Verband Deutscher Grundstücksnutzer


Die Gartenanlagen „Am Freibad“, „Oberspree“ und „Wilhelmstrand“ bilden ein zusammenhängendes Naherholungsgebiet in Berlin. Das Gelände am östlichen Spreeufer im Ortsteil Oberschöneweide wird kleingärtnerisch genutzt und ist im Flächennutzungsplan mit dieser Nutzung ausgewiesen.

Die Nalepastraße durchzieht die Anlagen. Einen Durchgangsverkehr hat es seit dem Bau des ehemaligen Rundfunkgebäudes im Jahr 1951 nicht mehr gegeben. Das sicherte den Kleingärtnern Ruhe und Idylle. Diese durchfahrtsfreie Verkehrssituation trug entscheidend dazu bei, daß sich auf dem Gebiet der drei Kleingartenanlagen ein großes und zusammenhängendes Naherholungsgebiet entwickeln konnte.

Damit sollte 2001 plötzlich Schluß sein. Vom Bezirksamt wurde ein Bebauungsplan erstellt, der die umfassende Sanierung des ehemaligen Rundfunkgeländes und einen Teilausbau der angrenzenden Nalepastraße im Bereich der KGA „Wilhelmstrand” vorsah. Eine großangelegte Unterschriftensammlung und Interventionen beim Bezirksamt und im Petitionsausschuß des Senats und der Mangel an interessierten und finanzkräftigen Investoren führten zu einer vorübergehenden Aufgabe der Ausbaupläne.

Im Jahr 2004 wurde eine Neuauflage der Ausbaupläne bekannt, diesmal auch verbunden mit dem konkreten Vorhaben, die gesamte Nalepastraße für den Durchgangsverkehr auszubauen.

Die Vorstände der Kleingartenanlagen hielten Ausschau nach Verbündeten und fanden sie in der Bürgerplattform „Menschen verändern ihren Kiez – Organizing Schöneweide“.

Es wurden zahlreiche Aktionen der Bürgerplattform im Bereich des Bezirks Treptow-Köpenick und vor allem im Abgeordnetenhaus von Berlin sowie Diskussionen mit allen politischen Fraktionen dieser Gremien durchgeführt. Weitere Bausteine waren das Erzwingen einer Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine ausgebaute Nalepastraße und die Erarbeitung eines Gesamt-Verkehrskonzeptes für Schöneweide im Jahr 2007. Im Oktober 2007 waren die Organisatoren des Widerstandes am Ziel: die BVV faßte auf Drängen der Bürgerplattform den Beschluß, daß kein durchgängiger Ausbau der Nalepastraße erfolgt.

Im November 2007 begann das Planfeststellungsverfahren für eine Südostverbindung (SOV) als notwendige Verkehrsentlastung in Schöneweide. Diese Trasse durchschneidet das Naherholungsgebiet. Damit wurden zusätzliche Initiativen der Bürgerplattform notwendig.

Es wurde organisiert, daß die Einwände der Betroffenen im Verfahren gehört wurden. Im Planfeststellungsbeschluß wurden sie weitgehend berücksichtigt. Zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen sollen realisiert werden.

Da die beiden KGA „Wilhelmstrand” und „Oberspree” Mitgliedsvereine im VDGN sind, war es folgerichtig, daß der VDGN in der Bürgerplattform aktiv mitarbeitete. Im Februar 2011 hatte der VDGN gemeinsam mit der Bürgerplattform eine Veranstaltung zum Thema Verkehr in Schöneweide durchgeführt. Ziel der Veranstaltung war es, eine Bilanz des Erreichten zu ziehen und weiter ungelöste Probleme an die politisch Verantwortlichen heranzutragen.

Die Hauptforderung der Kleingärtner war die dauerhafte Sicherung der Kleingärten. Auf der Veranstaltung versprach Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) nach vorangegangenen Gesprächen, sich für die Entwidmung eines Teilabschnittes der Nalepastraße und für die planungsrechtliche Absicherung der Kleingartenanlagen durch Aufstellung eines Bebauungsplanes einzusetzen.

Auf einer Veranstaltung der drei Vereine mit den Stadträten Hölmer und Schneider am 2. Juli 2011 wurde den Vereinen eine Urkunde für die erfolgte Umwidmung der Straße zur Grünanlage übergeben. Damit wurde ein weiteres Ziel erreicht.

Der VDGN und die Kleingartenvereine konzentrieren sich jetzt auf das nächste Ziel – die dauerhafte Sicherung der Kleingartenanlagen durch einen Bebauungsplan.

Dr. Rainer Haus, Fred Fischer

zurück