Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Gärtnern beginnt im Kopf

Mitten in der Stadt läßt Gartenbauingenieur Viktor Brade Gartenträume wahr werden

Viktor Brade vor dem Firmenwagen. Der Gartenbauingenieur arbeitet seit 20 Jahren bei der Berliner Garten- und Landschaftsbaufirma Klaus Gereit. Das Unternehmen ist Mitglied im Fachverband Garten- und Landschaftsbau.

Im Herbst läuft der Countdown für alle Gartenbesitzer. Und das spürt auch Viktor Brade von der Klaus Gereit-Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co KG sehr genau. Alle Jahre wieder ist er dann mit seinen 19 Mitarbeitern unermüdlich im Einsatz. Gärten werden winterfest gemacht, Bäume und andere Gehölze brauchen einen fachmännischen Schnitt oder müssen ganz und gar weichen. Neue Pflanzen sollen noch vor dem ersten Frost anwachsen. Und schließlich warten viele Stammkunden von Berlin bis Potsdam auf „ihren“ Mitarbeiter von Gereit, um die routinemäßige Pflege für dieses Jahr abzuschließen. „Die persönliche Bindung zum Kunden ist nicht zu unterschätzen“, erklärt der Chef, „man muß nicht lange reden, kennt die besonderen Wünsche und Vorlieben.“ Auf ein gutes Klima achtet Viktor Brade übrigens auch unter den Mitarbeitern. Und er lobt sie in den höchsten Tönen, motiviert seien sie, kommen gern zur Arbeit, erzählt er.

Das Unternehmen verzeichnet kaum eine Fluktuation. Der dienstälteste Mitarbeiter arbeitet bereits seit 22 Jahren dort. Er begann seine Ausbildung noch beim Firmengründer und Namenspatron Klaus Gereit, der zusammen mit seiner leider schon verstorbenen Frau das Unternehmen erfolgreich aufbaute und weiterentwickelte. Zunächst im Berliner Bezirk Charlottenburg beheimatet, verlegten sie 1996 ihren Sitz nach Berlin-Neukölln aufs Gelände einer früheren Friedhofsgärtnerei.

Dieses Jahr beging das Gartenbau-Unternehmen, das Mitglied des VDGN-Unternehmenspools ist und mit dem VDGN-Zertifikat geehrt wurde, sein 50jähriges Bestehen. Zeit zum Feiern blieb nicht so richtig, gibt Viktor Brade unumwunden zu. Doch das tut der Freude über Erreichtes keinen Abbruch. Davon erzählt auch eine umfassende Broschüre, die übrigens unter der Regie von Klaus Gereit in Wort und Bild festhält, was geschah - von den bescheidenen Anfängen in den sechziger Jahren bis zur Gegenwart. Sie dokumentiert, wie die Firma Gereit ungezählte Orte der Hauptstadt in eine Oase verwandeln half.

So mancher öffentliche Auftraggeber greift indes bei der Pflege des Grüns immer häufiger zum Rotstift, läßt nur noch das Nötigste von den preiswertesten Anbietern machen, beklagt Brade. Doch das konnte kompensiert werden, weil viele neue Privatkunden dazukamen. So sind die Gereit-Gärtner längst nicht mehr nur im Westen der Stadt unterwegs, sondern werden verstärkt auch in Gärten und begrünte Wohn-Höfe des Berliner Ostens gerufen. Dabei spielt die Firmen-Mitgliedschaft im Unternehmenspool des VDGN durchaus eine Rolle. Ob „nur“ ein Rollrasen am neuen Haus zu verlegen ist oder der Garten völlig umgekrempelt werden soll, ob ein Bewässerungssystem zu installieren ist oder ein Teich anzulegen, eine Trockenmauer oder ein schwungvoller Weg durchs Paradies – von den Gereits wird bestimmt eine Lösung gefunden.

Auch wenn die Mentalität der Ostdeutschen, möglichst alles selbst zu machen, mitunter noch zu spüren sei: Immer mehr Hausbesitzer vertrauen dem Fachmann. „Und wer im nächsten Frühjahr erste Erfolge sieht, wird uns vielleicht treu bleiben“, ist Brades Erfahrung.Zunächst als Angestellter bei Gereit, wurde dem Gartenbauingenieur bald schon die Geschäftsführung übergeben, die er sich viele Jahre mit der Betriebswirtin Silke Gerhard teilte. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Mittvierziger begann seine Ausbildung im ehemals größten Obstanbaugebiet der DDR, im havelländischen Werder, ehe er sich nach dem Mauerfall im Norden der Bundesrepublik umschaute, so im Alten Land, dem riesigen Obstbaugebiet nahe Hamburg. Diese Erfahrung möchte er nicht missen. Obwohl er sich mit der Entscheidung für Gereit mehr und mehr dem Gartenbau zuwandte, und dies nie bereut hat.

Ihn reizt jeder neue Auftrag – beispielsweise die Umgestaltung eines kleinen in die Jahre gekommenen Gartens, dem er japanisches Flair verlieh – mit Kieswegen, Bonsai und Bambus. Phantasie, räumliches Vorstellungsvermögen und Wissen um Standortansprüche von Pflanzen gehören dazu, um „im Kopf ein genaues Bild entstehen zu lassen, wie der Garten einmal aussehen soll“, schildert Viktor Brade den kreativen Part seiner Arbeit. Später wird es dann handfest: Zimperlich darf man nicht sein als Garten- und Landschaftsbauer. Muß zupacken und auch widriges Wetter aushalten können. Das war schon immer so.

Was sich gewandelt hat, sind einerseits die Preise für Material und moderne Technik. Die Firma verwendet beispielsweise den teureren Ökosprit, denn er stinkt nicht und verursacht keine Kopfschmerzen bei den Mitarbeitern, die häufig an den damit betriebenen Maschinen arbeiten. Andererseits sind die Ansprüche an einen Garten nicht mehr mit denen vor fünfzig Jahren zu vergleichen. Heute soll das Grün vornehmlich der Erholung dienen, eine Freude fürs Auge sein, weiß Viktor Brade; was wohl auch den unzähligen Gartenzeitschriften zu verdanken ist, die den Kunden attraktive Vorlagen liefern. Für die Gärtner von Gereit ist das kein Problem, eher ein Ansporn, versichert der Chef.

Kerstin Große

 

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