Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Effektiver Schutz gefordert

Diskussion um Fluglärm und Gesundheitsfolgen mit Berlins Gesundheitssenator

Zum Bersten gefüllt war die Aula der Fritz-Kühn-Oberschule in Berlin-Bohnsdorf, als dort am 15. Februar auf Einladung des VDGN über Fluglärm und seine gesundheitlichen Folgen diskutiert wurde. Rund 300 Interessierte waren gekommen, nicht zuletzt um zu erfahren, was ihnen der neue Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja zu diesem Thema zu sagen hatte. Denn der war erschienen, um sich den Fragen der Bohnsdorfer zu stellen, die zu den Betroffenen der Lärmbelastung durch den neuen Großflughafen Berlin-Schönefeld gehören werden. Czajas Anwesenheit, wie er sagte, entgegen Ratschlägen aus dem eigenen Hause, quittierten die Versammelten überwiegend mit Anerkennung. Sie zeigten auch mehrheitlich Verständnis dafür, daß Czaja auf die Begrenztheit seiner Wirkungsmöglichkeiten hinwies, da der Flughafen als solcher nicht in seinem Ressort liege. Er versicherte, die Kritiken und Anliegen mitzunehmen und den zuständigen Stellen zu übermitteln.

Die Versammlung forderte die Verantwortlichen zum Handeln auf.

Am vorgeblich modernsten Flughafen BER sind Anfang 2012, 12 Jahre nach der Auslegung des Planfeststellungsantrags, nicht einmal 5 Prozent der Schallschutzmaßnahmen, zu denen der Flughafen vor Inbetriebnahme lt. Planfeststellungsbeschluß verpflichtet ist, umgesetzt (die auch nicht den Normen und gesetzlichen Vorschriften entsprechen und grundsätzlich nicht ausreichend sind). Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung wird, sollte der BBI/BER am 3. Juni d. J. in Betrieb gehen, Tag und Nacht völlig schutzlos dem Fluglärm ausgeliefert sein, weil schon kapazitätsbedingt, nur noch maximal weitere 5 Prozent der Häuser bis zu diesem Termin schallgeschützt werden können.

Im Mittelpunkt stand an diesem Abend der Lärmschutz. Kritische Fragen dazu gingen vor allem an die dafür zuständigen Mitarbeiter der Flughafen-Gesellschaft. Denn groß ist in Bohnsdorf der Unmut darüber, daß die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen an den Häusern keinesfalls bis zur Inbetriebnahme des neuen Flughafens in diesem Jahr realisiert sein werden und daß sie nicht den Vorgaben des Planfeststellungsverfahrens für Schönefeld genügen. Wie berechtigt die Sorgen um gesundheitliche Folgen des Fluglärms sind, zeigte ein Vortrag des Mediziners Dr. Christoph Brodel, der verschiedene Studien vorstellte. Er wies auf mannigfaltige Auswirkungen hin. Dazu gehören Schlafstörungen ebenso wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein erhöhtes Schlaganfallrisiko ebenso wie Entwicklungsprobleme von Kindern. Vernachlässigt werden dürfe auch nicht die Belastung durch Feinstaub, der in Flugzonen ein erhöhtes Auftreten von Lungenkrebs bewirke.

Senator Czaja versprach den Betroffenen dafür zu wirken, diesen Gesundheitsrisiken entgegenzutreten, indem die Lärmschutzvorgaben des Planfeststellungsbeschlusses eingehalten und zügig realisiert werden. Von Dr. Brodel erbat er, ihm die Studien zu den gesundheitlichen Risiken für die Betroffenen von Flugzeug-Emissionen zuzusenden, um so auf dem neuesten Stand zu sein. 

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