Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Senat läßt Hausbesitzer im Regen stehen

Grundwasser steigt weiter: In vielen Gebieten Berlins bereits erhebliche Schäden an Häusern


Allein im Juli fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes 249 Liter Regen pro Quadratmeter. Seit Anfang des Jahres sind 531 Liter pro Quadratmeter auf Berlin niedergegangen. Dr. Gabriele Malitz, Abteilung Hydrometeorologie: „Bis Ende Juli sind mehr als 90 Prozent der Jahresdurchschnittsmenge an Regen gefallen.“ Versickert, läßt der Regen in Berlin vor allem das Grundwasser steigen. Und davon hat Berlin von Natur aus schon genug.

In niedriger gelegenen Gebieten wie Kaulsdorf-Mahlsdorf und Rudow sind bereits jetzt viele Eigenheimbesitzer von Grundwasserschäden betroffen. Erst 2008 hatten riesige Regenwassermassen viele Keller unter Wasser gesetzt. Allein damals verzeichnete die Umweltverwaltung einen Grundwasseranstieg um 40 Zentimeter. Viele Häuser haben Schäden und verlieren kontinuierlich an Wert. Das Grundwasser zermürbt durch Aufsteigen die Wände, das regelmäßige Abpumpen spült das Fundament frei.

Da Berlin sein Wasser grundsätzlich aus dem eigenen Boden fördert, sank in Folge zunehmender Bevölkerung und der damit verbundenen Industrialisierung der Grundwasserpegel.

Doch 1990 veränderte sich das Verbraucherhalten rapide. Bedingt durch gestiegene Trinkwasserentnahmetarife im Ostteil und das Wegbrechen von Industrieunternehmen verringerte sich schließlich die Grundwasserentnahme auf nur noch 218 Millionen Kubikmeter im Jahr 2006. Mehrere Wasserwerke wurden geschlossen. Heute sind nur noch neun in Betrieb. Was unten nicht mehr abgepumpt wird, von oben als Regen aber stetig nachlief, hob zwangsläufig den Grundwasserspiegel wieder an.

Mitte der 1990er Jahre wurden erstmals örtlich begrenzte Maßnahmen der Grundwasserabsenkung in den Ortsteilen Rudow (Blumenviertel) sowie in Mahlsdorf-Kaulsdorf ergriffen.

Vor dem Hintergrund der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe im Jahr 1999 sah sich Berlin genötigt, das Berliner Wassergesetz zu ändern, um regulierend in die Verteilung der Rohwasserförderung der Berliner Wasserwerke einzugreifen. Auf der Grundlage des Paragrafen 37a des Berliner Wassergesetzes (BWG) wurde im Jahr 2001 eine Grundwassersteuerungsverordnung (GruWaSteuV) erlassen, die vorsieht, die Rohwasser-entnahmen der Berliner Wasserwerke so zu steuern, daß „siedlungsverträgliche Grundwasserstände“ erreicht werden. Bezugsbasis stellte eine von der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz erstellte Grundwassergleichenkarte dar. Diese aber berücksichtigte, nach Ansicht des VDGN, die vorhandenen konstruktiven Gegebenheiten der Bausubstanz nicht bzw. nur unzureichend.

Bis heute besteht für die vom Grundwasser Betroffenen rechtlich keine Möglichkeit, einen bestimmten Grundwasserstand einzufordern. Die Eigenheimer läßt der Senat sozusagen im Regen stehen. Auf Anfrage erklärt die zuständige Umwelt-Verwaltung, daß infolge des gesunkenen Trinkwasserverbrauchs nicht überall siedlungsverträgliche Grundwasserstände erreicht werden können und verweist auf die Berliner Bauordnung (BauOBln) § 13, wonach die Grundstückseigentümer und Bauherren die Gebäude unter Berücksichtigung des aktuellen und höchsten zu erwartenden Grundwasserstandes fachgerecht abzudichten haben.

Eine Pflichtaufgabe des Landes zur Grundwasserregulierung sieht man nicht. Doch nach Ansicht des VDGN wäre diese Position allenfalls für die in den zurückliegenden 20 Jahren bzw. laufende Bauvorhaben unter der Voraussetzung zu begründen, daß den Bauherren der zu erwartende Grundwasserspiegel auch mitgeteilt worden wäre. Für Bauwerke, deren Herstellung 20 und mehr Jahre zurückliegt, kann die Position des Landes Berlin nicht gelten. Denn hier hat das Land mit einer Summe selbst veranlaßter Maßnahmen in den Grundwasserhaushalt eingegriffen, auf die sich der ursprüngliche Bauherr nicht einstellen konnte. Nach Berechnungen kommen für eine nachträgliche Abdichtung der Keller auf die Eigentümer Kosten von 500 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter zu. Summen, die manche Hausbesitzer ruinieren würden.

Der VDGN fordert die Politik auf, hier anzuerkennen, daß das hohe Grundwasser ein stadtweites Problem ist, auf das einzelne Hausbesitzer nicht wirklich Einfluß haben. In den zurückliegenden Jahren hat Berlin durchschnittlich 55,3 Mio Euro pro Jahr Entgelte aus Grundwasserentnahmen kassiert (derzeit 0,31 Cent/m3). Leider wurden nur 400.000 Euro pro Jahr für grundwasserregulierende Maßnahmen aufgewendet. Hier wäre Spielraum, zum Beispiele, um isolierende Maßnahmen zu fördern.

Weiterhin fordert der VDGN zu einer nachhaltigen Grundwassersenkung die Senkung des Wasserpreises in Berlin, die Abschaffung des Grundwasserentnahmeentgeltes, Nutzung des Grundwassers zu Brauchwasserzwecken und die Verwendung von Grundwasser/Trinkwasser zur Beregnung öffentlicher Grünflächen.

Seit über zwölf Jahren konfrontiert der VDGN das Land Berlin mit der Grundwasserproblematik. Jetzt fordert der Verband zusammen mit der Industrie- und Handelskammer und weiteren Verbänden den Berliner Senat zur Einrichtung einer Grundwasserkonferenz auf (s. S. 5 oben), um Lösungswege für die Herstellung siedlungsverträglicher Grundwasserstände auszuarbeiten, damit endlich auch Grundstücksbesitzer wieder trockene Keller haben.

Thomas Walther

zurück