Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Aggressives Orange

Berlin: Müssen sich Eigenheimer am neuen System der Wertstoff-Erfassung beteiligen?

Gefragt hat die Berliner Eigenheimer niemand, bevor sie von der Berliner Stadtreinigung (BSR) eine sogenannte Orange Box vor die Tür gestellt bekamen. Dieser Behälter dient dazu, wiederverwendbare Materialien einzusammeln. Dazu gehören Elektrogeräte, Spielzeug, Metalle, Datenträger, Kunststoffe, Alttextilien und altes Holz.

Nun fragen sich viele: Muß ich diesen Sammelbehälter behalten und benutzen? Habe ich davon Vorteile? Oder geht die Sache für mich eventuell nach hinten los?

Erst einmal: Entscheiden, ob er die Orange Box aufstellt, kann jeder Grundstückseigentümer selbst. Es gibt keinen sogenannten Anschluß- und Benutzungszwang, wie er bei der grauen Restmülltonne besteht. Wer den Behälter also schon deswegen nicht haben will, weil er das aggressive Orange der Tonnen als äußerst störend empfindet oder weil das Grundstück keinen Raum für einen weiteren Müllbehälter bietet, kann die BSR auffordern, ihren neuen Müllkübel wieder abzuholen.

Der Vorteil, den viele in der Orange Box sehen werden: Dinge, die man ansonsten selbst zu einem der Recyclinghöfe bringen muß, werden nun von der BSR selbst abgeholt. Wer allerdings glaubt, er müsse das nicht bezahlen, ist auf dem Holzweg. Mit der flächendeckenden Aufstellung der Orange Box sind zu Jahresbeginn 2011 die Tarife für die vor allem von Eigenheimern genutzten Grauen Tonnen mit kleinem Volumen erhöht worden. Diese Tariferhöhung ist nach Auffassung des VDGN dazu da, die Einführung des Systems der BSR-Wertstofftonnen mitzufinanzieren. Der VDGN erwägt gegen diese unzulässige Quersubventionierung zu klagen, die wieder einmal zu Lasten der ohnehin finanziell schon arg bedrängten Eigenheimer geht.

Aber sind die Tonnen mit der Apfelsinenfarbe nicht ein großer Gewinn für die Umwelt? Der Öko-Nutzen der Orange Box, so muß man leider sagen, ist höchst zweifelhaft. Ein großer Teil der so gesammelten Wertstoffe wird nach jetzigem Kenntnisstand nämlich gar nicht wiederverwertet sondern verbrannt. Außerdem muß die BSR in großem Maß zusätzliche Touren fahren, um die Orange-Kübel zu entleeren. Das ergibt einen gigantischen zusätzlichen Treibstoffverbrauch. Dabei dürfen in die neue Tonne noch nicht einmal die Verpackungen geworfen werden, die in die Gelben Säcke gehören. Diese Stoffe werden wiederum separat vom Dualen System Deutschland abgeholt.

Alles in allem läßt sich feststellen: Der Gewinn, der sich für den einzelnen – wenn überhaupt – mit der Orange Box einstellt, ist minimal. Und auf Dauer bezahlen die Eigenheimer dieses System mit höheren Gebühren an anderer Stelle.

Die Ablehnung der Orange Box kann deshalb Ausdruck des individuellen Protestes sein: So nicht!

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