Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Noch nicht am Ziel

Vieles spricht für eine einheitliche Wertstofftonne

Das Ziel – Es geht um die Rohstoffsicherung für unser exportintensives Hochtechnologieland. Auch aus dem bisherigen Restmüll (graue Tonne) muß jedes Gramm wiederverwertbarer Rohstoff zurückgewonnen und vor dem Vernichten durch Verbrennen bewahrt werden. Dazu muß der Bürger die Wertstoffe vom Restmüll getrennt, gesondert, haushaltsnah in den Wirtschaftskreislauf zurückgeben können. Diese Übergabestation soll die Wertstofftonne werden.

Die Wertstofftonne – Sie ist eines der Ziele der Novelle zum Kreislaufwirtschaftsgesetz, beschlossen von der Bundesregierung am 30. März 2011. Inhalt, Trägerschaft (privat oder kommunal) und Finanzierung dieser Wertstofftonne befinden sich gegenwärtig in einer breiten, noch immer von beträchtlichen Meinungsunterschieden und Interessenkonflikten geprägten Diskussion. Grundlage dieser Diskussion und auch vorgesehener Planspiele sind drei, Ende Februar 2011 vom Bundesumweltamt vorgestellte Studien zu diesen Fragen. Danach könnte der „ideale Inhalt“ der Wertstofftonne (das wird weitestgehend durch den Stand der Sortiertechnik vorgegeben) aus Verpackungsmaterialien und stoffgleichen Nichtverpackungsmaterialien aus Metallen oder Kunststoffen bestehen. Die Wertstofftonne könnte entweder in privater oder in kommunaler Trägerschaft betrieben werden, wobei die private Trägerschaft stärker mit Recyclingtechnologien, die kommunale Trägerschaft derzeit stärker mit Müllverbrennungsanlagen verbunden wäre. Zur Finanzierung der Wertstofftonne besteht noch der größte Klärungsbedarf.

Die Gelbe Tonne plus – Sie ist der Ideengeber und Vorläufer der Wertstofftonne. Zusätzlich zu den Verpackungsmaterialien nimmt die Gelbe Tonne plus in Berlin stoffgleiche Nichtverpackungsmaterialien aus Metall oder Kunststoff sowie Elektrokleingeräte auf. Das erweitert das Volumen der Rohstoffrückgewinnung aus bisherigem Restmüll. 80 Prozent des Inhaltes der Gelben Tonne plus werden stofflich erneut genutzt. Betrieben wird das System Gelbe Tonne plus privat – im Zusammenwirken mit den Dualen Systemen – von der ALBA Gruppe. Es wird derzeit aus einem Teil der bewirkten Ein-sparungen bei Restmüllgebühren finanziell gestützt. Die Gelbe Tonne plus ist bislang für die Wertstoffsammlung in Siedlungsgebieten nicht zugelassen.

Die Orange Box – ist von der Berliner Stadtreinigung initiiert und wird von ihr betrieben. In jüngster Zeit ist sie verstärkt in Berliner Siedlungsgebieten angeboten worden. Sie nimmt keine Verpackungsmaterialien, dafür aber Nichtverpackungen aus Metall oder Kunststoff sowie Alttextilien und Altholz auf. Dieser Inhalt ist infolge fehlender Eignung zur maschinellen Sortierung überwiegend nur zum Verbrennen geeignet und auch dafür vorgesehen. Die Orange Box wird für die Bürger kostenfrei angeboten. Sie wird aus den Gebühren für die graue Tonne (Restmüll) quersubventioniert.

Fazit – Die Wertstofftonne wird kommen. Die Rohstoffsituation erfordert das. Der „ideale Inhalt“ dieser künftigen Wertstofftonne ist noch nicht gesetzlich definiert. Es spricht aber vieles – sowohl die Recyclingtechnologien als auch der Verlauf der gegenwärtigen Diskussion für eine einheitliche Wertstofftonne – für Verpackungsmaterialien, die bislang durch die Dualen Systeme gesammelt, sortiert und verwertet werden sowie für Nichtverpackungsmaterialien aus Metall oder Kunststoff, die dem bisherigen Restmüll entzogen werden.

Diese künftige einheitliche Wertstofftonne wird keine „Verbrennertonne“ sein können. Alttextilien und Altholz werden darin keinen Platz finden.

Die Trägerschaft dieser künftigen Wertstofftonne ist derzeit noch nicht entschieden. Ein privates und ein kommunales Modell werden gleichwertig nebeneinander diskutiert. Wie die Entscheidung auch fällt, sie muß letztlich das solidarische Miteinander der Bürger, der Kommunen, der kommunalen wie der privaten Wirtschaft zum Nutzen der Umwelt und der Rohstoffgewinnung stärken. Die überzähligen Verbrennungskapazitäten müssen zurückgefahren werden. Auszuschließen ist jedwede finanzielle Belastung der Bürger durch die Wertstofftonne. Mit dem Kauf verpackter Produkte subventioniert der Bürger das Wachstum einer leistungsfähigen Recyclingwirtschaft und durch das Trennen der Wertstoffe verleiht er ihr einen zusätzlichen Produktivitätsschub. Es wäre kaum nachvollziehbar, ihn dafür auch noch zur Kasse zu bitten.

Dr. Klaus-Joachim Henkel, Birgit Petsch, VfU

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