Verband Deutscher Grundstücksnutzer

"Junkerfeld" ist gut bestellt

Frankfurt/Oder: Wochenendsiedler schauen auf spannende Vereinsgeschichte zurück


Vor nunmehr 22 Jahren war gar viel Betrieb in den Wäldern zwischen Frankfurt (Oder) und Müllrose. Nicht nur Pilzsucher, Soldaten und Pärchen durchstreiften Wald und Flur, nein, ganze Familien zogen mit Kind und Oma durch Kiefernwälder und Dickicht auf der Suche nach dem Traumland, Junkerfeld genannt.

Irgendwo hier im Wald muß es doch liegen, das zukünftige Paradies?! Nicht weit entfernt von der Stadt und der Helene. Schön groß soll man da bauen können und ein Kartoffelacker wird auch nicht Pflicht!

Jeder träumte vom nahen Glück, platzierte in Gedanken sein Häuschen in die Idylle, ohne auch nur annähernd etwas davon zu ahnen, was die kommenden Jahre so alles bringen mögen.

Wer wußte von der Wende, wer hatte schon vorab ein Haus gebaut?
Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht, kann seine Geschichten erzählen, von den Hürden vor der Aufnahme in den Verein (viel mehr Bewerber als Parzellen), den Arbeitseinsätzen mit abenteuerlichen Methoden und museumsreifer Technik, der Materialbeschaffung in der Planwirtschaft, den bürokratischen Hürden und politisch gefärbten Versprechen vor Wahlen, was systemunabhängig Bestand hat; den eigenen, nicht geahnten Talenten und Fähigkeiten.

Viele Jahre sind vergangen, man sieht es wohl zuerst an den Kindern! In vielen Familien sind aus kleinen, fleißigen Helfern bei den Einsätzen eigenständige, junge Leute geworden, die an den Wochenenden vorbeischauen, wie die „Alten“ ihre Ruhe im Grünen genießen und sich im Stillen auf die Enkel freuen.…!

300 Mitglieder gründeten im März 1989 die „Wochenendsiedlung Junkerfeld“ unter dem damaligen Dachverband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter und begannen ohne „Finanzspritzen“ jeglicher Art mit der Erschließung der geplanten 199 Parzellen, mitten hinein in die Turbulenzen der Wendezeit. Kritiker stellten sich sofort gegen die „Privilegierten“, riefen erfolglos mehrmals den „Runden Tisch“ an, um einen sofortigen Baustop zu erzwingen, organisierten eine Unterschriftensammlung und Protestdemo und erreichten die Zusage, daß die nahegelegene Verkaufsstelle Freitagnachmittags zusätzlich mit Brot beliefert werde. Keine guten Vorzeichen für einen gelungenen Start?! Urlaub an fernen Stränden, ein neues Auto, Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel und andere verlockende Aussichten dezimierten innerhalb kurzer Zeit den Mitgliederbestand des Vereins. 56 Parzellen auf gut 12 Hektar Land – viel Grün tut sich auf, schaut man über das Junkerfeld.

Was anfangs einer Katastrophe gleichkam und einen Kraftakt der Verbliebenen erforderte, stellte sich in den Folgejahren als der entscheidende Moment dar, der unser Zusammenleben prägte. Wir sind gewiß nicht immer einer Meinung, eine Familie hat inzwischen ihre Vereinsmitgliedschaft gekündigt, wir wissen aber, nach außen können wir nur gemeinsam, mit einer Meinung auftreten, um unsere Ziele zu erreichen. Wir sind geduldig unseren Weg gegangen, mit der Vision, die günstigsten Rahmenbedingungen für unseren Verein zu schaffen. Unter dem VGS wurden wir Kleingartenverein, dann Kleingartenfernkolonie. Steuerliche Vorteile, Rechtssicherheit und niedrige Pacht waren die Vorzüge, aber es war auf Dauer mit dem Bundeskleingartengesetz natürlich nicht vereinbar.

