Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Pächter-Protest gegen Abriß

Bungalowanlage an der Hohenwartetalsperre soll bis 2015 weichen

Schön gelegen: Die Bungalowanlage am Stausee

Über 60 Pächter genießen oftmals bereits generationsübergreifend seit vielen Jahren ihr kleines Domizil am Ufer der mächtigen Hohenwarte-Talsperre im Thüringer Land. Folgt man einer schmalen, an Paßstraßen in den Alpen erinnernde Zufahrt zum Seeufer, mag man es kaum glauben, so herrlich liegt der Stausee inmitten bewaldeter Berghänge.

Kein Wunder, daß sich Mitte des vorherigen Jahrhunderts Naturliebhaber gefunden haben, die im Uferbereich ihre Zelte aufschlugen, und einen ersten Campingplatz gründeten. Die Zelte werden schrittweise durch Wohnwagen ersetzt, örtliche Bürgermeister erteilten mündliche Baugenehmigungen, um die Wohnwagen fest zu umbauen, es entstehen Bungalows. Mit Genehmigung der Gemeinde wird das Gelände erschlossen, die Elektro- und Wasserversorgung ist gesichert,  die Gemeinde stellt einen Sanitärcontainer, vergibt Hausnummern und eine postalische Anschrift, schafft abschließbare Parkplätze und erhebt eine Pacht.

Mehrere kleine Bungalowsiedlungen, ein weiterer Zeltplatz, eine kleine Marina, ein Tauchstützpunkt, ja sogar ein Hotel entstehen in der Bucht der hier auf 27 Kilometer angestauten Saale. Genießen können die Mitglieder des Zweckverbundes Saalthal/Alter Ostufer ihr Idyll nun aber nicht mehr. Der Eigentümer des Talsperreareals, die Vattenfall Europe Generation AG, hat  alle Verträge gekündigt, Schwarzbauten unterstellt und den Abriß der Bungalows bis spätestens 2015 gefordert. Hochwasserschutz und ein striktes Bebauungsverbot in der Stauzone werden in der Begründung genannt.

Die Gemeinde Unterwellenborn, die über Jahrzehnte die Pacht kassierte, läßt jegliche Unterstützung vermissen. Die Pächter, nun auf sich allein gestellt, organisieren Protestaktionen, über die inzwischen nicht nur die Lokalpresse informiert, sondern auch der MDR berichtet, erzwingen eine Regionalkonferenz mit dem Landrat und allen beteiligten Institutionen und sind dennoch keinen Schritt weiter. Der Eigentümer beharrt auf seinem Rechtsstandpunkt, obwohl bereits im Juli 2012 das Thüringer Umweltministerium und der Umweltstaatssekretär Roland Richwien (CDU) erklären, daß es in diesem Uferbereich keine baulichen Anlagen gebe, die eine Rückbauanordnung aus wasserrechtlicher Sicht erforderlich macht.

Das letzte Hochwasser 2013 hat dieser Aussage Recht gegeben. Anfang Juni diesen Jahres waren die Talsperren bist zur Oberkante gefüllt. Am Abend des 3. Juni schossen tausende Kubikmeter Saalewasser durch die Überlaufrinnen über die 75 Meter hohe Staumauer.

Höher kann der Wasserstand wohl nicht ansteigen? Es hat keinem Bungalow im Uferbereich ernsthaft geschadet! Der Landrat in Saalfeld-Rudolstadt, Hartmut Holzhey (parteilos), erklärt, die „Touristische Nutzung der Bucht verträgt sich mit dem Dasein der Parzellennutzer“. Die Pächter, die Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt hatten, sind bisher der Aufforderung zum Abriß nicht nachgekommen. In einer weiteren Mitgliederversammlung wurden sie am 21. September 2013 über den gegenwärtigen Stand und weitere mögliche Schritte informiert.

Der VDGN, vertreten durch den Autor dieses Beitrages, und der beauftragte Rechtsanwalt Peterr Mangel  legten aus ihrer Sicht Chancen und Risiken im laufenden Rechtsstreit dar. Der Vorsitzende des Zweckverbundes, Herr Herzog, bat alle Mitglieder sich in den nächsten Tagen schriftlich festzulegen, ob sie weiterhin gemeinsam juristisch gegen die Kündigung und Abrißverfügung vorzugehen wollen und die Kosten tragen. Nach jetzigem Stand ist die überwiegende Mehrheit dazu bereit. Dem Rechtsanwalt Peter Mangel wurde unter Festlegung einer Kostenobergrenze das Mandat erteilt, weitere Akteneinsicht zu nehmen, um mögliche juristische Schritte daraus abzuleiten. Trotz der Brisanz des Themas wurden die Diskussionen sehr sachlich geführt. Der Ausgang ist noch völlig offen. Nur mit Geschlossenheit, weiteren öffentlichkeitswirksamen Aktionen, der Unterstützung weiterer Anlieger und juristischem Können werden Erfolge möglich. Der VDGN wird dies auch weiterhin begleiten.                 

Lothar Blaschke

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