Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Den Krebs psychisch und emotional bewältigen“

Beim VDGN-Telefonforum ging es um Therapien und Kosten, Früherkennung und Heilungsaussichten

Dr. med. Hubert Bucher ist Geschäftsführer und Berater der Berliner Krebsgesellschaft e.V. und beantwortete die Fragen unserer Leser beim VDGN-Telefonforum „Diagnose Krebs“.

Meine Mutter hat seit einem Jahr mehrmals in der Woche eine Krebsbehandlung. Sie ist mittlerweile völlig erschöpft und verläßt kaum noch das Haus. Ist das normal? Oder können wir irgendetwas für sie tun, damit sie wieder zu Kräften kommt?
Wenn Ihre Mutter eine Chemo- oder Radiotherapie erhält, kann es durchaus normal sein, daß sie erschöpft ist. Die Ursachen – z. B. therapiebedingte Blutarmut oder medikamentenbedingte Unverträglichkeit und weitere – müssen jedoch von den behandelnden Ärzten geklärt werden. Davon kann möglicherweise das weitere therapeutische und unterstützende Vorgehen abhängen.

Ich bin krebskrank. Mein Arzt hat mir eine Bestrahlung empfohlen, ich habe jedoch Angst vor einer Bestrahlung und würde die Therapie ablehnen, weil ich gesundheitliche Nebenwirkungen befürchte. Habe ich das Recht, diese Behandlung abzulehnen? Und besteht die Gefahr von Nebenwirkungen?
Sie haben das Recht eine indizierte Krebstherapie abzulehnen. Sie müssen jedoch grundsätzlich vom behandelnden Arzt sowohl über die Wirkungen und alle bekannten Nebenwirkungen von Therapien – in diesem Fall einer Bestrahlungstherapie – aufgeklärt werden. Weiterhin müssen Sie vom behandelnden Arzt über die möglichen Auswirkungen einer nicht durchgeführten, indizierten Therapie aufgeklärt werden. Eventuell bestehen auch andere therapeutische Möglichkeiten wie eine Chemotherapie oder ein chirurgisches Vorgehen. Wenn Sie dennoch eine indizierte Krebstherapie ablehnen, wird sich dieses der behandelnde Arzt durch Ihre Unterschrift bestätigen lassen.

Bei mir wurde Krebs diagnostiziert. Ich hatte schon eine Weile die Vermutung, habe aber niemandem davon erzählt und möchte es meinen Kindern auch nicht sagen, weil ich sie nicht beunruhigen will. Wie soll ich mich verhalten?
Suchen Sie umgehend eine Krebsberatungsstelle im ambulanten oder auch im stationären Bereich – zertifizierte Krebszentren halten diese regelhaft vor – auf. Dort erhalten Sie eine psychoonkologische Beratung und Unterstützung auch im Hinblick auf den Umgang mit Ihrem Partner und Ihren Kindern. Die Berliner Krebsgesellschaft unterstützt seit dem 1. April 2012 das Projekt „Hilfen für Kinder krebskranker Eltern“ – und erweitert ihr Beratungsangebot, indem sie betroffenen Familien psychologische Unterstützung kostenfrei anbietet. Betroffene Familien erreichen die Beratung über unsere Geschäftsstelle.

Wir wohnen auf dem Land, mein Mann muß regelmäßig zur Krebsbehandlung. Unsere Krankenkasse bezahlt uns nicht die Reisekosten zu einem Arzt unserer Wahl, der 50 Kilometer weiter wohnt als das nächstgelegene Krankenhaus. Darf die Krankenkasse das?
Ja, das darf die Krankenkasse. In den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die „Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransportleistungen und Rettungsfahrten“ (§ 92 Abs.1 Satz 2 Nr. 12 SGB V) vom 2.März 2005 steht unter anderem in § 8 „Ausnahmefälle für Krankenfahrten zur Ambulanten Behandlung“, daß die Krankenkasse die Kosten nur übernimmt, wenn diese Krankenfahrten bei zwingender medizinischer Notwendigkeit und dem Vorliegen der in der Richtlinien detailliert aufgeführten Voraussetzungen vom Vertragsarzt verordnet werden. Zusätzlich bedarf diese Verordnung noch einer vorherigen Genehmigung durch die Krankenkasse. Besteht nun die medizinische Notwendigkeit für eine Beförderung, übernimmt die Krankenkasse in der Regel nur die Kosten für Fahrten auf direktem Weg vom Aufenthaltsort des Versicherten zur nächsterreichbaren geeigneten Behandlungsmöglichkeit (§ 3 der Richtlinien „Notwendigkeit der Beförderung“).

