Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Parallele Taten

Der Reichstagsbrand als Geschichtskrimi

Gerade erschienen ist Robert Bracks Krimi „Unter dem Schatten des Todes“. Das Verbrechen, um das sich dort alles dreht, ist der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933. Bracks Heldin Klara Schindler soll dazu im Auftrag der Kommunistischen Internationale als Journalistin getarnt Informationen sammeln – in Berlin, der Höhle des Löwen. Es ist ein Himmelfahrtskommando, bei dem Klara Schindler immer stärker in Zweifel gerät, ob die These der kommunistischen Seite denn stimmt, van der Lubbe sei ein Werkzeug der Nazis gewesen. Bracks Auflösung: Der anarchokommunistische Holländer hat versucht, den Reichstag anzuzünden, um die deutschen Arbeiter zum Widerstand gegen Hitler aufzurütteln – und zwar auf eigene Faust. Doch parallel zu ihm setzte ein SA-Kommando auf professionelle Weise den Reichstag in Brand.

Was für ein Zufall!, könnte man rufen. Doch widerlegen läßt sich Bracks Variante des Tathergangs nicht. In jedem Fall ist Bracks Buch ein sympathischer Versuch, die Ehre Marinus van der Lubbes wiederherzustellen, eines Mannes, der keineswegs ein tumber Tor gewesen ist, wie jeder feststellen wird, der sich etwas eingehender mit den gesicherten Tatsachen über sein Leben befaßt. Brack kennt sich zudem in Sachen Reichstagsbrand sehr gut aus und schildert in nachvollziehbarer Weise die politische Situation in Deutschland zu Beginn des Jahres 1933, insbesondere die Resignation vieler in KPD und SPD organisierter Arbeiter, nachdem ein politischer Abwehrschlag gegen die zur Macht gelangten Nazis etwa in Form eines Generalstreiks ausgeblieben war.

Robert Brack hat seine These in das Gewand einer Kriminalerzählung gekleidet. Das hat zur Folge: Er muß seinen Figuren vieles in den Mund legen, was er an Fakten über den Reichstagsbrand darlegen will. Die Handelnden bleiben so als Individuen blaß, verwandeln sich überwiegend in „Sprachröhren des Zeitgeistes“, wie das mal jemand genannt hat. Als Krimi ist das Ganze deshalb kein Knaller, aber ein Buch, das in der Bibliothek von Geschichtsinteressierten nicht fehlen sollte.

Holger Becker

Robert Brack: Unter dem Schatten des Todes. Edition Nautilus – Verlag Lutz Schulenburg. Hamburg 2012, 224 Seiten, 13,90 Euro

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