Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Vor Abnahme unbedingt Nachweise fordern

Energieeffizientes Bauen: Bauherren sollten sich über ihre Rechte und Pflichten informieren

Wer heutzutage in Deutschland Wohngebäude sanieren oder neu errichten möchte, muß eine ganze Reihe von geltenden Gesetzen und Verordnungen einhalten. Neben Anforderungen beispielsweise an Statik, Schallschutz oder Brandschutz sind zunehmend die Anforderungen an energieeffizientes Bauen oder Sanieren in den Mittelpunkt gerückt, die in der Energieeinsparverordnung EnEV 2009, dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz EEWärmeG und einer Reihe von Normen verankert sind. Bei den Normen hat in letzter Zeit die DIN 1946 Teil 6 „Lüftung von Wohnungen“ besondere Bedeutung erlangt. Sie definiert Grundvoraussetzungen für schadenfreies Wohnen und enthält sowohl für die Hausbewohner als auch für die bauausführenden Firmen konkrete Vorgaben, die zur Einhaltung von Energieeffizienz, Wohnbehaglichkeit, Bautenschutz, Schallschutz und Vermeidung von Schimmel oder Schadstoffkonzentration einzuhalten sind. Ein sogenanntes Lüftungs-konzept, das bei Neubau oder Sanierung von der bauausführenden Firma vorgelegt werden muß, enthält die projektspezifische Umsetzung der genannten Anforderungen.

Im Rahmen meiner Energieberaterpraxis muß ich jedoch leider immer wieder feststellen, daß Sanierungsprogramme umgesetzt werden, ohne die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Sehr markantes Beispiel ist das Schallschutzprogramm des Flughafens Berlin-Schönefeld. In der sogenannten KEV (Kostenerstattungsvereinbarung) wird betroffenen Hausbesitzern ein Maßnahmenpaket zum passiven  Schallschutz angeboten, das die oben genannten rechtlichen Anforderungen gleich in mehreren Punkten komplett ignoriert. Aber auch bei anderen Projekten, ob Neubau oder Sanierung, sind Bauausführende oft meilenweit davon entfernt, geforderte Nachweise, z. B. zu Heizungsanlagen oder zur Wohnungslüftung, beizubringen. Ein Bauherr sollte sich deshalb in Wahrnehmung seiner Bauherrenverantwortung rechtzeitig informieren, auf welche Leistungen und Nachweise er Anspruch hat und dies im Bedarfsfalle auf jeden Fall noch vor einer Abnahmeerklärung einfordern.

Energieeffizienz gefordert
Welche Pflichten erwachsen Hausbesitzern nun aus den geltenden rechtlichen Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz?

Beim Neubau gibt es zwei wichtige Anforderungen. Es muß einerseits gemäß § 3 der EnEV die energetische Qualität eines definierten Referenzgebäudes (das Neubauniveau) erreicht werden und andererseits ist gemäß EEWärmeG gefordert, daß bestimmte Anteile des Wärmeenergiebedarfs aus erneuerbarer Energie zu gewinnen sind. Bei Nutzung solarer Strahlungsenergie sind dies mindestens 15 Prozent. Die Anforderung kann aber auch zu anderen Anteilen durch Nutzung von Erdwärme, Biomasse (z. B. Holz, Biogas, Pellets) oder Geothermie (Erdwärme) erfüllt werden.

Kein Zwang bei Altbau
Bei Bestandsgebäuden gibt es grundsätzlich (noch) keinen Zwang zur energetischen Sanierung.  Eine Ausnahme bildet die Pflicht zur Dämmung der obersten Geschoßdecke. Sie wird allerdings nur dann verlangt, wenn sich die Aufwendung dafür innerhalb einer „angemessenen“ Frist amortisiert, zusätzlich gibt es bestimmte Ausnahmeregelungen. Weiterhin sind Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen inklusive Armaturen in nicht beheizten Räumen nach Vorschrift zu dämmen. Die Mindestdicke der Rohrdämmung soll bei Leitungen bis 22 Millimeter mindestens 2 Zentimeter und bei Leitungen über 22 bis 35 Millimeter mindestens 3 Zentimeter betragen. Wichtig hierbei ist eine fachgerechte Ausführung der Dämmarbeiten. Die Dämmung muß die Leitung luftdicht umschließen, es darf keine offenen Stellen geben. Um einen Eindruck vom Stellenwert dieser Maßnahme zu vermitteln: 10 Meter ungedämmte Verteilleitung für Heizung können einen Heizwärmeverlust von 1750 kWh/Jahr erzeugen. Das ist etwa so, als würden während der Heizperiode für 230 Tage drei 100 W-Glühbirnen ununterbrochen im Keller eingeschaltet sein! Bei Warmwasserleitungen kommt sogar mehr als das Doppelte zustande! Es lohnt sich also hier auf jeden Fall, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, zumal sich der Aufwand in Grenzen hält und auch in Eigenleistung erbracht werden kann. Das Argument, mit ungedämmten Verteilleitungen den Keller zu beheizen, hat einen wesentlichen Fehler, denn die Beheizung erfolgt einmal unkontrolliert und zum anderen wird mit Warmwasserverteilleitungen der Keller sogar auch im Sommer beheizt. Wer trotzdem mehr oder weniger gut beheizte Kellerräume haben möchte, sollte dies mit thermostatgeregelten Heizkörpern tun, aber Achtung – ungedämmte Kelleraußenwände und Bodenplatten verursachen wiederum erhöhten Heizenergieverlust!

Zuschüsse nur bei Nachweis
Sind bei Bestandsgebäuden jedoch Sanierungsmaßnahmen vorgesehen, müssen diese den Anforderungen nach § 9 der Energieeinsparverordnung entsprechend ausgeführt werden. Die EnEV-Anforderung ist immer dann erfüllt, wenn das Gesamtgebäude die energetische Qualität „Neubau + 40 Prozent“ unterschreitet. Ist dies nicht der Fall, müssen die geänderten Außenbauteile einer vorgegebenen Dämmqualität entsprechen.

Verbindliche Anforderungen an den Einsatz erneuerbarer Energie gibt es bei der Sanierung von Bestandgebäuden, wie es ursprünglich im gescheiterten Berliner Klimaschutzgesetz vorgesehen war, noch nicht. Es sei denn, man möchte eine bestimmte Energieeffizienz erreichen, um in den Genuß günstiger KfW-Kredite mit Tilgungszuschüssen zu kommen. Aktuell (Stand 31.03.2012) sind diese Kredite zum Effektivzins ab 1,0 Prozent zu haben, Zuschüsse gibt es je nach Programm und erreichter Energieeffizienz zwischen 2,5 Prozent und 20 Prozent der förderfähigen Investitionssumme, beim Einfamilienhaus 50.000 oder 75.000 Euro.

 Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, nähere Details zur obigen Überschrift darzustellen. Wir führen aus diesem Grunde für interessierte Hausbesitzer am 15. Mai 2012 (Einzelheiten siehe Kasten unten) eine Informationsveranstaltung durch, bei der im Anschluß an einen Fachvortrag die Möglichkeit besteht, Antworten zu aktuellen Fragen zu erhalten. Gegenstand der Veranstaltung können bei Bedarf auch Probleme beim passiven Schallschutz im Einzugsbereich des Flughafens Schönefeld sein, da Fenstererneuerung, Einbau von Schalldämmlüftern und schalltechnische Ertüchtigung von Dachflächen oder Außenwänden auch als Energieeffizienzmaßnahmen einzustufen sind.

Heinz Schöne, Energieberater

 

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