Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Mit und ohne Mond...

... ein Gartenjahrbuch, das die Anschaffung lohnt

Guter Mond, du gehst so stille, doch mächtiger als Du ist immer noch die Pille – könnte man das alte sentimentale Mond- und Liebeslied abwandeln angesichts der Ergebnisse von Studien, die zeigen: Behauptungen, zwischen Schwangerschaften und den Phasen des Mondes gäbe es einen Zusammenhang, sind nichts als esoterischer, ergo abergläubischer Unfug. Der Mathematiker Oliver Kuß von der Universität Halle hat´s bewiesen, indem er mehr als vier Millionen Geburtsdaten aus 37 Jahren in Baden-Württemberg analysierte.

Null Korrelation zum Zyklus des Mondes – das gilt auch für die Ergebnisse medizinischer Eingriffe, wie uns Forscher aus Österreich zeigten. Kein Knochen wächst besser zusammen, keine Zahnwunde heilt schneller, nur weil der Mond gerade mit Zu- oder Abnehmen beschäftigt ist.

Um Kokolores der mystischen Art handelt es sich ebenso beim sog. Mondholz. Wie der Forstwissenschaftler Claus-Thomas Bues von der Technischen Universität Dresden im Experiment nachweisen konnte, rotten und reißen nach lunaren Maßgaben gefällte Stämme genauso leicht oder schwer wie andere Bäume. Mondmäßig hoch sind allerdings die Mondholz-Preise, gezahlt von einem Klientel, über das der Berliner sagt: Die glauben auch, der Mond sei ein Klappstuhl.

Wenn der Autor dieser Zeilen gern kurz vor dem Vollmond auf die Suche nach dem Pfifferling geht, dann tut er das trotz dieses Wissens, ja sogar in dem Bewußtsein, daß alle bisherigen Versuche, dem Pilzwachstum selenitische Begründungen zu unterschieben, statistischen Schiffbruch erlitten haben. Er sagt sich ganz einfach: Schaden kann´s ja nix.

Und so nimmt er denn auch das „Gartenjahrbuch 2012“ des Magazins kraut & rüben, zuständig „für biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben“, zur Hand. Denn auch hier führt Frau Luna das Regiment, bestimmt mit ihrer Stellung zu den Tierkreiszeichen die Termine für die gärtnerischen Aktivitäten von der Aussaat bis zur Ernte. Wer Zeit und Gelegenheit hat, sich danach zu richten, mag´s tun.

Seine Freude an dem Kalender kann aber auch haben, wer nicht zu den Mondgläubigen gehört. Denn die handliche Broschüre mit der wasserabweisenden Kunststoffhülle ist ein praktischer Begleiter für das Gartenjahr. Sie paßt in die Tasche jeder Gärtnerjacke und erinnert zuverlässig daran, welche Arbeiten wann auszuführen sind.

Einleuchtend ist die Einteilung des Jahres in zehn physiologisch-biologisch begründete „phänologische“ Jahreszeiten, wie sie auch der Deutsche Wetterdienst kennt. Diese beginnen und enden mit dem Winter. Dazwischen liegen Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst und Spätherbst. Jede von ihnen hat in diesem Büchlein zwecks schneller Orientierung ihre Farbe. Das nach Wochen gegliederte Kalendarium bietet neben soliden jahreszeitlichen Tips, Bauernregeln und Daten der Sonnenauf- und -untergänge auch Platz für eigene Aufzeichnungen zum Wetter und den gärtnerischen Aktivitäten des Kalenderbesitzers. Bei ordentlicher Führung, kann man also nachschlagen, wie das denn so war im letzten oder vorletzten oder vorvorletzten Jahr, ob die Tomaten auch damals im August die Braunfäule hatten oder die Nacktschnecken ihr gärtnerfeindliches Unwesen trieben.

Garniert wird alles mit Leitartikeln für jede der genannten Jahreszeiten. In der Regel kann der Leser aus ihnen was lernen, sei´s nun über den Mangold-Anbau in der Mitte des Erstfrühlings, über den Rittersporn als „König der Stauden“ (wobei Karl Foerster als König des Rittersporns nicht vergessen wird) oder über die Anlage von Schwimmteichen als preiswerte naturnahe Alternative zum Swimmingpool.

Besonderes Wohlgefallen hat der Text zu den Teltower Rübchen ausgelöst, die das Jahrbuch als das verbindende Element der Napoleon Bonaparte, Johann Wolfgang Goethe und Immanuel Kant anpreist. Die Herren, die selbstverständlich auch geistige Gemeinsamkeiten hatten, wußten eben, was gut schmeckt.

Holger Becker

Wolfgang Franke (Hrsg.): kraut&rüben-Gartenjahrbuch 2012, Deutscher Landwirtschaftsverlag, München 2011, 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 9 Euro

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