Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Ich frage nach, das paßt manchen nicht“

Teterow: Dietmar Pavel nimmt Recht auf Mitsprache beherzt wahr

Dietmar Pavel beim "Wassergipfel" für Mecklenburg-Vorpommern 2007 in Bützow

Kürzlich trafen sich Vertreter von VDGN-Regionalgruppen in der Berliner Verbandszentrale, um über ihre Vorhaben zu berichten und sich auszutauschen. Dabei war auch Dietmar Pavel aus Teterow, der sich mit anderen Mitstreitern im „Aktionsbündnis Wasser/Abwasser Mecklenburg-Vorpommern im VDGN“ für die Probleme von Grundstückseigentümern einsetzt, die von Altanschließerbeiträgen betroffen sind.

Bereits 2004 war in Teterow und Gnoien eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen worden. Proteste der Hausbesitzer gegen die teils horrenden Altanschließer-Forderungen des Zweckverbandes wurden so gebündelt. „Das kam bei den Verantwortlichen nicht gut an“, erinnert sich Dietmar Pavel, „wir wurden schon mal als Querulanten bezeichnet“.

Sie schreckte das nicht. Im Gegenteil, sie suchten sich Verbündete. Denn: „Die, die Zeche bezahlen sollten, hatten keine Lobby. Das mußten wir ganz schnell ändern“, betont der Diplom-Ingenieurökonom und heutige Rentner, der zu DDR-Zeiten im Bauwesen (Hoch- u. Tiefbau) tätig war. Dabei unterstützte sie der VDGN, im Gegensatz zum Eigentümerverein Haus und Grund, erinnert sich Pavel.

So nahm die Bürgerinitiative gemeinsam mit dem Verband als sachkundiger Teilnehmer an der Anhörung zur Novellierung des neuen Kommunalabgabengesetzes (KAG) Mecklenburg-Vorpommern  im Innenausschuß des Landtages teil. Im Ergebnis wurde dann die Zulassung von Musterprozessen im Paragraph 12 Abs. 3 KAG M/V vom 12. April 2005 explizit festgeschrieben.

Schließlich konnte VDGN-Vertrauensanwalt Dr. Volker Hennig in einem Verfahren für hunderte Altanschließer einen Vergleich schließen, der die finanzielle Belastung der Betroffenen deutlich reduziert.

Nach dem Erfolg im Rechtsstreit konnte die Tätigkeit der Bürgerinitiative beendet werden. Die Regionalgruppenleitung bleibt jedoch wachsam tätig und informiert auf den Mitgliederversammlungen regelmäßig über die aktuelle Lage.

Zum harten Kern der Regionalgruppe gehören  vier bis fünf Mitstreiter. Sehr lange dabei sind Anni Stampehl und Paul-Friedrich Lehmann, die sich ebenso mit Ausdauer und  Sachverstand des Altanschließer-Problems annehmen. Daß heute in Teterow, Gnoien und Umgebung mehr als 230 Grundstückseigentümer dem VDGN angehören, zeigt, wie groß das Vertrauen in den Verband, aber auch in seine Repräsentanten vor Ort ist.

Wenn Dietmar Pavel eine Aufgabe annimmt, dann kniet er sich richtig rein. Für halbe Sachen ist er nicht zu haben, bekennt der 70-jährige Mecklenburger. Als sachkundiger Bürger in der Zweckverbandsversammlung kann er diesen Biß und die Unerschrockenheit gut brauchen: „Ich stelle die Frage nach dem Warum, auch wenn manchen das nicht paßt. Die Sitzungen dauern seitdem länger, aber wir haben eine gute Gesprächskultur entwickelt und werden als Partner ernstgenommen, auch außerhalb“, ist sein Resümee. Mit weiteren Vertretern des überregionalen Aktionsbündnisses unter dem Dach des VDGN konnte er sich so bei Landespolitikern Gehör verschaffen und für eine Lösung der Altanschließerfrage im Interesse der Betroffenen werben.

Nach ihren Vorstellungen soll es künftig auch für Schmutzwasser ein Gebührenmodell geben. So, wie es beim Trinkwasser bereits erkämpft wurde: „Mit einem Gebührensystem werden sämtliche Kosten auf den Verbrauch umgelegt. Wer mehr Abwasser produziert, zahlt dann auch mehr“, ist Dietmar Pavel überzeugt, „das wäre gerecht und auch solidarisch“.

 

Beim Gebührenmodell werden nur die Ist-Kosten der Investitionen bei der Kalkulation der Gebühren berücksichtigt. Dagegen werden bei den Anschlußbeiträgen Plan-Kosten für das Belasten der „bevorteilten“ Grundstückseigentümer als Berechnungsbasis angenommen.

Im normalen Leben zahlt kein Käufer/Verbraucher auf der Grundlage eines Kostenvoranschlages einen verbindlichen Rechnungsbetrag.          D. P.

In den Zweckverbänden beginnt jetzt die Suche nach neuen Finanzierungsquellen –denn 2013 laufen Fördermittel aus, die Investitionen müssen jedoch zu Ende gebracht werden. Daß die Grundstückseigentümer nicht wieder die Zeche zahlen, dafür will sich Dietmar Pavel mit der Regionalgruppe ebenfalls einsetzen.

Kerstin Große

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