Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Schallschutz nicht garantiert

Untersuchung ergab: Zustand der Gebäudehülle muß beachtet werden


Im Heft 5/6 hatten wir Mitglieder gesucht, die bereit sind, zur Bewertung der Umsetzung von Schallschutzmaßnahmen ihre Einfamilienhäuser untersuchen zu lassen. Von den zahlreichen Interessenten wurden folgende drei Objekte in Berlin-Bohnsdorf berücksichtigt: Gebäude 1 Baujahr 1936 – ohne Schalldämmung, Gebäude 2 Baujahr 1999 – ohne Schalldämmung, Gebäude 3 Baujahr 1996 – mit Schalldämmung.

Schalldämmmaßnahmen zur Verringerung des Fluglärms in Form von Schallschutzfenstern und Lüftungseinrichtungen bedeuten einen wesentlichen Eingriff in das Lüftungskonzept eines Hauses. Um Gesundheits- und Bauschäden zu vermeiden, müssen diese Schalldämmmaßnahmen in engem Zusammenhang mit den geltenden Vorschriften der energetischen Sanierung von Wohngebäuden gesehen werden. Eine besondere Rolle kommt dabei den Eigenschaften der Gebäudehülle zu.

Ziel der Untersuchung war, die Gebäudehülle auf Dichtigkeit zu überprüfen und die Ergebnisse als Grundlage für die Ausführung und Wirkung der Schallschutzmaß-nahmen zu bewerten. Dazu wurde mit dem Blower-Door-System eine Luftdichtigkeitsmessung durchgeführt, in deren Ergebnis sowohl die Qualität der Gebäudedichtigkeit als auch Art und Lage von Leckagen festgestellt worden sind. Beim Gebäude 3 wurden zusätzlich Fenstereinbau, Montage und Wirkung der Schalldämmlüfter sowie Einhaltung der für die Gebäudesanierung geltenden Vorschriften überprüft.

Meßergebnisse:

Gebäude 1: Das Gebäude besitzt mit einem n50-Wert = 1,7 /h eine für Bestands-gebäude dieses Baujahres sehr gute Dichtigkeit. Diese Gebäudedichtigkeit bezieht sich auf den Wohnbereich des Erdgeschosses. Das ausgebaute Dachgeschoß besitzt eine sehr hohe Undichtigkeit (n50-Wert = 10/h), Ursache ist eine nicht funktionsfähige Luftdichtigkeitsschicht. Im Wohnbereich des Erdgeschosses wurden keine Leckagen festgestellt.

Gebäude 2: Das Gebäude besitzt mit einem n50-Wert = 1,5 /h eine sehr gute Dichtigkeit. Leckagen sind im Bereich der Fenster, der Hauseingangstür und im Dachgeschoß (Steckdosen, Wandanschlüsse an Giebelaußenwand) vorhanden. Der Kamin im Erdgeschoß verursacht nur eine geringe Undichtigkeit.

Gebäude 3: Das Gebäude besitzt mit einem n50-Wert = 2,1 /h eine gute Dichtigkeit. Rollladenkästen, Hauseingangstür, Katzenklappe, Dachbodenluke und eine WC-Spülgarnitur sind undicht. Der Kamin im Erdgeschoß weist nur eine geringe Undichtigkeit auf. Nach dem Abkleben der Leckagen lag der n50-Wert bei 1,5 /h. Beim Einbau der Schallschutzfenster wurden Mängel festgestellt. Die Schalldämmlüfter sind luftdicht eingebaut. Fenstererneuerung und Einbau von Lüftungsanlagen verlangen ein Lüftungskonzept – dies liegt nicht vor. Auch weitere Anforderungen, die bei Fertigstellung und Übergabe von Lüftungsanlagen vorgeschrieben sind, wurden nicht erfüllt.

Bewertung

Gebäude 1: Auf Grund der undichten Dachkonstruktion ist zu erwarten, daß nach Durchführung der Schalldämmmaßnahmen die erforderliche Schalldämmung nicht erreicht wird. Dichtigkeit und Schalldämmung des Dachgeschosses müssen wesentlich verbessert werden.

Gebäude 2: Nach Beseitigung der Leckagen, die unbedingt zum Schutz der Gebäudehülle empfohlen wird, ist das Gebäude sehr dicht. Es müssen dann Vorkehrungen zur Gewährleistung der notwendigen Lüftung zum Feuchteschutz getroffen werden.

Gebäude 3: Wie Gebäude 2. Ob beim Lüfterbetrieb der gewünschte Luftwechsel erreicht wird, ist nicht sichergestellt, da keine geeigneten Ablufteinrichtungen vorgesehen sind. Dies gilt besonders bei Intensivlüftung.

Abschließend muß man folgendes feststellen: Die in den Kostenerstattungsver-einbarungen angebotenen Schalldämmlüfter sind einfache Belüftungsgeräte und repräsentieren nicht den aktuellen Stand der Technik von Lüftungsanlagen für Wohngebäude. Die Geräte werden offensichtlich eingebaut, ohne sicherzustellen, daß die notwendigen Abluftöffnungen vorhanden sind. Geltende Vorschriften für die Sanierung von Wohngebäuden werden nicht beachtet. Aus meiner Erfahrung ist dringend die Möglichkeit einer Erfolgsüberprüfung mittels Schallpegelmessung erforderlich, um festzustellen, ob durch die Schalldämmmaßnahmen auch wirklich die notwendige Schalldämmwirkung erreicht ist. Wir beabsichtigen, ein solches Meßverfahren bereitzustellen.

Interessierte Leser finden ausführliche Ergebnisse der Untersuchungen auf der Internetseite des Verfassers www.schoene-energieberatung.de, aus Datenschutzgründen sind diese anonym gehalten. Anfragen richten Sie wie immer an den VDGN-Unternehmenspool, Telefon 030- 65 66 117-20.

Heinz Schöne, Energieberater

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