Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Es geht nicht ums Klima, es geht um Profit“

Warum Brandenburg keine neuen Windräder verträgt, erläutert Thomas Jacob von der Volksinitiative „Rettet Brandenburg!“ im Interview

Thomas Jacob: Jetzt dürfen sogar Wälder für die Windkraft abholzt werden

„Rettet Brandenburg!“ – so heißt seit kurzem die Volksinitiative gegen die Massenbebauung mit Windrädern, die Sie vor fünf Jahren gründeten. Das klingt nach dramatischem Appell.
Ja, das ist es auch. Wir erhoffen uns, daß die Leute endlich wachgerüttelt werden, daß darüber nachgedacht wird: Was ist mit den alternativen Energien: Sind sie wirklich effektiv, wirklich ökologisch? Wem nutzen sie? Wie zerstörerisch wirken sie in unserem Land? Soll Brandenburg eines Tages wie eine Industriebrache  aussehen? Viele Leute interessiert das ja heute noch gar nicht. Sie sind dieser Klimahysterie zum Opfer gefallen und glauben, wenn wir nicht was tun, dann gehen wir unter. Es geht nicht ums Klima, es geht nur um Profit.

Was ist Ihr Ziel?
Geht es nach den Vorstellungen der Politik mit ihrer Energiestrategie 2030, sollen zu den bereits vorhandenen mehr als 3300 Windrädern im Land Brandenburg noch einmal 3.000 bis 4.000 dazukommen. Wir sagen: Nein, es reicht jetzt! Unser wichtigstes Anliegen ist, diese jahrtausendealte Kulturlandschaft zu erhalten. Den Menschen eine Möglichkeit zum Leben zu geben und nicht eine Industriebrache daraus zu machen. Endlich darüber nachzudenken, ein menschen- und naturgerechtes Energiekonzept zu entwickeln.

Jetzt sind andere Bundesländer am Zuge. Soll Brandenburg als Armenhaus Ostdeutschlands mit Windrädern überzogen werden, nur weil hier Macht und Einfluß fehlen, sich dagegen zu wehren?

Eine Massenbewegung ist noch nicht daraus geworden ...
Fakt ist: Wir erleben gerade einen richtigen Boom. Den hat uns die rot-rote Regierung übrigens selbst beschert, als sie die Naturschutzgesetzgebung gelockert hat und nun auch Wälder abgeholzt werden dürfen für Windräder. Viele neue Bürgerinitiativen gründeten sich daraufhin, beispielsweise in Wandlitz, wo 120 Hektar 200 Jahre alter Buchenwald gerodet werden sollten.

Überall im Land schießen Windenergiegebiete wie Pilze aus dem Boden. Und die Leute wachen endlich auf. Bei vielen dominiert das persönliche Interesse, sie fordern: Nicht vor unserer Haustür! Wir wollen klarmachen, daß es um weit mehr als lokale Interessen geht. Es geht doch um unser Land, unsere Heimat, die gerade von den Regierenden zum „Energieexporteur“ erklärt wird!  Also organisieren wir Veranstaltungen, Protestaktionen, sammelten vor der letzten Landtagswahl zigtausende Unterschriften, um uns aufstellen zu lassen.

Zu Beginn waren wir eine Handvoll Leute und jetzt haben sich schon 37 Bürgerinitiativen aus dem ganzen Land Brandenburg unserer Volksinitiative angeschlossen.

Auch die Politik ist auf uns aufmerksam geworden, zumindest die Opposition. Die Brandenburger CDU organisierte kürzlich eine Veranstaltung zur Windkraftnutzung, an der eine große Zahl der Windradgegner aus allen Himmelsrichtungen teilnahmen. Dort hatten wir das Gefühl ernstgenommen zu werden.

Früher betonten Sie, nicht pauschal gegen Windkraft zu sein, forderten aber zum Beispiel größere Abstände von Wohnsiedlungen. Windräder sollten nach Ihren Vorstellungen vor allem auf stillgelegten Tagebau- oder Militärflächen errichtet werden. Heute schlagen Sie weniger versöhnliche Töne an.  Warum?
Windkraftnutzung und andere alternative Energien sind nicht zukunftsträchtig. Was machen wir, wenn kein Wind weht? Was, wenn die Sonne nicht scheint? Energie wird trotzdem benötigt. Windenergie ist nicht grundlastfähig, das heißt, sie kann nicht ins Netz eingespeist werden ohne funktionierende Kohle-, Wasser-, Gas- oder Atomkraftwerke. Diese stellen erst eine gleichbleibende Frequenz von 50 Hertz sicher, ohne die unsere Industrie nicht produzieren könnte. 

