Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Skepsis weit verbreitet


Was die Befragung von VDWE-Mitgliedern zur energetischen Sanierung erbrachte

 Die energetische Ertüchtigung des Wohn- und Wohnungseigentums kommt mit jährlichen Sanierungsraten von maximal einem Prozent nach wie vor nur schleppend voran. Der Vorstand des Vereins Deutscher Wohnungseigentümer (VDWE) hat deshalb die Mitglieder des VDWE erneut zum gegenwärtigen Stand befragt. Anhand der Ergebnisse kann die aktuelle Situation wie folgt beschrieben werden:

Rund die Hälfte der Eigentumswohnungen liegt in Gebäuden mit einem Alter zwischen dreißig und mehr als einhundert Jahren. Ca. 60 Prozent der Eigentumswohnungen wurden nicht energiesparend gebaut.

In den letzten Jahren sind teilweise energetische Sanierungsmaßnahmen erfolgt. Am häufigsten betreffen sie die Heizungsanlage, an zweiter Stelle stehen Maßnahmen an der Fassade.

54 Prozent der Wohnungen aus der untersuchten Stichprobe sind in Maßnahmen zur Energieein-sparung einbezogen. 31 Prozent dieser Wohnungen sind nur von einer einzigen Maßnahme betroffen, 34 Prozent von zwei, 9 Prozent von drei und das restliche Viertel der Wohnungen von mehr als drei Maßnahmen. Daraus ist zu schließen, daß in der Mehrzahl der Fälle keine komplexe energetische Sanierung „rundum“ erfolgt ist, nicht zwingend ein energetischer Idealzustand erreicht wurde. Vielmehr ist davon auszugehen, daß sich die energetische Situation bei den Eigentumswohnungen nicht grundlegend verändert hat.

Große Spannbreite bei Energiebedarf

Nach wie vor dominiert die gebäudebezogene Heizungsanlage mit Warmwasserversorgung. An zweiter Stelle, aber mit deutlich niedrigerem Anteil rangiert die Versorgung mit Fernwärme und Fernwarmwasser. In den Fällen, bei denen die Wohnungen nicht durch Fernwärme beheizt werden, hat die aus-schließliche Gasheizung einen Anteil von 68 Prozent und die ausschließliche Ölheizung einen Anteil von 24 Prozent. Die restlichen 8 Prozent fallen jeweils zu gleichen Teilen auf die vier Varianten „ausschließlich Wärmepumpe“, „Solartechnik und Holz“, „Gasheizung und Holz“, „Ölheizung und Holz“. Das mittlere Alter von Anlagen zur Versorgung durch Hauswärme und durch Hauswarmwasser liegt geringfügig über 13 Jahre.

Auf der Grundlage der von den Befragten angegebenen Daten wurde ein durchschnittlicher Energiebedarf von 132 kWh/(m2a) errechnet, wobei durchgängig Heizung und Warmwasserbereitung berücksichtigt wurden. Der Median liegt bei 130,3 kWh/(m2a) und weicht nur geringfügig vom Mittelwert ab.

Das Minimum des bei der Befragung ermittelten Energiebedarfs lag bei 21,5 kWh/ (m2a), das Maximum bei 251 kWh/(m2a).

Der Anteil des Einsatzes von Brennwerttechnik bei Gasheizung liegt unter 10 Prozent. Individuelle Energiesparmaßnahmen der Wohnungseigentümer betreffen zur Hälfte Maßnahmen an Fenstern, Rollläden und Jalousien. Von den Befragten vertreten 54 Prozent die Auffassung, daß Energiesparmaßnahmen in ihrer Eigentumswohnung bzw. in ihrer Wohnanlage erforderlich sind. Heizungsanlage und Fassade werden weiterhin als die lohnendsten Objekte für die energetische Sanierung genannt. 25 Prozent der befragten Wohnungseigentümer halten eine energetische Sanierung für definitiv nicht erforderlich. 21 Prozent sind unentschlossen.

