Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wo der Kunde kein König ist

Gartencenter wollte Reparatur eines Rasenmähers erzwingen – abgemahnt

Wenn der Rasenmäher kaputt ist, werden Grundstücksbesitzer unruhig. So schnell es geht, soll das Gerät wieder seine zuverlässigen Dienste tun. Das dachte sich auch VDGN-Mitglied Dietmar Liebsch aus Berlin. Sein Benzin-Rasenmäher funktionierte noch, „lief aber nicht ganz rund”, wie er berichtet. Dem Mangel wollte Liebsch nachgehen und ihn beheben lassen, ehe das Gerät ganz seinen Geist aufgibt.

Im nahegelegenen Gartencenter mit angeschlossener Werkstatt ließ er prüfen, woran es liegt. Als man ihm telefonisch erklärte, daß die Reparatur 130 Euro kosten würde, lehnte er ab. Denn dafür bekommt man ja fast einen neuen Rasenmäher.

Wieder in der Werkstatt, zahlte er 30 Euro für das Kostenangebot und verlangte den Rasenmäher zurück. Und nun passierte etwas, was der früher selbständige Handwerksmeister mit eigener Druckerei und Lithographiewerkstatt  für wertvolle Kunstdrucke nicht für möglich gehalten hätte: Man reichte ihm  den Rasenmäher in Einzelteile zerlegt – in einem Karton – über die Ladentheke.

Das aber wollte Liebsch nicht akzeptieren. Er empfand das Vorgehen völlig zu Recht  als dreist und unseriös, bestand darauf,  den Rasenmäher zurückzuerhalten wie er ihn abgegeben hatte.  Doch in der Werkstatt blieb man hart und verwies auf die Geschäftsbedingungen, die Liebsch – im Vertrauen auf ein kundenfreundliches und serviceorientiertes Handeln – mit der Unterschrift unter den Prüfungsauftrag akzeptiert hatte.

Liebsch ist ein solches Geschäftsgebaren völlig fremd. So wäre er früher nie mit seinen Kunden umgesprungen, erklärt der heutige Rentner. Auch will ihm nicht in den Kopf, daß man ihm den Kauf eines neuen Gerätes „nahelegte“, obwohl doch das alte noch funktionierte. Schließlich montierte und reparierte er das Gerät selbst. Es läuft wieder rund.

Um wenigstens andere Mitglieder vor solchem Geschäftsgebaren zu warnen, wandte er sich an den VDGN. Auch die Verbraucherzentrale Brandenburg wurde eingeschaltet. Sie mahnte das Unternehmen erfolgreich ab. In der Presseinformation aus Potsdam heißt es: „Die Verbraucherzentrale hat das Vorgehen des Händlers als extrem nachteilig für seine Kunden beurteilt und den Händler daher abgemahnt. ,Kunden dürfen durch eine solche Klausel nicht dazu gezwungen werden, einen Reparaturauftrag zu erteilen’, so Juristin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. ,Die Kunden sollten darauf bestehen, ihre Geräte so wie übergeben zurückzuerhalten, ansonsten aber dem Händler eine Rechnung über zusätzliche Montagekosten schicken’, rät die Expertin.

Nach der Abmahnung der Verbraucherzentrale Brandenburg hat sich der Anbieter verpflichtet, die unwirksame Regelung künftig nicht mehr zu verwenden und sich auch bei bereits bestehenden Aufträgen nicht mehr darauf zu berufen. Verstößt er dagegen, wird eine hohe Vertragsstrafe fällig.”

Kerstin Große

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