Andererseits kommt es jetzt schon vor, daß uns zeitweilig überflüssiger Strom aus Windenergie von Nachbarländern abgenommen werden muß. Wir müssen dafür bezahlen, daß sie es tun. Und wenn Bedarf besteht, müssen wir ihn dann wieder zurückkaufen. Eine aberwitzige Situation.

 Was wäre denn in Ihren Augen zukunftsträchtig?
Wir haben noch 300 Jahre Braunkohle. Längst gibt es Braunkohlekraftwerke mit einer Energieeffizienz von beachtlichen 49 Prozent, die außerdem noch ihren Kohlendioxid-Ausstoß gemindert haben, ohne daß es in die Erde geleitet werden muß. Und wir sollten Energie sparen, endlich etwas bescheidener leben, mit unseren Ressourcen nicht länger so verschwenderisch umgehen. Die sind ja endlich.

Nehmen wir Tropical Islands. Diese künstliche Tropenwelt hier in der Nähe ist eine Energieschleuder, wahrscheinlich die größte weit  und breit. Oder ganzjährig heruntergekühlte, mit künstlichem Schnee versehene Skihallen. Und warum müssen Städte nachts ihre Zentren illuminieren?

Im März waren Sie zu einer Anhörung in den Brandenburger Landtag nach Potsdam eingeladen. Es ging um die neue Energiestrategie des Landes bis 2030. Finden Sie auch bei den Regierenden Gehör?
Nach meiner Wahrnehmung war ich die einzige kritische Stimme, mit ganzen sieben Minuten Redezeit. Was man da bewirken kann, ist klar.

Seit zehn Jahren, so der Vertreter  von Vattenfall, baggern wir jährlich 59 Millionen Tonnen Braunkohle zur Stromerzeugung ab. Am Umfang der Förderung hat sich kaum etwas geändert. In diesem Zeitraum wuchs jedoch die alternative Energieerzeugung mit Wind, Solar und Biomasse in Größenordnungen. Da kommt doch die Frage auf: Wenn soviel alternative Energie eingespeist wird, warum wurde dann der Anteil bei der Braunkohleförderung nicht in gleichem Maße zurückgefahren?

Windkraftanlagen sind ineffektiv. Nur in vier von zwölf Monaten produzieren sie tatsächlich Energie. Sie bringen nur denen etwas, die darein investieren. Und investieren lohnt sich auch nur aufgrund riesiger staatlicher Subventionen in die Windkraftnutzung und andere regenerative Energien. Manche Bauern, die ihr Land  an die Windkraftbetreiber verpachten, haben auch sehr gute Einkünfte. Die meisten anderen jedoch müssen mit den sattsam bekannten Nachteilen leben. 

Viele Bürgerinitiativen versuchen in ihren Kommunen konkret Einfluß zu nehmen. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?
Bis vor zwei Monaten war ich Gemeindevertreter in meiner Kommune Märkische Heide, drei Jahre lang. Da ging es auch um einen Windpark in unserer unmittelbaren Nähe. Wir setzten uns dafür ein, wenigstens einen Abstand von 1.000 Metern zu den Wohnhäusern zu halten. Die Investoren hatten andere Vorstellungen. Obwohl sich der Gemeinderat einstimmig dagegen aussprach, genehmigte das Umweltamt die geringeren Abstände, und so wurden die Windkraftanlagen mit 500, 600 bzw. 800 Metern Entfernung errichtet.

Verstehen Sie: Da bekommt man eine solche Wut, daß  man sagt, wozu sitzen wir eigentlich im Rat, wenn unsere Meinung gar nicht respektiert wird, wir die Dinge nicht so gestalten können, wie wir es für richtig halten?

Die Volksinitiative habe ich vor fünf Jahren gegründet, nicht, weil vor meiner Nase Windräder gebaut werden sollten, sondern weil es mir um das Land ging, in dem ich lebe. Ich kann nicht hinter der Gardine stehen und abwarten, was passiert.

Interview: Kerstin Große

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