Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Hand in Hand gegen Fluglärm

Berlin: 24.000 Betroffene umschlossen mit einer Menschenkette den Müggelsee

Genau um 15 Uhr reichten sich über 24.000 Berliner und Brandenburger die Hand. Sie umschlossen damit am Sonntag, dem 28. August, den Müggelsee und symbolisierten die Schutzbedürftigkeit der Region. Selbst an Stellen, wo das Ufer nicht begehbar ist, bildeten 400 Schiffe aller Größe und Bauart eine Kette.

Unter dem Motto „Der Müggelsee ist über-all“ protestierten die Menschen gegen die durch den Flughafen Berlin-Schönefeld zu erwartende teils massive Verlärmung ihrer Städte und Gemeinden. Und so kamen sie nicht nur aus den Anliegergemeinden des Müggelsees, sondern aus allen betroffenen Regionen, aus Erkner, Kleinmachnow, Lichtenrade… Auch viele Mitglieder des VDGN machten ihrem Unmut Luft. Es war bis dahin der gewaltigste Protest seit Bekanntwerden der neuen Abflugrouten Anfang September 2010.

Eine der zentralen Forderungen der Demonstranten ist die nach einem strikten Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Es ist wissenschaftlich bewiesen, daß bereits ein Anstieg des Umweltlärms um 10 Dezibel bei Männern das Risiko einer Herzkreislauferkrankung um 50 Prozent, bei Frauen sogar um 60 Prozent erhöht. Nach der geplanten Inbetriebnahme des Flughafens Schönefeld im Juni 2012 wird der Lärmpegel in manchen Ortschaften mindestens um 30 bis 40 Dezibel steigen. Nachdem vielen Anwohnern schon tagsüber eine Verlärmung durch den Flugbetrieb zugemutet wird, bestehen die Menschen zu Recht auf eine ruhige Nacht. Dazu laufen derzeit in Brandenburg und Berlin Initiativen für ein Nachtflugverbot, für das in Berlin schon 12.000 Menschen ihre Unterschriften gegeben haben, in Brandenburg 14.000. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, hat eine Bundes-Gesetzesänderung initiiert, in der eindeutig der Lärmschutz der Bevölkerung vor den wirtschaftlichen und kapazitativen Interessen der Flughafenbetreiber stehen soll. Da ist man in Rheinland-Pfalz schon weiter im Denken als in Berlin und Brandenburg. Erst am Montag nach der erfolgreichen Menschenkette rechtfertigte sich Brandenburgs Ministerpräsident vor Fluglärmgegnern, daß eine Industrialisierung wie auch in Brandenburg Folgen mit sich bringe. Ein Industrieland würde man hören, fühlen, schmecken und sehen – und dazu müsse man bereit sein. Für die Betroffenen muß das wie blanker Zynismus geklungen haben. Daß da mancher an der Geisteshaltung seines Volksvertreters ins Zweifeln kommt, ist wohl nicht zu verdenken.

Wer das „Bündnis SÜDOST“, den Zusammenschluß vieler Bürgerinitiativen, unterstützen möchte, kann sich auch im Netz an den Bürgerverein Wilhelmshagen-Rahnsdorf e.V. wenden. Adresse: www.bvwr.de.vu. Spenden bitte auf Konto 0687505105 bei der Postbank Berlin (BLZ 10010010) Spenden-Quittungen werden ab 50 Euro ausgestellt.

T. W.

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