Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Eine Eigentümergemeinschaft ist nur so gut wie ihr Verwalter

Zugangsvoraussetzungen unabdingbar für Eigentümerschutz

Von Wolfgang D. Heckeler

EnEV 2012, novellierte Trinkwasserverordnung, Wohngeld-Abrechnung nach BGH-Urteil V ZR 44/09… Was für viele böhmische Dörfer sind, kann schnell zum handfesten Problem in der eigenen Wohnung werden – dann nämlich, wenn auch der Hausverwalter nichts mit diesen Begriffen anzufangen weiß.

Aktuell sind in Deutschland rund 25.000 Immobilienverwalter zugelassen. Das allerdings heißt „nur“, daß sie nach §14 Gewerbeordnung (GewO) ein Gewerbe angemeldet haben. Denn ein gesetzlich definiertes Berufsbild und auch Vorgaben zum Eigentümerschutz gibt es in Deutschland nicht. Kein Wunder also, daß neben den professionellen und meist in den großen Immobilienverbänden organisierten Verwaltungen auch schwarze Schafe zu finden sind. Auch wenn erschreckende Schlagzeilen, wie „Verwalter veruntreut sechsstelliges Vermögen einer Hauseigentümergemeinschaft“ die Ausnahme sind, so rütteln sie dennoch auf. Daß solche krassen Schadensfälle meist auf mangelnde Qualifikation, denn auf Mutwilligkeit zurückzuführen sind, macht die Sache allerdings nicht besser.

Hausverwalter ein „Allrounder”
Wie wichtig aber eine fundierte Aus- und Weiterbildung in der Branche ist, zeigen die immer komplexer werdenden Aufgaben eines Hausverwalters – schließlich geht der Berufsalltag weit über das jährliche Einberufen einer Eigentümerversammlung oder die Erstellung der Betriebskostenabrechnung hinaus. Erwartet wird ein „Allrounder“, der nicht nur über profunde bautechnische und kaufmännische Kenntnisse verfügen soll, sondern auch juristischen Grundfragen, wie beispielsweise dem sich stets verändernden Mietrecht und Wohnungseigentumsgesetz sowie der aktuellen Rechtsprechung gewachsen sein muß. Eine ganz neue Herausforderung stellen zudem die ambitionierten Ziele des Energiekonzepts 2050 der Bundesregierung dar: Hier muß der Verwalter von heute zum engagierten Energieberater von morgen werden. Da wundert es oftmals, daß entsprechend einer Studie des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für den Wiederaufbau, der Förderbank KfW, rund 60 Prozent der befragten Verwalter die KfW-Förderprogramme zur energetischen Sanierung eher weniger gut oder gar nicht kennen. Somit hängt nicht nur die gute Organisation einer WEG, sondern zum Teil auch das Gelingen eines der wichtigen Energieprogramme der Bundesrepublik entscheidend von der Berufsgruppe der Immobilienverwalter ab …

Daß diese Anforderungen ohne eine solide Ausbildung und stetige Weiterbildung nicht zu meistern sind, ist neben dem DDIV als Spitzenverband der Deutschen Immobilienbranche auch den Verwaltern selbst bewußt: Eine Studie in Kooperation mit dem Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) zeigt nämlich, daß 98 Prozent der Befragten deutlich gestiegene Anforderungen an ihre Verwaltertätigkeit erkennen und 80 Prozent einen wirtschaftlichen Druck zu Veränderungen empfinden.

Qualifikation und Kontrolle
Doch nicht nur die Verwalter allein müssen in Form von Weiterbildungen und Zusatzqualifizierungen aktiv werden, entscheidend für die Qualität des Berufsstandes sind gesetzliche Anforderungen. Der DDIV ist sich hier seiner Rolle als Mittler zwischen Verwalterwirtschaft und Politik bewußt und vertritt im Dialog mit politischen Entscheidern nachdrücklich seine Forderungen nach einem Eigentümerschutz in Form von Zugangsvoraussetzungen für den Immobilienverwalterberuf. Um die Forderungen auf eine breite Basis zu stellen, haben sich in der vom DDIV initiierten Arbeitsgruppe „Zugangsvoraussetzungen“ Vertreter der deutschen Immobilienwirtschaft zusammengeschlossen, um konkrete Handlungsvorgaben und Anforderungen an eine staatliche Regulierung zu formulieren und diese geschlossen gegenüber der Politik zu vertreten. Auch der VDGN ist dabei und sieht die Notwendigkeit. Trotz der unterschiedlichen Positionen ist sich die Arbeitsgruppe einig: Mehr Qualifikation und Kontrolle für den Beruf des Immobilienverwalters sind notwendig. So ist das erste Ziel der Arbeitsgruppe die Einführung einer Pflicht zur Vermögens- und Vertrauensschadenshaftpflichtversicherung. Mit ihr können die Eigentümer noch beruhigter ihr Hab und Gut in die Hände eines Immobilienverwalters geben. Und nicht nur Verbraucherschützer plädieren dafür, auch 88 Prozent der in der DDIV/EBZ-Studie befragten Verwalter sehen den Nachweis einer Vermögenshaftpflichtversicherung als Grundvoraussetzung für die Tätigkeit des Immobilienverwalters an. Die politischen Forderungen nach verbindlichen Ausbildungsstandards sowie eine verbindliche Sachkundeprüfung sollen als nächste Schritte die Qualität der Immobilienverwaltung und so den Wert der Immobilie als eine der letzten sicheren Anlageformen für das Alter sichern!

Der Autor ist Präsident des Dachverbandes DeutscherImmobilienverwalter e.V. (DDIV)

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