Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Einheitliches Vorgehen

Berlin: Arbeitsgruppe sucht neue Wege für Kampf gegen Eichenprozessionsspinner

Wir haben in diesem Jahr viel über den Eichenprozessionsspinner gehört. Er kommt ursprünglich aus Süd- und Mitteleuropa, ist aber gen Norden gewandert und hat sich in den letzten Jahren in unserer Region stark ausgebreitet. Und das verheißt nichts Gutes, obwohl er eigentlich ein Schmetterling ist. Aber diese giftige Art frißt nicht nur unsere Eichen kahl, sie bedeutet für den Menschen ein gesundheitliches Risiko. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können aufgrund eines Nesselgifts nämlich starken Juckreiz der Haut verursachen. Auch die Augen und die Atemwege können durch Reizungen betroffen sein. Gerade für Kinder und ältere Menschen ist der Eichenprozessionsspinner eine Gefahr.

Viele Grundstückseigentümer hatten in dieser Saison ebenso wie die Berliner Forsten – gerade in den westlichen Bezirken – gegen die Tiere zu kämpfen. Stark befallene Eichen sind im Sommer an kahlgefressenen Ästen leicht zu erkennen. Dann sieht man die Nester der Raupen, die mit Gespinsten überzogen sind. Problematisch sind die Nester der Raupen vor allem dort, wo die Eichen in Gegenden stehen, in denen sich viele Menschen aufhalten, wo sie Erholung suchen, Sport treiben, baden gehen.

In diesem Sommer ist von den Bezirken und auch privaten Grundstückseigentümern schon viel unternommen worden, um die Nester zu beseitigen. Dies muß allerdings fachmännisch geschehen, niemand sollte sich allein daran machen. Die Arbeiten sind nur von qualifizierten Schädlingsbekämpfungs- bzw. Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen durchzuführen. Zuvor soll ein deutlicher Befall dem bezirklichen Gesundheits- oder Grünflächenamt gemeldet werden. Die Gesundheitsämter führen dann im Verdachtsfall eine Gefährdungsanalyse durch.

Doch mit den vielen Einzelmaßnahmen in den Bezirken allein ist diesem aggressiven Schädling nicht mehr beizukommen. Der Senat hat daher eine gemeinsame Strategie beschlossen, um die weitere Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einzudämmen. Gesundheitssenator Mario Czaja hat dieses Konzept im Senat eingebracht. Unter Federführung der Senatsgesundheitsverwaltung wird in einer fach- und ressortübergreifenden Arbeitsgruppe ein einheitliches Vorgehen abgestimmt. Im Herbst wird die Arbeitsgruppe zum ersten Mal zusammenkommen. Zu-nächst ist eine Bestandsaufnahme notwendig. Die Bezirke werden ihre Informationen und Erfahrungen, die sie bisher bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gemacht haben, sammeln und austauschen. Dann wird es auch einen Überblick geben, wie viel Geld die Bezirksämter zur Bekämpfung des Schädlings in diesem Jahr bereitstellen mußten. Schon jetzt ist allerdings klar, daß die bisher angewandten Maßnahmen zur Bekämpfung und Beseitigung des Eichenprozessionsspinners für die Bezirke sehr kostenintensiv sind.

Auch das ist ein Grund, nach neuen Lösungen zu suchen. Rechtzeitig vor dem nächsten Schlüpfen der Raupen soll in der Arbeitsgruppe ein einheitliches Vorgehen im Land besprochen und festgelegt werden. Von zentraler Bedeutung wird die Klärung der Frage sein, ob im nächsten Jahr der Schädling mit einem Biozid bekämpft werden kann. Dies wäre eine effektive, vorbeugende Methode, die auch weit weniger Kosten verursacht. Zum Vergleich: Wenn eine Spezialfirma die Nester der Eichenprozessionsspinner durch Absaugen, Abflammen oder Abkleben beseitigt, fallen je Baum Kosten von mindestens 300 Euro an. Im Gegensatz zu dieser mechanischen Beseitigung kostet eine Bekämpfung mit Bioziden vom Boden aus nur 30 Euro.

Bislang dürfen Biozide in Berlin nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Der Einsatz von Bioziden zur Beseitigung des Eichenprozessionsspinners ist nur im Zeitraum Ende April bis zur zweiten Maihälfte sinnvoll, denn dann sind die gefährlichen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners noch nicht ausgebildet und eine weitere Verbreitung des Schädlings ließe sich am effektivsten verhindern. Ab der dritten Maidekade, dem dritten Larvenstadium, sind dann wiederum nur noch mechanische Maßnahmen möglich, weil dann Biozide wirkungslos sind. Es bleibt also abzuwarten, ob ein größerer Einsatz von Bioziden im nächsten Jahr machbar ist. Fest steht, diesem aggressiven Schädling muß noch effektiver zu Leibe gerückt werden. Zum Schutz unserer Bäume und zum Schutz der Bevölkerung.

Für weitere Informationen über den Eichenprozessionsspinner und dessen Be-kämpfung ist die Internetseite www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz zu empfehlen.

Regina Kneiding, Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Berlin

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