Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Selbständiges Wohnen auch im Alter

Von Mario Czaja, Berliner Senator für Gesundheit und Soziales

Die eigenen vier Wände – sie stehen für Geborgenheit, Sicherheit und Selbständigkeit. Verständlicherweise wünschen sich die meisten Menschen, auch in höherem Alter weiter in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu können. Mit zunehmendem Alter nehmen jedoch die gesundheitlichen Einschränkungen zu, und so bleibt es nicht aus, sich genau mit diesem Thema befassen zu müssen. Denn die Herausforderungen im Alltag sind zahlreich. Sie beginnen bereits mit der Frage, wie barrierefrei das eigene Haus ist. Und dann das Umfeld – sind die Straßen gut zugänglich für Rollstühle oder Gehhilfen? Und wie ist es mit der medizinischen Versorgung im nahen Umkreis? Nicht nur die Ärzteversorgung, auch die Erreichbarkeit von Pflegediensten sollte sichergestellt sein.

Denn wer pflegebedürftig ist, muß schon lange nicht mehr zwangsläufig seine Wohnung und sein persönliches Umfeld verlassen. Ganz im Gegenteil: Es gibt viele Möglichkeiten, durch personelle oder technische Hilfestellung seine Selbständigkeit auch in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus weitgehend zu erhalten. Gerade in Berlin wird der Grundsatz „ambulant vor stationär“ im Bereich der Pflege real gelebt. Rund 73 Prozent der zu Pflegenden werden in Berlin zu Hause versorgt.

Mit Blick auf die demographische Entwicklung in unserer Stadt wird es immer wichtiger, die Qualität der Pflege sicherzustellen. Die zu Pflegenden und ihre Angehörigen müssen sich darauf verlassen können, daß Standards eingehalten, die vereinbarten Leistungen tatsächlich erbracht und korrekt abgerechnet werden. Um dies zu gewährleisten, werde ich mich für effektive Kontrollmechanismen und einen konstruktiven Austausch zwischen den Akteuren einsetzen. Auch brauchen wir zukünftig mehr gut geschultes und motiviertes Personal im Pflegebereich. Dafür muß der Pflegeberuf gestärkt werden. Eine vom Senat initiierte Pflegekampagne soll das Berufsfeld attraktiver machen und auch dabei helfen, den Nachwuchs zu sichern.

Auch die wohnortnahe Erreichbarkeit von Haus- und Fachärzten wollen wir in Berlin verbessern. Auf Grundlage des neuen Versorgungsstrukturgesetzes, welches seit dem 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist, werden wir Defizite in diesem Bereich abbauen und für eine gerechtere Verteilung der Haus- und Fachärzte sorgen.

Für diese Herausforderungen gilt jedoch der gleiche Grundsatz, wie für frühere Themen unseres Verbandes; damit sich etwas zum Positiven bewegt, müssen wir unsere Interessen deutlich formulieren und unsere Handlungsalternativen konkret aufzeigen. In diesem Sinn werde ich gern mit der von Eckhart Beleites zusätzlich im VDGN etablierten Initiative „Leben und Wohnen im Alter“ zusammenarbeiten.

 

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