Verband Deutscher Grundstücksnutzer

War Regen am Hochwasser schuld?

Nein, das Problem ist hausgemacht, sagt VDGN-Mitglied Barbara Kälisch

Eine harte Prüfung liegt hinter Barbara Kälisch und hunderten Mitbetroffenen in der Region entlang der Teupitzer Seenkette südlich von Berlin. Ein Binnenhochwasser hatte ihre Gärten und Keller hoffnungslos überschwemmt. Es wollte einfach nicht weichen, blieb über Monate. Im August 2010, als noch weiter im Süden tagelang Starkregen niederging und Flußpegel anstiegen, kam die erste Überschwemmungswelle in das flache weite Land, das keine Deichanlagen hat. – Warum auch, Hochwasser kannte man hier nicht. Weitere drei Wellen folgten. Mit 51 Zentimetern über Normalpegel war am 26. Januar das Maximum auf Kälischs Grundstück in Groß Köris erreicht.

Hilferufe an Behörden und Politiker, das Umweltministerium und das Landesumweltamt, die Amtsverwaltung Schenkenländchen verhallten zunächst ungehört. So gründete Barbara Kälisch, die seit 2002 auch VDGN-Mitglied ist, eine Bürgerinitiative. Fast 700 Leute unterstützen sie mittlerweile.

Das Wasser bedrohte Heizungen, Elektroanlagen und Hausrat. Es erzeugte Frostaufbrüche im durchweichten Mauerwerk. Zu Eis geworden, zerstörte es Bootshäuser und Stege. Wochenendhäuser wurden unbrauchbar. In den Gärten verfaulten Pflanzen und Holzzäune.

Überschwemmte Straßen zwangen Betroffene, Umwege von bis zu 50 Kilometern in Kauf zu nehmen, zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt. Manche Hausbesitzer waren gar komplett von der Versorgung abgeschnitten.

Erst als Lokalzeitungen und Fernsehen berichteten, ein geschockter Landrat das ganze Ausmaß der Katastrophe mit eigenen Augen sah, kam etwas in Fluß. „Ende Januar wurden die zuständigen Behörden dann tätig. Das Landesumweltamt sorgte dafür, daß seit dem 26. Januar weniger Wasser aus der Spree in die Dahme floß“, berichtet Barbara Kälisch. Eilig wurde auch der Abfluß des Wassers nach Berlin am Wehr Neue Mühle verbessert, ein Tor war seit zwei Jahren defekt gewesen. „Danach konnte man praktisch zusehen, wie die Lage sich entspannte, das Wasser Zentimeter für Zentimeter abfloß“, beschreibt Barbara Kälisch die Erleichterung.

Mitte Februar hatte das Wasser seinen normalen Winterpegel erreicht. Doch viele Fragen und Probleme bleiben. Zunächst geht es um den Ersatz der entstandenen Schäden an Gebäuden und Hausrat. Klagen sind in Vorbereitung.

Grundsätzlicher ist die Frage: War die Katastrophe hausgemacht? Wie kann so etwas künftig verhindert werden? Im Gegensatz zu Politikern, die in der Öffentlichkeit die These „Schuld war der viele Regen und hohe Grundwasserstände“ vertreten, ist Barbara Kälisch überzeugt, daß es eine Verquickung ungünstiger Umstände gab: „Starkregen in anderen Regionen und in der Folge hohe Wasserstände in den Flüssen; verkrautete Gräben, kaputte Wehre und Schöpfwerke, die nicht genügend Wasser ableiteten. Insgesamt ein Gewässerschutz, der einseitig darauf abzielt, das Wasser in der Region zu halten.“ Schlecht funktioniert habe auch die Kommunikation zwischen Behörden in Berlin und Potsdam/Cottbus. Sie kommt zu dem Schluß: „Offenbar nahm man in Kauf, daß wir auf dem ebenen, weiten Land zum Schutz der Städte entlang der Spree „geflutet“ werden, als Polder dienen. Doch auch hier leben Menschen“, empört sie sich.

Mit Vertretern der Bürgerinitiative will sie darauf dringen, daß die Behörden künftig besser auf einen „Sonderfall Hochwasser“ vorbereitet sind. Sie fordern, einen Meldepegel einzurichten, Pegelstände regelmäßig zu überwachen. Die alleinige Zuständigkeit der wasserregulierenden Behörde müsse klar geregelt und der Verursacher des Hochwassers festgestellt werden. Bürger sollten besser informiert und unterstützt werden. Entwässerungsgräben seien zu entkrauten sowie Wehre, Schöpfwerke und Pumpen instandzusetzen.

Den Gesprächstermin mit Vertretern der Bürgerinitiative Anfang April sagte das Umweltministerium ab. Doch Barbara Kälisch und ihre Mitstreiter werden nicht lockerlassen.

Kerstin Große

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