Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Schlichten und aufklären

Jena: Rechtsanwalt Albrecht Scheunemann hilft ratsuchenden VDGN-Mitgliedern

Herr Rechtsanwalt Scheunemann, Sie sind in Stralsund geboren. Wie verschlägt es einen Mecklenburger nach Thüringen?
Ach, das ist schon lange her. Zu DDR-Zeiten war ich an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHFK) in Leipzig Radsportler, studierte später Bauwesen. Als junger Bauingenieur ging ich ins Thüringische, war als Bauleiter an vielen Neubauprojekten in Gera, Jena und Umgebung beteiligt. Schließlich lernte ich meine Frau kennen, wurde in Jena seßhaft.

Und weshalb sattelten Sie dann auf Juristerei um?
Als Bauleiter war ich ständig mit rechtlichen Problemen konfrontiert. Mängel in der Bauausführung oder die Vertragsgestaltung waren schon damals, freilich unter anderen Bedingungen, ein Problem.

So bewarb ich mich an der Humboldt-Universität zu Berlin mehrmals darum, Jura studieren zu können. Wurde mehrmals abgelehnt aufgrund „fehlender gesellschaftlicher Notwendigkeit“. Ich ließ nicht locker, und irgendwann hatte ich den ersehnten Studienplatz.

So liegt es auf der Hand, daß Sie heute vor allem Mandanten in immobilienrechtlichen Fragen beraten und vertreten. Als Gutachter sind Ihre Spezialkenntnisse ebenso gefragt. Seit einigen Jahren stehen Sie auch VDGN-Mitgliedern zur Verfügung. Mit welchen Fragen kommen sie in Ihre Beratung?
Manchmal geht es einfach darum, schwierige Gesetzestexte zu erklären. Viele Datschen- oder Garagenpächter wissen zum Beispiel nicht, was die Festlegungen des Schuldrechts- oder Sachenrechtsbereinigungsgesetzes für sie konkret bedeuten.

Oft werden Probleme an mich herangetragen, für die man kein Gericht bemühen muß. Da werde ich eher als Schlichter zwischen den Parteien gebraucht.

Eine recht komplizierte Angelegenheit hingegen war der Streit einer Garagengemeinschaft mit der Eigentümerin ihrer Pachtgrundstücke, einer Kommune. Die Garageneigentümer sollten mit Hilfe einer Bauplanung enteignet werden. Zunächst ging es „nur“ darum, Entschädigungen zu fordern.

Doch dann konnten wir das Blatt schließlich zum Guten wenden. Die Bauplanung wurde gekippt, die Garagen blieben den Pächtern erhalten. Es gelang ihnen mit meiner Beratung und Hilfe auch, einen Verein zu gründen und später den Grund und Boden zu erwerben. Ein ungeheuer langwieriges Verfahren, doch die Mühe hat sich gelohnt.

Interview: Kerstin Große

 

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