Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Weder Obst noch Gemüse

Pilze sind ganz besondere Lebewesen und verfügen über spezielle Eigenschaften

Im Laden liegen Pilze selbstverständlich beim Obst und Gemüse. Aber eigentlich gehören sie da gar nicht hin. Pilze sind keine Pflanzen. Sie bilden ein eigenes Reich. Entwicklungsgeschichtlich stammen sie aus der gleichen Wurzel wie die Tiere. Pilze haben sich nur frühzeitig abgespalten und sind um ein Vielfaches älter als der Mensch. Während der homo sapiens seit rund 200.000 Jahren die Erde bevölkert, gibt es 850 Millionen Jahre alte Pilzfossilien. Rund 1,5 Milliarden Jahre alte Funde aus China und Australien, die als Pilze definiert werden, weisen aber auf ein noch viel höheres Alter hin.

Seither haben sie sich die Erde untertan gemacht, kommen fast überall vor und leben von den organischen Stoffen, die andere Lebewesen aufbauen oder aufgebaut haben. Ein bisschen klingt das nach „Leben auf Kosten anderer“. Aber ohne Pilze gäbe es keinen Stoffkreislauf. Sie sorgen dafür, daß Tier- und Pflanzenreste zersetzt und aufgelöst werden. Auch der bekannte und beliebte Champignon tut das. Seine wilden Verwandten findet man auf Weiden, wo er Mist in Humus verwandelt. Täte er das nicht, würde der Mist bald das Gras überdecken. Champignon-Anbauer nutzen diese Vorliebe und kultivieren ihn ebenfalls auf fermentiertem Pferdemist und Stroh.

Pilze besitzen eine erstaunliche Vielgestaltigkeit. Es gibt winzige Einzeller wie die Hefen, die sich bei guten Lebensbedingungen rasch teilen und vermehren. Wer jemals einen Hefekuchen gebacken hat, weiß wie schnell das geht. Andere Pilze, zu denen auch Champignon, Austernpilz und Shiitake gehören, bilden im Boden oder im Holz von Bäumen ein Geflecht, das so genannte Mycel, aus feinen, fadenförmigen Hyphen. Sie erinnern zwar an Pflanzenwurzeln. Aber der Vergleich hinkt. Denn Pflanzen besitzen eine klare Gestalt aus unterirdischen Wurzeln, oberirdischem Stamm oder Stiel und den Blättern. Das Lebewesen Pilz dagegen besteht aus dem Hyphen-Gewirr, das scheinbar ziellos den Boden durchzieht. Das, was wir oberirdisch sehen und als Pilz bezeichnen, ist der Fruchtkörper – vergleichbar mit Apfel oder Gurke. Schneiden wir ihn ab, ist aus Sicht des Pilzes eine Chance auf Vermehrung vertan. Das Mycel aber lebt weiter. Eine Pflanze ohne oberirdischen Teil ist dagegen zum Tode verurteilt.

Bittet man Kinder, einen Pilz zu zeichnen, entsteht die typische Form, die auch der Champignon im Supermarkt ausbildet: Ein kräftiger Stiel, auf dem ein erst kugeliger, später ausgebreiteter Hut thront. Unter ihm sitzen je nach Pilzart entweder Lamellen oder eine Vielzahl an Röhren, die sich leicht schwammig anfühlen. In ihnen warten die Sporen, mit denen die Pilze ihre Nachkommen in die Welt entlassen, auf ihre Reife. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, erkennt man beim Champignon an Schokolade braunen Lamellen und einem geöffneten Hut. Wer ihn jetzt mit den Lamellen nach unten auf ein weißes Blatt Papier legt, erblickt nach kurzer Zeit das Strahlenmuster der Lamellen, nachgezeichnet aus braunem Sporenpulver. Shiitake und Austernpilz zählen ebenfalls zu den Lamellenpilzen. Andere, wie der kräftige Steinpilz oder die Marone, die beide nur wild gesammelt werden können, gehören zu den Röhrenpilzen. Natürlich ist es damit nicht getan. Es gibt aber auch Pilze, die von der Gestalt her völlig aus der Reihe tanzen, wie der Pom Pom-Pilz. Er erinnert an einen rundlichen Schwamm und macht klar, wie vielfältig Pilze sind.

Viele weitere interessante Informationen zu Speisepilzen finden Sie auch auf der Website www.gesunde-pilze.de.

 

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