Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Der Staat muß ran!

Von Peter Ohm, Präsident des VDGN

Viele Eigenheimer in Berlin konnten das Problem nicht einmal ahnen. Ihre Häuser, ob von ihnen selbst erbaut, von den Eltern geerbt oder von einem Vorbesitzer gekauft, waren immer trocken bis hin zur Kellersohle. Doch seit einiger Zeit drückt das Wasser. Seit nach 1989 immer mehr Industriebetriebe aus Berlin verschwunden sind und der private Wasserverbrauch aufgrund stark gestiegener Wasserpreise zurückging, nähert sich das Grundwasser den Pegelständen aus vorindustrieller Zeit. Und immer mehr Keller laufen voll. Oft  wird dann der VDGN von betroffenen Hausbesitzern um Unterstützung gebeten, so aus dem Blumenviertel  in Rudow oder jüngst wieder aus Biesdorf. Es handelt sich in allen Fällen um Häuser, die mit Genehmigung der Behörden ohne besondere Vorkehrungen gegen eindringendes Wasser gebaut worden sind.

Tendenziell wird ein wachsender Teil der Eigenheimer in Deutschland mit dem Problem von Wasserschäden konfrontiert, so beispielsweise in weiten Teilen Brandenburgs. Wo es nicht ums Grundwasser geht, bedroht oft eindringendes Schichtenwasser die Keller, wie das zum Beispiel in Pankow geschieht, weil nach 1989 viele Drainagen ohne Rücksicht auf die Folgen beseitigt worden sind.

Der VDGN behandelt dies ganz klar als politisches Problem. Wirklich Schluß gemacht werden muß mit dem Denken in Politik und Verwaltungen, es handele sich um die Privatsache von Grundstückseigentümern. Nein, siedlungsverträgliche Grundwasserstände und auch der Schutz vorhandener Siedlungen vor geologisch bedingtem Schichtenwasser sind Aufgaben der Öffentlichen Daseinsvorsorge, sind Aufgaben des Staates. Ob Kommunen sich weiter als Platz für bereits vorhandene menschliche Ansiedlungen eignen, ist eine Frage, der sich das Gemeinwesen zu stellen hat. Der Staat kann das nicht dem Selbstlauf überlassen nach dem Motto: Wenn aus Berlin oder Lübbenau Vineta wird, was kümmert´s uns. Nein, siedlungsverträgliche Grundwasserstände in besiedelten Gebieten sind ein geradezu existentieller Anspruch von Mitgliedern eines Gemeinwesens, so wie es die Versorgung mit Trinkwasser, der Schutz vor gesundheitsgefährdenden Belastungen oder das Funktionieren der Müllabfuhr ist. Das gilt auch für den technisch möglichen Schutz vor Schichtenwasser dort, wo er schon einmal vorhanden war. Private Grundstückseigentümer jedenfalls können sich den enormen finanziellen Aufwand in der Regel nicht leisten, ihr Haus nachträglich von unten zu versiegeln.

Es zeigt sich übrigens auch hier, wie wichtig es ist, wenn der VDGN seit Jahren immer wieder auf die Öffentliche Daseinvorsorge als Aufgabe des Staates verweist und deren Privatisierung bekämpft. So kritisierte jüngst eine Studie zu den Folgen der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe, daß deren private Anteilseigner kein Interesse an Aktivitäten im Grundwassermanagement entwickeln. Denn das kostet ja Geld.

Der VDGN wird in Sachen Grundwasser am Ball bleiben, so wie wir beim Berliner Straßenausbaubeitragsgesetz oder den Altanschließerbeiträgen am Ball geblieben sind. Auch hier gilt, gemeinsam sind wir stark. Und wir werden umso stärker, je mehr  Eigenheimer sich uns anschließen!

zurück