Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Müll wird zum Rohstoff

Neues Kreislaufwirtschaftsgesetz fordert mehr Recycling als Verbrennung


Wenn Sie heute ihren alten Fön entsorgen, könnte es sein, daß Sie Teilen davon schneller wiederbegegnen als Sie denken. Zum Beispiel beim Kauf des neuen Autos. Die Konsole besteht aus Plastik, also aus dem gleichen Material wie die Verkleidung ihres alten Föns. Die Autoindustrie ist ein Bereich, der immer stärker auf die Möglichkeiten des Recycelns von Sekundärrohstoffen setzt. Die Technologie erlaubt heute schon eine fast hundertprozentige Wiederverwertung von Plastik. Es auf Halden verrotten zu lassen oder in Verbrennungsanlagen zu entsorgen, vernichtet nicht nur Rohstoffe, auch die Umwelt wird mit dem anhaltenden Ausstoß von CO2 stark belastet.

Der Berliner Recycler ALBA hat schon 2005 damit begonnen, berlinweit Plastik, aber auch andere wiederverwertbare Stoffe wie Metall und Kunststoffe in seiner „Gelben Tonne plus“ separat zu sammeln und aufzubereiten. Täglich bringen Fahrzeuge Tonnen von Wertstoffen in die eigenen Sortieranlagen. Dort werden unter anderem die ausgedienten Elektrogeräte in ihre Bestandteile zerlegt. In der Wiederaufbereitungsanlage in Eisenhüttenstadt werden sie sortiert und zerkleinert. Später wird die geschredderte Masse nach Trocknung und Umschmelzung zu Granulat verarbeitet, aus dem dann nach weiterem Erhitzen die Autobauer auch Konsolen pressen. Manchmal geht es noch direkter. Viele der Tonnen, in denen die ausgedienten Plastikteile gesammelt werden, sind aus aufbereitetem Alt-Plastik.

Immer deutlicher wird, Abfall ist eben längst nicht mehr Abfall. Müll wird zum wichtigen Rohstoff. Nach Berechnungen des Verbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft könnten aus den im Jahre 2009 in der Hauptstadt angefallenen 875.000 Tonnen Restmüll bei Ausschöpfung aller schon jetzt zur Verfügung stehenden Recycling-Möglichkeiten rund 725.000 Tonnen stofflich wieder verwertet werden. Wie viel Potential auch im Recycling von Elektrogeräten steckt, zeigt eine Untersuchung des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Danach wurden im Jahre 2008 bundesweit 694.000 Tonnen Altgeräte recycelt. Demgegenüber wurden aber im gleichen Zeitraum 1,8 Millionen Tonnen Elektrogeräte gekauft. 62 Prozent der Geräte landeten zusammen mit anderem Restmüll entweder auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen.

Das zeigt auch eine Expertise, die der VDGN zum Thema Recycling in Auftrag gab. Untersucht wurde hier insbesondere das durch die Berliner Stadtreinigung (BSR) angebotene Recycling-System Orange Box. Wie bei ALBAs „Gelbe Tonne Plus“ sollen hier trockene Wertstoffe wie Holz, Plastik, Kartonagen und auch ausgediente Elektrogeräte, die sonst im Restmüll landen, aus den Haushalten separat erfaßt werden. Das gelingt zwar zunehmend, bringt derzeit aber nur wenig Nutzen. Denn das VDGN-Gutachten weist nach, daß die BSR kaum über Sortieranlagen verfügt. Nur große und sperrige Güter werden manuell entnommen. Der Rest der in der Orange Box gesammelten Stoffe (65 Prozent) landet mit dem Restmüll in der Verbrennungsanlage. Aus Müll auch Wärme zu gewinnen, machte zu Zeiten beschränkter technologischer Möglichkeiten durchaus Sinn. Welche Verschwendung es heute darstellt, wiesen unlängst Forscher der TU Braunschweig nach. Für die Herstellung von Papier aus Altpapier wird heute weniger Energie gebraucht, als die gleiche Menge Altpapier bei der Verbrennung an Energie erzeugt. Als zweiter Effekt kommt noch die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes hinzu.

Auch beim Recycling von Metallen zeigt sich das. Wird zum Beispiel eine Tonne Kupfer recycelt, spart das 3,42 Tonnen Kohlendioxid. Wie weit bei den Metallen ein Umdenken in Richtung Recycling stattgefunden hat, belegt, daß in Deutschland 45 Prozent des in der Industrie verarbeiteten Kupfers aus aufgearbeitetem Kupferschrott bestehen.

Ein radikales Umsteuern in punkto Entsorgung ist nicht nur möglich, sondern notwendig. Da ist es nur konsequent, wenn das neu geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz eine Abkehr von der Gleichstellung der Verbrennung mit dem Recycling fordert. Deutschland als rohstoffarmes Land muß der Rückführung von Werkstoffen in den Wirtschaftskreislauf oberste Priorität einräumen.

Nach einer Analyse der Europäischen Kommission herrschen in Europa bereits Engpässe bei 14 Rohstoffen, die wesentlicher Bestandteil von Hightech-Produkten wie etwa Mobiltelefonen, Dünnschichtphotovoltaikmodulen, Lithium-Ionen-Batterien, Glasfaserkabeln und synthetischen Treibstoffen sind. Diese Engpässe hätten das Potential, technologischen Fortschritt und damit künftiges Wirtschaftswachstum in der EU zu hemmen, heißt es in der Studie.

Für Berlin konnte das Unternehmen ALBA beim Recycling beeindruckende Zahlen präsentieren. 1990 betrug der Anteil Restmüll noch 87 Prozent, nur 13 Prozent waren Wertstoffe. 2008 lag das Verhältnis bereits bei 39 Prozent (Restmüll) zu 61 Prozent (Wertstoffe). Mit der innovativen Idee der „Gelben Tonne plus“ ist ein Modell für Wertstoffsammlungen etabliert. Diese Ergebnisse haben auch im Bundesumweltministerium für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Rahmen des reformierten Kreislaufwirtschaftgesetzes soll das System der Wertstofftonne bald bundesweit eingeführt werden.

Thomas Walther

Recycling vor Verbrennung

... ist Thema einer Informationsveranstaltung des Gemeinnützigen Vereins zur Förderung und Pflege der städtischen und kommunalen Umwelt (VfU) am Mittwoch, dem 13. April 2011 ab 16 Uhr im Großen Vortragssaal des Ludwig-Erhard-Hauses in der Fasanenstraße 85 in Berlin. Anmeldung bis 7. April 2011 erbeten- pPer Fax: 030 / 514 888 78 oder e-mail: info@vfuev.de

 

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