vor allem Kamine setzen ließen, hat sich heute der Trend zugunsten des Kachelofens fast umgedreht, ist die Erfahrung des Kachelofen- und Luftheizungsbaumeisters – so seine korrekte Berufsbezeichnung.

Keine Bange, wenn Schornstein fehlt
Befeuert werden diese neuerrichteten Öfen mit Holz, nicht mehr mit Kohle. „Es fällt sehr wenig Asche an, es gibt viel weniger Schmutz. Und Holz ist ein schnell nachwachsender Rohstoff“, schildert der 48jährige die Vorteile. Auf die skeptische Nachfrage, ob Briketts nicht eine viel bessere und andauerndere Heizleistung haben, kontert er: Bei den heutigen technischen Möglichkeiten der Ofenausrüstung stehe das Holz als alleiniges Heizmaterial der Kohle kaum nach. 

Dirk Hoffmann errichtet Lehm-Grundöfen mit langer Speicherzeit oder Warmluftöfen, die Wärme besonders schnell an den Raum abgeben. Auch an eine Warmwasserbereitung können seine Öfen und Kamine gekoppelt sein. Selbst der Umstand, daß in Häusern oder Wohnungen oftmals ein Schornstein fehlt, schreckt ihn nicht. Auf solche komplexen Anforderungen ist Dirk Hoffmann vorbereitet, dank guter Beziehungen zu Schornsteinbauern und anderen Partnerfirmen.

Seit einem Jahr ist der in Berlin-Müggelheim ansässige Handwerksmeister Mitglied im Unternehmenspool des VDGN. Seine Auftragslage bezeichnet er als gut. „Besonders im Frühjahr und Herbst häuft sich die Arbeit. Dann kann es schon mal zu einigen Wochen Wartezeit kommen“, erzählt das Innungsmitglied.

Kamin – ein Statussymbol
Schon als kleiner Junge sei er mit dem Vater, selbständiger Ofensetzermeister, mitgelaufen zu den Kunden. Schließlich absolvierte er seine Ausbildung in dem um 1928 vom Urgroßvater gegründeten Betrieb: „Mein Vater hat mich härter rangenommen als andere, aber das hat mir nicht geschadet“, kommentiert er die Lehrjahre. Als frischgebackener Meister wurde sein Durchhaltevermögen wieder auf die Probe gestellt. Während sich die Hoffmanns zu DDR-Zeiten kaum vor Aufträgen retten konnten, erlebten sie mit der Währungsunion 1990 schlagartig das Gegenteil: „Plötzlich hatten wir gar keine Arbeit mehr, von Kachelöfen hatten die Ostberliner erst mal genug. Wir hielten uns mit Reparaturen über Wasser. Und selten gab es einen Kamin zu errichten – das war schon immer eine Art Statussymbol“, erzählt der gestandene Handwerker.

Ofenbau ist keine Hauruckaktion
Die schlimmen Zeiten sind zum Glück vorbei. 1997 übernahm er den Betrieb vom Vater, seitdem ist Dirk Hoffmann vor allem für Kunden in Berlin und dem Brandenburger Umland da, plant und baut Kamine und Kachelöfen ganz nach Wunsch: modern und schlicht in Bauhausmanier oder rustikal mit Sitzbank und extra Ablage für die Holzscheite. Auch Kachelöfen im Hamburger Stil sind begehrt. Fotos von den Öfen und ihren stolzen Besitzern füllen inzwischen eine dicke Mappe. Jedes Stück ist ein Unikat. Und nicht billig.  Rund 7000 bis 8000 Euro kann solch ein Ofen kosten, Kamine ab 5000 Euro aufwärts. Mit den Angeboten in Baumärkten will Hoffmann nicht konkurrieren. Er lege Wert auf „vernünftiges Material“, pflege lang-jährige Beziehungen zu ausgewählten Lieferanten, beispielsweise zu einem kleinen Hersteller von Keramik-Kacheln in der Nähe von Dresden.

Überhaupt ist Ofenbau keine Hauruckaktion, gibt der Meister zu bedenken. Das Vorhaben will genau geplant und durchdacht sein. Deshalb mißt er der individuellen Beratung der Kunden hohen Stellenwert bei. Ofen- oder Kamingröße müssen auf den Heizbedarf des Raumes abgestimmt werden. Um teures Nachrüsten zu ersparen, sind vorab wichtige Fragen und Voraussetzungen zu klären wie: Wann wird die Wärme benötigt? Wer kann zu welchen Zeiten heizen? Soll die traditionelle Heizart mit alternativer Energiegewinnung, wie Solaranlagen auf dem Dach, kombiniert werden, um auch Warmwasser für den Haushalt bereitzustellen? Er nimmt sich die Zeit zu erklären, wie man von Anfang an richtig heizt. Besonders junge Leute, die ohne Ofenheizung aufwuchsen, haben da Nachholbedarf, hat er beobachtet. Gerade die Lehm-Grundöfen benötigten ja eine gewisse Zeit zum Trocknen, erklärt der Meister, können also nicht ruckartig hochgeheizt werden.

So schaut er häufig noch mal nach dem Rechten, wenn der Ofen längst steht, sein Werk schon vollendet ist. Das Wort von der Handwerkerehre würde er vermutlich nie in den Mund nehmen, aber man spürt sie.

Kerstin Große

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