Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Überschwemmte Wiesen, feuchte Keller

Anwohner, Natur und Tourismus leiden unter Rückbauarbeiten an der Spree

Spreewiesen im März 2013

Mit dem folgenden Bericht über die Veränderung der Müggelspreeniederung von einer einzigartigen Kultur- in eine vernäßte Auenlandschaft wandte sich Frank Müller, VDGN-Mitglied aus Grünheide, an die Redaktion:

Wulkow ist ein verträumter kleiner Ort, gelegen in den idyllischen Spreewiesen an der Müggelspree. Wenn sich im Nordwesten die Wolken dunkelgrau und schwarz zusammenziehen, blickt Karsten Ambrosius mit gerunzelter Stirn in den Himmel. Er weiß: Alles, was aus dieser Richtung kommt , wird sich hier abregnen. Hoffentlich ist das nicht der Beginn einer längeren Regenzeit. Das sind die Gedanken, die bei ihm immer mitschwingen, wenn der Wetterbericht von längeren Regenperioden mit einer Vb-artigen Wetterlage spricht. Denn das bedeutet viel Wasser für die Spree. Er und seine Nachbarn kennen die Müggelspree und ihr Verhalten seit vielen Jahrzehnten, leben die meisten doch schon lange hier, wo der Fluß von Berlin ins südlich gelegene brandenburgische Umland hinübergleitet.

Seit einigen Jahren stellen sie Veränderungen fest. Die direkt an der Spree gelegenen tieferen Wiesen standen früher nur kurzzeitig im Winterausgang unter Wasser, heute aber fast zwei Drittel des Jahres lang. Feuchte Keller und lokale Überschwemmungen sind zum Alltag geworden. Ambrosius´ Wohnhaus liegt nur 500 Meter von der Spree entfernt. Die gestiegenen Pegel des Flusses haben auch die Grundwasserpegel ansteigen lassen. Karsten Ambrosius fragte sich, wieso erst in den letzten fünf bis sechs Jahren diese Probleme offensichtlich zutagetraten. 2012 konnte er feststellen, daß der Hochwasseralarmpegel für die Müggelspree erreicht wurde, bei lediglich einem Drittel der durchschnittlichen Fließmengen. Nirgendwo im Land Brandenburg war eine Hochwassergefahr vorhanden. Da stand die Wiese auf der anderen Flußseite schon wieder unter Wasser. Diese Situation ließ ihm keine Ruhe. Vom Landesamt für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) wurde in Informationsveranstaltungen 2010 immer nur auf Niederschlagsmengen als Ursache für höhere Pegel verwiesen.  Aber das konnte es nicht alleine sein, da die Pegel auch bei durchschnittlichen Fließmengen erhöht waren.

Spree ist nicht mehr dieselbe
Nach mühsamem Sammeln von Unterlagen und Studien einschlägiger Fachliteratur kristallisierte sich heraus, daß die Pegel natürlich auch durch die Abflußbedingungen aus dem Gebiet charakterisiert werden. Damit war die Zielstellung der Ursachenforschung für ihn klar: Was wurde in den letzten Jahren an der Müggelspree verändert? Jetzt war es relativ einfach die Spur aufzunehmen.

Der Wasser- und Landschaftspflegeverband „Untere Spree“ hatte in den Jahren zuvor für alle Anwohner sichtbar umfangreiche Umbaumaßnahmen an der Müggelspree im Auftrag des LUGV vorgenommen. Alle Maßnahmen sind sehr sorgfältig im 2007 verabschiedeten „Unterhaltungsrahmenplan Müggelspree“ aufgelistet worden. Eine der darin formulierten Zielstellungen des LUGV lautet bei mittleren Fließmengen (12,5 m2) den Spreepegel auf 10 bis 30 Zentimeter unter Umgebungsniveau einzustellen. Es wurden Buhnen und Ufer rückgebaut, Altarme eingebunden, Verwallungen entfernt etc. Die Sedimente aus den Baumaßnahmen wurden in die Spree eingebracht. Heute ist die Spree nicht mehr dieselbe wie vor zehn Jahren. Im Sommer muß die Spree regelmäßig gekrautet werden, weil das Krautwachstum ein Aufstauen des Wassers bewirkt. Und nun haben auch noch die vorgenommenen Umgestaltungsmaßnahmen das Krautwachstum intensiviert, so daß dadurch bedingte sommerliche Pegelspitzen immer wieder örtliche Wiesenbereiche überschwemmen. 

Mückenplage, Wildbienenschwund
Noch viel gravierender sind die Folgen für das Gebiet im Hochwasserfall. Beim Hochwasser 2010 lagen die Hochwasserpegel 35 Zentimeter höher als vor 30 Jahren. Für Karsten Ambrosius ist das eine signifikante Erhöhung der Hochwassergefahr mit potentiell höheren zu erwartenden Schäden im Müggelspreegebiet. Neben den Problemen der einzelnen Anwohner in dem Gebiet mit feuchten Kellern und problematischen Tiefbauarbeiten spielen sich auch dramatische Veränderungen in der Landschaft ab. Die gern von Erholungssuchenden per Rad oder zu Fuß aufgesuchten Gebiete der Müggelspreeniederung verwandeln sich teilweise von Süßgraswiesen mit einem hohen Kräuteranteil in eintönige Sauergraswiesen mit geringer Pflanzenvielfalt. Die hohe Populationsdichte an Schmetterlingen und Wildbienen geht verloren, da kaum noch Blütenpflanzen auf den Sauergraswiesen zu finden sind. Dafür wird die Belastung durch Mücken intensiviert, die hervorragende Brutbedingungen auf den überschwemmten Wiesen finden. Das sind keine guten Rahmenbedingungen für den Tourismus und den hier verbreiteten Reitsport.

Karsten Ambrosius hat seine Entscheidung getroffen. Er wird dafür eintreten, daß nicht die heutigen Bestrebungen in Brandenburg, das Wasser möglichst lange in der Landschaft zurückzuhalten, dazu führen, daß Bürger feuchte Keller und überschwemmte Wiesen zu akzeptieren haben. Die Umwandlung einer lange gewachsenen Kulturlandschaft in eine vernäßte Auenlandschaft mit großen Brutgebieten für Mücken sind Anwohnern im gesamten Müggelspreegebiet ein Graus.  Er hat für sich selbst beschlossen, aktiv in der BI „Müggelspree“ mitzuarbeiten, die die Interessen der Anwohner der Müggelspree in diesem Belang vertritt. Die letzte Informationsveranstaltung des LUGV in Hartmannsdorf am 14. August hat den Ausschlag gegeben. Unter Protest der Bürger wurden lediglich etwas verbesserte Instandhaltungsmaßnahmen zugesagt, ohne die Ursachen der hohen Spreepegel anzugehen. Kosmetik alleine reicht nicht, um die Abflußleistung der Müggelspree wieder herzustellen. Solange Behörden gegen die Interessen der Bürger arbeiten, gibt es keine andere Alternative. Er ist sich sicher, letztendlich wird sich die Wahrheit durchsetzen.

Es ist nur schade, daß er und viele andere viel Zeit opfern müssen, um Ihre Interessen umgesetzt zu sehen. In angelsächsischen Ländern sieht man häufig an den Behördengebäuden folgende Inschrift „We serve you“ – „Wir dienen Ihnen“. Es wird Zeit, daß dieser Leitspruch auch an deutschen Ämtern steht.                     

Frank Müller, Grünheide

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