Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wie gegen Schmutzwasser-Rückstau wappnen?

VDGN-Rat zu technischen Lösungen und rechtlichen Fragen


Der zurückliegende Monat Juli war vielerorts der niederschlagsreichste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. So wurden laut Auskunft der Wetterstation Berlin-Tempelhof im Monat Juli 2011 allein 185,1 Liter pro Quadratmeter gemessen. So wie dort, wurden von vielen Wetterstationen des Landes Extremwerte benannt. Diese Regenwassermengen ergossen sich verteilt auf einzelne Starkniederschläge und führten teilweise zu Überflutungen von Grundstücken und Kellern. Die öffentlichen Schmutzwassernetze (Trennsystem) sind nicht für die häufig mit solchen Regenereignissen verbundenen unkontrollierten „Fremdwassereinleitungen“ ausgelegt und damit überlastet. Die Folge ist Überstau im Schmutzwassernetz, der im Falle nicht vorhandener technischer Vorkehrungen auf den Grundstücken zu Überflutungen, insbesondere von Kellern führt.

Die Schäden an Bauwerken und Sachwerten sind dann häufig sehr groß. Die Fachgruppe Wasser/Abwasser des VDGN erreichen in jüngster Vergangenheit zahlreiche Anfragen, wer für solche Schäden in Haftung steht und wie sich Grundstückseigentümer vor allem gegen solche schützen können. Die Fachgruppe Wasser/Abwasser des VDGN hat auf den wirksamen Schutz vor Rückstau innerhalb der Grundstücke bereits in den vergangenen Jahren eingehend hingewiesen.

Mit diesem Beitrag wollen wir aus aktuellem Anlaß nochmals die wichtigsten Fragen zu diesem Themenkomplex beantworten.

Für den Schutz des Grundstückes vor Rückstau aus dem öffentlichen Schmutzwassernetz ist der Grundstückseigentümer bzw. der berechtigte Nutzer allein verantwortlich. Diese Regelung ist in den Abwassereinleitbedingungen bzw. Abwassersatzungen der örtlich zuständigen Entsorger enthalten, denn damit schützen sich diese vor möglichen Schadenersatzansprüchen Dritter im Ereignisfall. Als Rückstauebene ist im Regelfall die Geländehöhe (Straßenhöhe) des dem Grundstück am nächsten liegenden Einsteigschachtes des öffentlichen Schmutzwasserkanals definiert.

Grundsätzlich sind vom Rückstau immer die unter dem Gelände liegenden Räume der Bauwerke gefährdet. Das sind besonders Kellerräume, Souterrainwohnungen und Tiefgaragen. Das bedeutet, daß der Grundstückseigentümer in seinem eigenen Interesse und zum Schutz des Bauwerkes technische Vorkehrungen gegen Rückstau auf seinem Grundstück treffen sollte.

Was ist zu tun? Hier die bevorzugten technischen Lösungen:

• Konstruktive Maßnahmen an der Haus-installation. Die Einleitpunkte der Kellerentwässerungen, Waschmaschinenanschlüsse, Waschbeckenabläufe unterhalb der Rückstauebene sind zusammengefaßt über eine separate Hebeanlage (Schmutzwasserpumpe), über die Rückstauebene in die häusliche Entwässerungsleitung einzuleiten. Damit kann im Rückstaufall kein Schmutzwasser im Keller austreten.

• Einbau von Rückschlagklappen in die Schmutzwassergrundleitung auf dem Grundstück nach DIN-EN 13564-1 bzw. DIN 1986-100. Der Einbau sollte grund-sätzlich nur von einer geeigneten Fachfirma ausgeführt werden. Der Unternehmenspool des VDGN kann Ihnen zertifizierte Firmen benennen.

Zu bemerken ist weiterhin, daß Rückschlagklappen nur dann richtig schließen, wenn sich im Bereich der Klappe im Bedarfsfall keine Abflußhindernisse befinden, die das Schließen der Klappe beeinträchtigen oder gar unmöglich machen. Nach der DIN-EN 13564 sind Grundleitungen zweimal pro Jahr zu reinigen, um so einen dauerhaften Schutz vor Rückstau zu erhalten.

Aus der Gegenüberstellung beider Varianten ist schnell erkennbar, daß die im ersten Unterpunkt beschriebene Hebeanlage den Vorteil besitzt, daß auch im Störfall noch Schutz gegen Rückstau besteht, da unterhalb der Rückstauebene kein offener Einleitpunkt existiert. Der Wartungsbedarf der Rückschlagklappe ist, wie beschrieben, hoch und birgt schließlich ein Restrisiko im Verstopfungsfall.

Rolf Piegsa, VDGN-Fachgruppe Wasser/Abwasser

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