Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Strom aus der Zwickmühle

Von Fred Fischer, VDGN-Fachberater

Angst und bange kann es einem werden, wenn man sieht, wie sich die Strompreise entwickeln. Die Rechnung, die der Energieversorger stellt, ist zwar nur eine von vielen wachsenden finanziellen Belastungen. Aber an ihr kommt niemand vorbei. Denn ohne Elektroenergie läuft fast gar nichts mehr, weder der Kühlschrank noch die meisten Heizsysteme, weder der Elektroherd noch das Notebook, wenn dessen Akku dann doch irgendwann alle ist.

Sicher, im Haushalt läßt sich Elektroenergie sparen – vor allem mit Geräten, die weniger Strom verbrauchen, mit bewußtem Verhalten, mit Verzicht auf Überflüssiges. Das Grundproblem wird es nicht lösen. Die Belastungen durch den Strompreis sind in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Einsparpotentiale. 50 Cent pro Kilowattstunde sehen manche Experten bereits als eine Marke der nahen Zukunft an, wenn den Verbrauchern immer mehr von den realen oder angeblichen Kosten draufgepackt wird, die bei der Nutzung regenerativer Energien entstehen. Die Diskussion um die Anbindung von Windkraftanlagen in der Nordsee ist nur eines der Alarmzeichen dafür.

Spätestens aber wenn der Energiepreis zum sozialen Problem wird, kommt richtig Druck in den Kessel. Muß die Energieversorgung nicht wenigstens bis zu einem gewissen Grad dem Gewinnstreben entzogen werden?, wird dann eine der Fragen lauten.

Manches muß man aber schon jetzt diskutieren. Windparks werfen heute aufgrund der vom Verbraucher aufzubringenden Subventionen Renditen von 6 bis 10 Prozent pro Jahr ab. Deshalb können sich zum Beispiel in Brandenburg viele Regionen gar nicht vor Windkraft-Investoren retten, die einen Anspruch auf Genehmigung ihrer Anlagen geltend machen. Zigtausende Menschen in den umliegenden Dörfern bezahlen das zusätzlich mit dem Wertverlust ihrer Grundstücke, der bis zur Unverkäuflichkeit reicht.

Doch wird die Menge der erzeugten Energie in dieser Gegend gar nicht gebraucht, sondern ein großer Teil „exportiert“. In Baden-Württemberg hingegen, dessen Industrie einen riesigen Energiebedarf hat, fängt man erst an mit dem Ausbau der Windkraft. Doch schon jetzt warnt der Nachhaltigkeitsbeirat der Stuttgarter Landesregierung: Baden-Württemberg werde „bereits im Jahr 2020 ein völlig verändertes, stark beeinträchtigtes Landschaftsbild vorweisen“, wenn es nach den jetzigen Windkraftplanungen gehe. In Brandenburg hingegen verspricht die Regierungskoalition aus SPD und Linken, die Windkraftkapazitäten noch einmal zu verdoppeln, egal wie es dann im Lande aussieht.

Man kann es sich schon ausmalen: Baden-Württemberg, das die Energie dringend braucht, wird den Bau von Windmühlen mit guten Argumenten bremsen – während Brandenburg über lange Stromleitungen, die in betroffenen Gegenden wiederum Grundstückswerte vernichten, den Südwesten mit Windstrom beliefert. Noch traut sich keiner so recht, es zu sagen: Wenn es mit der „Energiewende“ ernst sein soll, müssen auch die Kämme der Mittelgebirge im Südwesten mit Windrädern so hoch wie das Ulmer Münster bebaut werden. Alles andere ist nicht vernünftig und wird auch nicht besser, wenn sich eine Landesregierung wie die brandenburgische in den Dienst der Unvernunft stellt.

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