Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wer darf Gasleitung prüfen?

Was von neuen "Angeboten" der Schornsteinfeger zu halten ist


Ein neues Geschäftsfeld scheinen sich Schornsteinfeger in Berlin erschließen zu wollen. Anrufe von VDGN-Mitgliedern deuten darauf hin. Wie schon vergangenes Jahr in Rheinland-Pfalz und Hessen, informieren „Glücksbringer“ jetzt auch Berliner Hausbesitzer darüber, daß sie verpflichtet seien, nun die Gasanlage im Haus inspizieren zu lassen, kostenpflichtig, versteht sich. Ist dieses Gebaren rechtens, wollte die Redaktion des VDGN-Journals von zwei Fachleuten wissen. Hier ihre Antworten:

Frank Kleinert, stellvertretender Obermeister der Berliner Sanitärinnung: „Zunächst sollte man klären, was genau der Schornsteinfeger meint. Eine Gashausschau, also die Sichtkontrolle der Leitung zwischen Gasanschluß und Gasgeräten inklusive der Abgasanlage, soll jedes Jahr stattfinden. Doch dazu braucht der Hausbesitzer keinen Schornsteinfeger, das kann er allein! In seinem eigenen Interesse sollte er jedoch regelmäßig nachsehen und bei Verdacht auf unkontrollierte Gasverluste seinen Installateur benachrichtigen, sich die Sache genauer anzuschauen.

Seit dem 25. November 2002 sind Schornsteinfeger jedoch gesetzlich verpflichtet, die Feuerungsversorgungsleitung zu den Verbrauchern zu prüfen, alle fünf Jahre in Verbindung mit der Feuerstättenschau. Grundlage ist die Kehr- und Überprüfungsordnung. Sie dürfen jedoch nur äußerlich begutachten und mit einem sogenannten „Snooper“ (einer elektronischen Nase) entweichendes Gas aufspüren. Möglicherweise wird damit ein Leck erkannt. Zum Umfang des Schadens gibt es jedoch keine verläßliche Aussage. Der Schornsteinfeger darf nicht auf eine vollständige Freilegung der Gasleitung bestehen. Verkleidete Leitungen in Hohlräumen müssen zwar belüftet sein, jedoch sind diese Quer-/Diagonallüftungen mit 2 x 10 Quadratzentimeter völlig ausreichend. In abgehangene Decken oder Rohrverkleidungen müssen keine Revisionsöffnungen montiert werden. Die Öffnung für den Gaszähler muß aber so geplant werden, daß er austauschbar ist, da es hier Eichzeiten gibt, die einzuhalten sind.

In den Technischen Regeln für Gasinstallation (TRGI) gibt es die Möglichkeit, eine Gebrauchsfähigkeitsprüfung – jedoch nur von zugelassenen Unternehmen – durchführen zu lassen. Wird ein Leck mit einem Verlust von bis zu 1 Liter pro Stunde festgestellt, dann gilt die Leitung noch als gebrauchsfähig. Für diese Prüfung muß die Leitung geöffnet und mit einem bestimmten Druck beaufschlagt werden. Ein Meßgerät ermittelt dann die Verlustrate. Es ist auch möglich diesen Verlust rechnerisch zu ermitteln. Über das Ergebnis sollte immer ein Protokoll erstellt werden.“

Rainer Wist, Installateur- und Heizungsbaumeister, Berlin, Mitglied des VDGN-Unternehmenspools:
„Man muß dieses brisante Thema sehr differenziert sehen. Sicherlich kann im Rahmen einer Schnellprüfung die Gasleitung mit dem „Pieper“ abgetastet werden. Das ist aber auf keinen Fall eine vorschriftsmäßige Dichtheitsprüfung. Diese Leitungen können nur mit speziellen Meßgeräten auf Dichtheit geprüft werden. Dazu muß die Gasleitung fachgerecht geöffnet und auch wieder verschlossen werden, einschließlich einer Wiederinbetriebnahme aller Gasgeräte.

Hierfür ist unbedingt fachlicher Hintergrund notwendig. Die „Pieper“, mit denen die Schornsteinfeger prüfen, sind zu empfindlich. Es kann Gefahr signalisiert werden, wo keine ist, eine schlecht belüftete Stelle genügt schon ... Dann gibt es eine Schadensmeldung an den Installateur, der sanieren soll. Der überprüft die Anlage selbst noch einmal, viel aufwendiger, mit einem digitalem Druck-Meßgerät. Das verursacht noch einmal Kosten für den Kunden! Mitunter kommt er dann zu einem anderen Ergebnis als der Schornsteinfeger. Wie soll der Installateur in so einer Situation dem Hausbesitzer erklären, daß er sich keine Sorgen machen muß?

Um Gasanlagen in Häusern installieren und warten zu dürfen, muß ich mich regelmäßig weiterqualifizieren, investiere viel Zeit und Geld. Vom Berliner Anbieter, der GASAG, wird man ins sogenannte Installateurverzeichnis eingetragen und bekommt eine Zulassung, die fünf Jahre gültig ist und dann erneuert werden muß. Finde ich richtig. Arbeiten an Gasleitung und Gasgeräten gehören in die Hände des Fachmannes! Der Kunde muß seinem Installateur Vertrauen schenken können!

Nach einer Neuinstallation übergebe ich dem Kunden mit den Unterlagen das sog. Gasprüfprotokoll entsprechend den Technischen Regeln Gasinstallation, kurz TRGI. Die technischen Vorschriften in Deutschland sind nach meinem Ermessen wohl die strengsten weltweit.“

Aus den technischen Regeln DVGW-TRGI 2008 . G 600

Sichtkontrollen dürfen vom Betreiber der Gasinstallation vorgenommen werden. Inspektionen, Wartungen und Instandsetzungen sind von einem Vertragsinstallationsunternehmen durchzuführen. Sichtkontrollen jährlich: • Hausanschluß, Hauptabsperreinrichtung, Gaszähler, Rohrleitungen einschließlich Verbindungen, Absperreinrichtungen kontrollieren auf Zustand und Korrosion, Bedienbarkeit, Befestigung, Zugänglichkeit, Lüftungsöffnungen • Gasgeräte (Wärmeerzeuger, Trinkwassererwärmer) prüfen auf Gas- oder Abgasgeruch, Verschmutzung, Rußspuren, Geräusche, gelbe Flamme Wartung sowie Funktions- und Dichteprüfung jährlich bzw. nach Herstellervorgaben • Gasgeräte (Wärmeerzeuger, Trinkwassererwärmer) Wartung alle 12 Jahre: Rohrleitungen einschließlich Verbindungen • Absperreinrichtungen

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