Dieses Ergebnis bestätigt die vorgenommene Einschätzung, daß durchaus noch keine energetisch optimale Situation beim Wohnungseigentum vorliegt. Diesem geschätzten Bedarf steht die Anzahl der konzipierten bzw. beschlossenen und im Wirtschaftsplan enthaltenen Maßnahmen entgegen, sie liegen im einstelligen Prozentbereich aller vorliegenden Antworten. Die Einsicht der Wohnungseigentümer in die Notwendigkeit der energetischen Sanierung geht offenbar nicht mit einer ebenso großen Bereitschaft der Wohnungseigentümer, aber auch der Verwaltung und dem Verwaltungsbeirat einher, derartige Maßnahmen konsequent und baldigst zu veranlassen. 

Wenig Interesse bei Vermietern

Das geringste Interesse an Energieein-sparungen wird den vermietenden Wohnungseigentümern zugeschrieben. Fehlende Antworten schlagen zudem – wie auch beim Verwaltungsbeirat – mit knapp 50 Prozent der gegebenen Antworten zu Buche. Beim Beirat überwiegt das Interesse an einer energetischen Sanierung gegenüber einem Desinteresse an solchen Maßnahmen.

Bei den selbstnutzenden Wohnungseigentümern ist das Interesse an einer energetischen Sanierung zwar größer, aber übersteigt noch nicht den Anteil der eher Uninteressierten. Ähnlich wird die Interessenlage des Verwalters eingeschätzt. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, daß das Interesse des Verwalters wächst, wenn daraus eine Zusatzeinnahme für ihn entsteht.

Negative Auswirkungen eines zu hohen Energieverbrauchs auf die Attraktivität und den Wert der Eigentumswohnung werden von 23,8 Prozent der Wohnungseigentümer angegeben. Dagegen sehen 76,2 Prozent in einem hohen Energieverbrauch keine Gefahr für die Attraktivität, den Wert bzw. die Vermietbarkeit der Eigentumswohnung.

Bei 17,5 Prozent der Wohnungseigentümer hat eine Energieberatung vor Ort stattgefunden. Damit liegt der Beratungsanteil bei ca. einem Sechstel. Die Bereitschaft zur Umsetzung der bei den Energieberatungen unterbreiteten Sanierungsvorschläge liegt bei 45 Prozent der Fälle. Als Gründe für die Zurückhaltung der Wohnungseigentümer bei der Umsetzung vorgeschlagener Maßnahmen wurden genannt:

- finanzielle Gründe und ein ungünstiges Nutzen-Kosten-Verhältnis

- Desinteresse und Unkenntnis

- mangelnde Bereitschaft des Mehrheitseigentümers.

Auch dann, wenn keine Energieberatungen stattgefunden hatten, wurde Geldmangel als häufigster Grund für eine mangelnde Umsetzung von Energiesparmaßnahmen genannt. Insgesamt kann festgestellt werden, daß die verfügbaren finanziellen Mittel eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen spielen und Geldmangel zu verzögerter oder unterlassener Realisierung von Sanierungsvorschlägen führt.

Die Haupthindernisse bei der energetischen Sanierung werden in der Tabelle oben auf dieser Seite genannt.

An einer für den Wohnungseigentümer kostenlosen Energieberatung vor Ort mit Ausstellung eines Energieausweises sind 78,8 Prozent der Wohnungseigentümer interessiert.

Zur Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingung für die energetische Sanierung werden u. a. Förderprogramme für Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen, die vollständige steuerliche Absetzbarkeit für Energiesparmaßnahmen gefordert sowie die Schaffung von Kreditmöglichkeiten für Wohnungseigentümer bzw. für die Wohnungseigentümergemeinschaft verlangt.

Das Auflegen von Förderprogrammen, die kostenlose Beratung, günstige Finanzierungsmodelle durchschaubare und verläßliche Richtlinien bei der Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Zugang zu KfW-Krediten sind die wesentlichen Vorschläge im Zusammenhang mit der Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen.

Dr. Lieselotte Hellmann, Dr. Klaus-Joachim Henkel, Heinz Schöne 

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