Wir schauten uns nach einer Alternative um, und fanden sie 2003 mit unserer Mitgliedschaft im VDGN. Wir haben bis heut´ keinen Tag und keinen Cent Beitrag bereut und bedanken uns auch an dieser Stelle für die Begleitung und Hilfe. Aus der Kleingartenfernkolonie wurde die Waldsiedlung Junkerfeld e.V., inzwischen zu 100 Prozent im Besitz der Parzelleninhaber und des Vereins. Bereits im Jahr 1993 haben wir Kaufanträge an die Städte Frankfurt (Oder) und Müllrose gestellt, denn ziemlich exakt in der Mitte unserer Siedlung verlief die Kreisgrenze Oder-Spree zur kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder).

Kaum war die deutsche Grenze offen, hatten wir ein neues Problem, eine Grenze quer durch unsere Anlage, ja quer durch manche Parzelle. Wie im Großen ergab das jahrelange Probleme im Kleinen. Der angedachte Gebietsaustausch zugunsten Frankfurt (Oder) nahm groteske Züge an, ganze Ortsteile wurden im Tausch gefordert. Die örtliche Presse berichtete im Dezember 1998 von tumultartigen Szenen im Müllroser Rathaus und einer Unterbrechung wegen blutender Nase des Bürgermeisters. Wir haben uns zurückgehalten, vermittelt und immer einen vernünftigen Kontakt zu den Oberen beider Städte gesucht. Sechs Oberbürgermeister Frankfurts haben sich in den Jahren mit uns beschäftigen müssen, nicht gezählte Stadtverordnete beider Kommunen haben akzeptiert, daß unsere Argumente überzeugen. Ein ganz wichtiger Schritt dabei war die enge Bindung an den Frankfurter Ortsteil Hohenwalde.

Die Mitarbeit unseres Vorsitzenden im Ortsvorstand dieser Gemeinde hat uns das erforderliche Gehör im Stadtparlament verschafft. Auch wenn unser Wunsch eine Siedlung nach den Prämissen „Erholungsgebiet Wochenendsiedlung – ganzjähriges Wohnen“ genehmigt zu bekommen, scheiterte, sind wir stolz, daß der Ortsteil nunmehr unter dem Namen Hohenwalde-Junkerfeld ein Begriff ist. Aus unserer Sicht sind die Festlegungen der Landesregierung Brandenburg zum dauerhaften Wohnen völlig unangemessen und in der Praxis nicht umsetzbar.

Nach Klärung der Eigentumsverhältnisse konnten wir 2004 von der BVVG GmbH den Frankfurter Teil des Junkerfeldes erwerben und schließlich 2009 unsere Flächen von der Stadt Müllrose kaufen. Somit befindet sich das komplette Junkerfeld in unserem Besitz, die Verwaltung erfolgt einheitlich durch Frankfurt (Oder). Seit 2008 haben wir gemeinsam mit der Stadtverwaltung an einem Bebauungsplan gearbeitet, den die Stadtverordneten Ende März dieses Jahres bestätigt haben. Auch wenn wir nun Eigentümer an Grund und Boden sind, wird die Bedeutung des Vereins nicht geringer. Es wird nur schwieriger, die Eigentumsinteressen mit den Vereinszielen in Einklang zu bringen. Dazu wurde die Satzung neu erarbeitet, die Ordnung, bei uns „Wegweiser“ genannt, fortgeschrieben.

Keiner sollte dabei vergessen, was unseren Erfolg ausmacht. Wenn Sie ähnlich gelagerte Probleme haben und von unseren Erfahrungen profitieren wollen, wir geben gern Auskunft. Sie finden uns auch unter www.junkerfeld.de, leider im allgemein zugänglichen Teil nicht ganz aktuell. Wir arbeiten daran, spätestens im Winter. Es sei denn, wir stecken in der Vorbereitung zum Weihnachtsbaumverkauf, den wir seit Jahren mit unserem Revierförster gemeinsam durchführen. Denn wir wissen, hier am Waldrand sind wir auch auf gute Partnerschaft mit dem Landesbetrieb Forst angewiesen, und wir machen das gern!

Lothar Blaschke

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