Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Der Garten zählt zum Haushalt“

VDGN-Telefonforum zum Sparen bei der Steuer

Ist es sinnvoll die Steuerklasse zum Jahresende zu wechseln? Wie bei Handwerker-rechnungen Steuern sparen und was ändert sich ab 2013? Martina Bruse und Uwe Rauhöft vom NVL Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. gaben beim Tele-fonforum des VDGN Auskunft rund ums Thema Steuern.

Ist es richtig, daß ich Reparaturen meines Kleingartenhäuschens auch von der Steuer absetzen kann?
Ja, ein Gartengrundstück mit Wochenendhäuschen gehört zu Ihrem Haushalt. Des-halb sind Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die daran ausgeführt werden, steuerlich begünstigte Handwerkerleistungen und mindern nach § 35a EStG Ihre Einkommensteuer. Beachten Sie, daß ausschließlich die Lohnkosten, nicht das Material abziehbar sind und daß die Rechnung überwiesen wird. Barzahlung wird nicht anerkannt.

Ich habe im letzten Jahr Krankengeld bezogen. Das habe ich in meiner Steuererklärung auch angegeben. Nun müssen wir in diesem Jahr noch mehr nachzahlen als sonst. Wir gehen beide arbeiten und haben die Steuerklassen III und V. Wäre eine getrennte Veranlagung günstiger gewesen? Kann ich dafür auch Einspruch einlegen?
Eine getrennte Veranlagung für Ehepaare ist grundsätzlich möglich. Diese kann auch noch im Einspruchsverfahren beantragt werden. Es wäre aber ratsam, vorher genau auszurechnen, ob die getrennte Veranlagung tatsächlich die günstigere Wahl gegenüber der Zusammenveranlagung ist. Steht Ihnen kein entsprechendes Steuerprgramm zur Verfügung, können Sie sich Rat bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater holen. Weil Sie angeben, daß Sie bereits Steuern nachzahlen mussten, wäre in diesem Zusammenhang eine Prüfung Ihrer Steuerklassenwahl ratsam.

Um meine Haushaltskasse aufzubessern sehe ich mich gezwungen, einen weiteren Job anzunehmen. Was muß ich steuerlich beachten?
Nehmen Sie ein weiteres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis auf, wird der Zweitjob mit der Steuerklasse VI berechnet und es werden auch die üblichen Sozialabgaben fällig. Außerdem müssen Sie im Folgejahr eine Steuererklärung einreichen (Pflichtveranlagung). Wesentlich günstiger wäre es, einen sogenannten Minijob auszuüben. Der Lohn ist zwar begrenzt auf 400 Euro im Monat, aber Sie müssen weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall Pauschalen an die Bundesknappschaft abführen. Wichtig ist es zu vereinbaren, daß der Arbeitgeber auch die pauschale Lohnsteuer in Höhe von zwei Prozent abführt. Selbst wenn er Ihnen diese vom Lohn abzieht, ist das fast immer günstiger als die Versteuerung nach Ihrem individuellen Steuersatz.

Ich habe in der Zeitung gelesen, die steuerliche Beurteilung für Vermietung an Angehörige sei vereinfacht worden. Was heißt das? Mein Enkel bewohnt die oberste Etage meines Einfamilienhauses. Weil er mir auf dem Grundstück und auch sonst immer zur Hand geht, braucht er mir keine Miete zu zahlen. Kann ich die Kosten für seine Wohnung jetzt von der Steuer absetzen?
Nein, so grundlegend greift die Steuervereinfachung nicht. Wer Wohnraum an nahe Angehörige verbilligt vermietet, musste oft einen erheblichen bürokratischen Aufwand in Kauf nehmen. Das hat der Gesetzgeber ab 2012 vereinfacht. Erst wenn die Miete weniger als 66 Prozent des ortsüblichen Durchschnitts beträgt, werden die Ausgaben anteilig gekürzt. Zahlt Ihr Enkel also gar keine Miete, können Sie auch keine Kosten geltend machen.

Ich gehe arbeiten und beziehe seit 2003 eine Witwenrente. Jetzt habe ich eine Aufforderung vom Finanzamt bekommen und soll Steuererklärungen bis 2005 abgeben. Weil ich mich damit nicht auskenne, möchte ich die Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen. Welche Kosten werden da auf mich zukommen?
Beiträge für die Mitgliedschaft in einem Lohnsteuerhilfeverein sind sozial gestaffelt. Sie richten sich nach der Höhe Ihres Einkommens. Die Bandbreite liegt zwischen rund 40 und 300 Euro und wird einmal jährlich fällig. Meist wird noch eine einmalige Beitrittsgebühr von etwa 10 bis 15 Euro erhoben. Dafür steht Ihnen die gesamte Leistungspalette des Lohnsteuerhilfevereines zur Verfügung. Dazu gehören nach der ausführlichen Beratung das Erstellen der Steuererklärung, die Prüfung des Einkommensteuerbescheides, bei Bedarf die Rechtsmittelführung und der komplette Schriftverkehr mit den Finanzbehörden.

