Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Das Leben des Laxness

Die umfangreiche Biographie des isländischen Literaturnobelpreisträgers wirft Fragen auf


Halldór Laxness ist der bekannteste Schriftsteller Islands weltweit. Seine Lebenszeit umspannte fast das gesamte 20. Jahrhundert. Und er beschäftigte seine Zeitgenossen nicht nur mit Büchern wie „Salka Valka“, „Islandglocke“ oder „Atomstation“, sondern auch mit seinen politischen Bekenntnissen für eine der zwei großen Weltparteien in der Zeit des Kalten Krieges. Auch wenn Laxness es später nicht mehr so recht wahrhaben wollte: Lange Zeit – und zwar gerade in der Hochzeit von Stalins mörderischer Verfolgungspolitik gegenüber den eigenen Leuten – bekannte er sich zur Sowjetunion und zum Kommunismus bzw. dem, was er dafür hielt. Das brachte ihm insbesondere im heimischen Island Ärger und Anfeindungen ein.

Lange dauerte es, bis er zum unangefochtenen isländischen Nationaldichter aufstieg. Der Nobelpreis für Literatur, den ihm die Schwedische Akademie 1955 verlieh, war sicher der Meilenstein auf diesem Weg.

Sein Biograph Halldór Gudmundsson hat sich also einem prallen, spannenden Stoff zugewandt, den er größtenteils mit Bravour meistert. Wen Halldór Laxness über dessen Bücher hinaus auch als Person interessiert, wird dieses umfangreiche Werk künftig nicht auslassen dürfen, das den Nichtisländern, als die sich ja die meisten Menschen auf diesem Planeten bezeichnen müssen, zudem viel über die einsame Insel im Nordatlantik erzählt, die in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist.

Nicht recht zufrieden aber wird der denkende Leser mit den Erklärungen, die Gudmundsson zum politischen Sinneswandel des Halldór Laxness gibt, der so richtig zu jener Zeit einsetzte, als der Dichter den von ihm ersehnten Nobelpreis bekam. Früher habe Laxness die Ideale über die Menschen gesetzt, dann aber eingesehen, daß die Menschen über den Idealen stehen, heißt Gudmundssons These.

Das klingt bedeutend, bewegt sich aber eher im Bereich flachen Wassers. Laxness saß 1937 beim Prozeß gegen Nikolai Bucharin im Moskauer Gerichtssaal. Es war ein für den Angeklagten tödlich endendes Schauverfahren, angesichts dessen viele andere nichtsowjetische Kommunisten das Gruseln erlernten. Nicht so der Augenzeuge Laxness, dem – wenn schon, denn schon – dort und nicht in der Zeit nach Stalins Tod die Frage nach der Priorität von abstraktem Ideal oder konkretem Menschen hätte übermannen müssen. Vielleicht läßt sich Laxness' Sinneswandel einfach damit erklären, daß er des Daseins als gesellschaftlicher Außenseiter müde und der Huldigung seines Genies durchaus nicht abgeneigt war. Auch das wäre ein menschlicher Zug des Halldór Laxness, von dem dieses unentbehrliche Buch im übrigen verständlich und auch unterhaltsam erzählt.

H.B.

Halldór Gudmundsson: Halldór Laxness. Biographie. btb-Verlag, München 2007. Aus dem Isländischen von Helmut Lugmayr. 864 Seiten. Gebundene Ausgabe 49,95 Euro, Paperback 18 Euro

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