Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Matthus ist kein „Illegaler“

Für Datschensiedlung im brandenburgischen Stolzenhagen endlich tragfähige Lösung gesucht

Der Komponist Siegfried Matthus

„Hilfe, ich werde enteignet!“ Mit diesem dramatischen Appell hatte sich vergangenes Jahr der Komponist Siegfried Matthus (unser Foto) öffentlich zu Wort gemeldet und auf die Probleme der Siedlung am Steinberg in Stolzenhagen, wo er – im Unterschied zu anderen Wochenendnutzern – seit DDR-Zeiten lebt, hingewiesen. Die Gemeinde Wandlitz, zu der der Ortsteil Stolzenhagen zählt, hatte in einem ersten Entwurf des Flächennnutzungsplans (FNP) die Siedlung zum Wald erklärt und ein benachbartes, bisher unbebautes Waldstück für die Bebauung mit Wochenendhäusern vorgesehen. Das schreckte die Datschenbesitzer der Siedlung auf, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenschlossen mit der Absicht, die Wochenendnutzung auf Dauer zu sichern. Wie Öl-ins-Feuer-gießen  war dann die öffentliche Behauptung, Siegfried Matthus halte sich illegal in Stolzenhagen auf. Die Gemeinde hatte unter Führung des damaligen Bürgermeisters das Bauordnungsamt des Landkreises aufgefordert, die Wohnnutzung von Prof. Siegfried Matthus in der Wochenendhaussiedlung einer bauordnungsrechtlichen Prüfung zu unterziehen.

Mit Hilfe des VDGN konnte die Situation entkrampft werden: VDGN-Vertrauensanwalt Uwe Schuster wies nach, daß Prof. Matthus seine Wohnnutzung noch in der DDR mit allen dafür erforderlichen Genehmigungen begründete. Die Oberste Bauaufsicht des Landes Brandenburg half hernach, den Streit schnell und unbürokratisch zu beenden.

Aber noch war die Perspektive der Siedlung am Steinberg unsicher. Eine Festlegung im FNP, wie oben beschrieben, hätte durchaus Brisanz. Denn damit positioniert sich die Gemeinde zur weiteren Entwicklung. Auch ist sie ein Signal an das Bauordnungsamt des Landkreises, seine bisherige, eher großzügige Genehmigungspraxis bei Bauanträgen zu überdenken.

Zusätzlich verunsicherte die Interessengemeinschaft auch, als die Gemeinde von den Bewohnern forderte, die Kosten für Planung und mögliche Erschließungsaufwendungen in sechsstelliger Höhe (!) zu tragen, wenn sie eine Ausweisung der Siedlung als Sondergebiet Erholung vornähme. Zehntausend Euro und mehr können viele aber nicht aufbringen.

Die Diskussion um den FNP in Stolzenhagen und der Umgang mit den Bürgern haben im Bürgermeisterwahlkampf eine Rolle gespielt und wahrscheinlich zur Abwahl des Bürgermeisters beigetragen.

Nach der Neuwahl ist jedenfalls ein anderer Wind aus dem Rathaus spürbar. Mit Unterstützung des VDGN arbeitet die Interessengemeinschaft nun gemeinsam mit der Gemeinde an einem Modellprojekt, bei dem über einen städtebaulichen Vertrag das Baurecht für die Grundstücke gesichert werden soll. Das ist umso erfreulicher, sah es doch noch Ende vorigen Jahres so aus, als ob sich die Situation weiter zuspitzt.                            

Fred Fischer

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