Meine Tochter ist wegen Sprachstörungen sehr gehandicapt. Die Behandlung beim Logopäden brachte bisher keinen Erfolg. Jetzt geht sie zur Stotter-Therapie. Die Krankenkasse hat die Kostenübernahme abgelehnt. Können wir das steuerlich geltend machen?
Ja, und zwar als außergewöhnliche Belastungen. Wichtig ist es, ein ärztliches Gut-achten einzuholen, welches belegt, dass die Therapie zwingend notwendig bei der Gesundung ist. Außer der Rechnungen für die Therapie, reichen Sie diesen Nachweis mit der Steuerklärung ein.

Bei dem Abzug als außergewöhnliche Belastungen wird Ihnen eine zumutbare Eigenbelastung angerechnet. Die darüber hinausgehenden Beträge werden dann steuermindernd berücksichtigt.

Wir haben neu gebaut und vermieten die oberste Etage. Den unteren Teil des Hauses bewohnen wir selbst. Was können wir von der Steuer absetzen?
Für den Teil, den Sie selbst nutzen, hat der Gesetzgeber derzeit keine Steuersparmöglichkeiten oder Steuerförderungen vorgesehen. Anstehende Reparaturen und Wartungsrechnungen können Sie in der Zukunft als steuerbegünstigte Handwerkerrechnungen nach § 35a EStG absetzen. Dazu gehört der Schornsteinfeger ebenso wie die Wartungsrechung für Heizung und alle kleineren oder größeren Erhaltungsaufwendungen im und um das Haus. Abzugsfähig sind jeweils die Lohnkosten. Das Material ist ausgenommen. Die Rechnungen müssen außerdem überwiesen werden. Barzahlung wird vom Finanzamt nicht anerkannt. Für den vermieteten Teil des Hauses sind die Steuerabzugsmöglichkeiten umfangreicher. Alle Ausgaben, die das Haus betreffen, sind anteilig auf den vermieteten Teil des Hauses als Werbungskosten bei der Vermietung abzugsfähig. Dazu zählen Abschreibungsbeträge, Finanzierungskosten sowie laufende Betriebskosten. Die Ermittlung der Herstellungskosten für die Abschreibungsbeträge ist mitunter sehr umfangreich. Hilfe erhalten Sie bei Lohnsteuerhilfevereinen, wenn für Mieteinnahmen nicht mehr als 13.000 Euro geflossen sind, oder bei Steuerberatern.

Wir sind vor drei Jahren in unser neues Haus gezogen. Im letzten Jahr haben wir uns entschlossen, den Garten neu zu gestalten und eine Firma beauftragt. Das Finanzamt will die Kosten dafür nicht anerkennen, weil der Garten neu an-gelegt wurde. Können Sie mir einen Rat geben, wie wir uns verhalten sollen, oder hat das Finanzamt recht?
Zu diesem Thema hat der Bundesfinanzhof jüngst ein Urteil gesprochen. Demnach können Erd- und Pflanzarbeiten im Garten als Handwerkerleistung auch dann steuerlich abgesetzt werden, wenn der Garten neu angelegt wird. Danach würden Arbeiten nur dann nicht anzuerkennen sein, wenn der Garten im Zusammenhang mit dem Neubau eines Hauses steht. Nach der Urteilsbegründung wäre beispielsweise auch der Ausbau zum Vergrößern einer Wohnung begünstigt. Sie sollten gegen den Bescheid Einspruch einlegen und sich auf das BFH Urteil vom 13.07.2011 mit dem Az. - VI R 61/10 berufen. Die Finanzverwaltung vertritt hierzu jedoch bisher eine andere Auffassung.

Ich habe im letzten Jahr eine Solaranlage auf dem Dach meines Einfamilien-hauses installiert. Obwohl ich bereits seit vielen Jahren Mitglied in einem Lohnsteuerhilfeverein bin, hat mein Berater mir jetzt gesagt, dass er meine Steuererklärung deshalb nicht mehr bearbeiten kann. Muss ich diese jetzt al-leine machen? Wer kann mir helfen?
Ihr Berater hat Ihnen eine korrekte Auskunft gegeben. Die Solaranlage produziert Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Dafür erhalten Sie von Ihrem Strom-anbieter eine Vergütung. Also sind Sie ein Stromproduzent und im steuerrechtlichen Sinn ein Unternehmer. Diese sind von der Beratungsbefugnis für Lohnsteuerhilfever-ein ausgeschlossen. Sie sollten sich, für Hilfe in allen steuerlichen Belangen, an ei-nen Steuerberater wenden.

 

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