Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Rentiere und Seerosen-Wunder

Dankeschön-Fahrt des VMEG überraschte mit Nordländern in Mecklenburg


Eigentlich ist ein Rentier nicht gerade das, was großes Erstaunen hervorruft. Wenn einem allerdings auf einer Weide im Mecklenburger Land solch ein Tier auch noch entgegenkommt und zutraulich aus der Hand frißt, dann ist das schon einen Aufreger wert. So erging es jedenfalls den ehrenamtlich Tätigen bei der diesjährigen Dankeschön-Fahrt des VMEG. Denn diese führte mit Unterstützung der Dr. Herrmann Touristik GmbH in den Wesenberger Ortsteil Strasen. Dort baut Andreas Hoffmann seit 2009 eine Rentier-Zucht auf. Eine von zweien, die in Deutschland existieren. Kurz nach dem Besuch ereilte die Herde von Andreas Hoffmann ein mysteriöser Unglücksfall. An einem Augustwochenende verendeten alle Tiere. Ehefrau Cornelia Hoffmann: „Wir kamen von einem 14tägigen Urlaub wieder und übernahmen die Herde. Da war alles noch in Ordnung. Doch am nächsten Morgen lagen sie tot auf der Weide.“

Hoffmanns wollen sich aber durch diesen Schicksalsschlag nicht entmutigen lassen. Im Moment erhalten die Züchter viel Unterstützung, auch Geldspenden. Wer ebenfalls helfen will, der erreicht die Hoffmanns unter
ac-hoffmann@gmx.de.

Die Alt-Tiere der verendeten Herde hatte Hoffmann 2009 aus der 2.000 Kilometer entfernten Region Finnmark in Norwegen und Nordschweden nach Mecklenburg gebracht. Landstriche, in denen die Temperaturen weitaus kühler sein können. Doch, so Andreas Hoffmann auf die erstaunten Fragen, kämen die Tiere auch mit dem hiesigen Wetter klar. Im Winter bei Kälte sowieso und im Sommer, wenn die Sonne allzu sehr drückt, würden sich die Nordländer in einem extra aufgebauten Zelt vor der direkten Sonneneinstrahlung schützen. Dennoch ist weder die Haltung noch die Zucht einfach. Die Tiere haben eine sehr spezielle Verdauung, die in den Jahreszeiten wechselt. So waren bereits im vergangenen Jahr mehrere Rentiere verstorben.

Die Versuchung, die Rentiere zu berühren, war bei den Ausflugsgästen zu groß. Immer wieder gingen zahllose Hände über das weiche, warme Fell. Mit Erstaunen fühlten viele die warmen Geweihe, die bei den Rentieren sowohl die Bullen als auch die Kühe bis in den Herbst tragen. Die Wärme in den Geweihen, so Andreas Hoffmann, komme daher, daß diese durchblutet sind. Auf die Frage, warum er Rentiere ausgerechnet nach Mecklenburg geholt habe, sagte Andreas Hoffmann, dafür stünden seine beiden größten Leidenschaften, die Liebe zum Tier und sein Interesse für den hohen Norden. Der gelernte Tierpfleger hatte bereits mehrfach die Länder im Norden bereist. Eine gewachsene Freundschaft zu einheimischen Tierzüchtern brachte ihn auf die Idee mit der eigenen Herde. Wer die Weiden von Andreas Hoffmann besucht, erfährt zugleich vieles über die Kultur der Sami, des Volkes im Norden Skandinaviens. Für die Sami ist das Rentier auch ein Nutztier, wie für uns Rind und Hirsch. Und so kann man Rentier bei Hoffmann auch in andrer Form genießen – als Wurst oder Fleisch. Zum Abschied erwarben einige Tour-Teilnehmer eine zünftige Rentierwurst.

Im nahen Mirow stand wenig später eine kleine Seenrundfahrt auf dem Programm. Die VMEG-Ehrenamtler nahmen es gern an, denn die Sonne meinte es richtig gut. Tage vorher herrschte noch Dauerregen. Doch davon war an diesem Tage keine Spur. Und so ging es mit der „Königin Sophie Charlotte“, einem Dampfer mittlerer Größe, für zwei Stunden durch die kleine Mecklenburgische Seenplatte. Die Fahrt führte über den Mirower See, Granzower Möschen bis hin zum Leppin-See. Vom Oberdeck konnten die Teilnehmer eine malerische Landschaft bewundern. Vorbei an vielen schilfbewachsenen Ufern, kleinen Inseln und Landschaften, in denen die Bäume ihre Wurzeln sichtbar in den See schoben und manchen vom Motiv her an die Mangroven-Sümpfe in Mittelamerika denken ließen. Viele bewunderten die riesigen Seerosenflächen auf dem Wasser, für die die Mirower Seeen berühmt sind. Und die für den befürchteten Regen mitgebrachten Schirme dienten jetzt eher dazu, die allzu intensiven Sonnenstrahlen von den schon geröteten Gesichtern fernzuhalten. Nach der Seeluft genossen viele Teilnehmer noch einen Spaziergang durch den schattigen Schloßpark des Mirower Schlosses. Für die Heimfahrt wartete noch eine besondere Überraschung auf die müden Geister. Der Bus verfügte über eine Zapfanlage, so daß das frischgezapfte Bier die Rückfahrt wie im Fluge vergehen ließ.

Thomas Walther

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