Ab wann sollte man eine Krebsfrüherkennung durchführen? Und welche Krebs-Krankheiten kann man überhaupt frühzeitig erkennen?
Das Gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland beinhaltet für Frauen und Männer unterschiedliche Früherkennungsuntersuchungen. So werden die Untersuchungskosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen für Frauen ab 20 Jahren für die jährliche Früherkennungsuntersuchung von Gebärmutterhalskrebs, ab 30 Jahren für die jährliche Früherkennungsuntersuchung von Brustkrebs und ab 50 Jahren für die alle zwei Jahre stattfindende Früherkennungsuntersuchung von Brustkrebs durch das Mammographie-Screening. Für Männer wird ab 45 Jahren die jährliche Früherkennungsuntersuchung von Prostatakrebs übernommen. Für Frauen und Männer übernehmen die Krankenkassen jeweils ab 35 Jahren die zweijährlichen Früherkennungsuntersuchungen von Hautkrebs, ab 50 Jahren bis 54 Jahren die jährliche Früherkennungsuntersuchung von Darmkrebs mit Tastuntersuchung und Stuhltest und ab dem 55. Lebensjahr die Früherkennungsuntersuchung von Darmkrebs mittels Dickdarmspiegelung im Abstand von 10 Jahren. Die Berliner Krebsgesellschaft hat eine handliche Übersicht zu den gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen entwickelt. Interessierte können die Infokarte unter www.berliner-krebsgesellschaft.de anfordern.

Mein Vater ist an Lungenkrebs gestorben. Ist Krebs vererbbar?
Diese Frage kann man prinzipiell mit „Ja“ beantworten, allerdings ist eine erbliche Belastung als Ursache für die Entstehung von Krebs verhältnismäßig selten. Man geht derzeit davon aus, daß nur 1 Prozent aller Krebskranken eine solche erbliche Belastung aufweisen. Bei einigen Krebsarten wie Brustkrebs, Eierstockkrebs oder Darmkrebs liegt die Belastung bei 5 bis 10 Prozent. Lungenkrebs wird nach den derzeitigen Erkenntnissen jedoch hauptsächlich durch Nikotin verursacht.

Die Kosten für die Medikamente, für die Hilfsmittel und für die Fahrten zur Therapie meines Mannes machen uns immer mehr zu schaffen. Wir sind beide Rentner und müssen noch unser Haus abbezahlen. Aber wir kommen mit den Kosten für die Therapie nicht mehr klar und wissen einfach nicht mehr weiter. Gibt es eine Hilfe für uns?
Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung sollen durch Zuzahlungen nicht unzumutbar belastet werden. Daher sehen Härtefallregelungen vor, daß Zuzahlungen nur bis zu einer individuellen Belastungsgrenze zu leisten sind. Diese Belastungsgrenze beträgt grundsätzlich zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt; bei chronisch Kranken beträgt sie ein Prozent. Was unter einer chronischen Krankheit verstanden wird, ist in der „Chroniker-Richtlinie“ des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 22. Januar 2004 definiert.

Vor einigen Jahren hat die Berliner Krebsgesellschaft ergänzend einen Härtefonds eingerichtet, mit dem Berliner Krebspatienten, die durch ihre Erkrankung in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind, unterstützt werden. Die Beantragung erfolgt über die „Beratungsstellen für Behinderte und Krebskranke" der Berliner Bezirksämter oder den Sozialdienst des behandelnden Krankenhauses. Die Antragsformulare liegen den zuständigen Stellen vor.

Ist Krebs überhaupt heilbar?
Je früher Krebs erkannt wird, desto eher ist er heilbar. Man spricht heute von etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen, die geheilt werden können (kurativer Ansatz). Aber die Therapiemöglichkeiten bei nicht heilbarem Krebs (palliativer Ansatz) haben sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls enorm verbessert. Durch multimodale Therapieansätze sind bei vertretbar guter Lebensqualität statistisch häufig sehr gute 5-Jahres-Überlebensraten erzielbar.

Worin besteht die konkrete Hilfe, die die Krebsgesellschaft anbietet?
Die Berliner Krebsgesellschaft bietet für Krebspatienten und Angehörige: Einzelberatung, Paar- und Familiengespräche, Kurse- und Gruppen zur psychisch-emotionalen Krankheitsbewältigung, Informationsveranstaltun-gen und -broschüren. Die Inhalte beziehen sich dabei insbesondere auf: medizinische Informationen und Erklärungen, psychoonkologische Unterstützung, Adressen von spezialisierten Praxen und Kliniken, Beratung von sozialrechtlichen Fragen, Beratung zur onkologischen Rehabilitation, Informationen zu Selbsthilfe-Sportgruppen, Informationen zu palliativer Versorgung und zu Hospizen, Adressen von spezialisierten Beratungsstellen und auch Unterstützung bei finanziellen Problemen. Die Beratung wird für alle ratsuchenden Berlinerinnen und Berliner kostenfrei angeboten. Termine werden unter (030) 283 24 00 vereinbart. Kontakt: Berliner Krebsgesellschaft e.V., Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin ,E-Mail: info@berliner-krebsgesellschaft.de. Montag bis Freitag 8.30-17 Uhr, www.berliner-krebsgesellschaft.de

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