Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Für den Pflegefall privat absichern?

Was die Finanzlücke zwischen gesetzlicher Leistung und tatsächlichem Bedarf schließen hilft

Von Eckhart Beleites, Vizepräsident des VDGN mit besonderem Geschäftsbereich

Fragen rund um die Vorsorge fürs Alter und mögliche Pflegebedürftigkeit beschäftigen einen erheblichen Teil unserer Mitgliedschaft. So löste VDGN-Vizepräsident Eckhart Beleites mit seinem Beitrag „Vom Eigenheim ins Pflegeheim?” (Heft 10-2011, Seite 10f.) unter Verbandsmitgliedern ein großes Echo aus. Viele äußerten die Bitte, das Thema weiter zu verfolgen. Unser Vizepräsident entschloß sich deshalb, diese Thematik in Zusammenarbeit mit anderen Autoren in einer ständigen Rubrik „Vorsorgen für Alter und Pflege“ zu behandeln. Im folgenden erläutert er Möglichkeiten, wie entstehender Pflegebedarf zusätzlich finanziell abgesichert werden kann.

Auf den Seiten 12-13 wird die VDGN-Vertrauensanwältin Kristin Dulitz erklären, wozu Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung dienen und warum man sich schon in guten Zeiten damit befassen sollte.

Auch in diesem Heft wollen wir uns wieder mit der so wichtigen Frage beschäftigen, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Menschen plötzlich zu einem Pflegefall werden. Immer mehr Menschen müssen diese Erfahrung leider in ihrer Familie oder in ihrem Bekanntenkreis machen.

Auch die offiziellen Schätzungen verheißen leider nichts Gutes; die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Nach dem Statistischen Bundesamt steigt die Zahl von heute 2,3 Mio Pflegebedürftigen auf ca. 3 Mio schon im Jahre 2020.

Es gibt also für uns alle Handlungsbedarf. Denn ein pflegebedürftiger Mensch benötigt umfassende medizinische und soziale Betreuung, deren Kosten die gesetzliche Pflegeversicherung nur zum Teil übernimmt. Um die Finanzierungslücke zu schließen, muß möglicherweise auf vorhandenes Vermögen zu-rückgegriffen werden. Auch das eigene Haus und Grundstück wären gefährdet. Und die nächsten Angehörigen, bis hin zu den Enkelkindern, könnten jahrelang finanziell stark belastet werden.

Gibt es ein Mittel, da rechtzeitig gegenzusteuern? Was sollte man tun? Was ist der richtige Weg, um seine Familie und sein Eigentum zu schützen? Wir haben uns mit diesen Fragestellungen gründlich beschäftigt und wollen Ihnen Lösungsmöglichkeiten vorstellen.

Am einfachsten wäre es, man könnte die „Pflegelücken“ aus eigenen Mitteln privat bezahlen. Dafür zapft man vorhandene Rücklagen an. Oder mittels eines Sparplanes wird entsprechendes Kapital, z.B. bei einer Bank, aufgebaut. Monatlich 58 Euro (entspricht dem Mittelwert des notwendigen Beitrags für eine Pflegeversicherung, die eine 59jährige Person aufbringen müßte) über zehn Jahre angespart, bringen am Ende immerhin eine Summe von über 8.100 Euro; einschließlich aller Zinsen. Tritt kein Pflegefall ein, kann das angesparte Kapital nach Gutdünken verwendet werden.

Ob einem jedoch genügend Zeit bleibt, um das notwendige Polster anzulegen, im Beispiel sind es zehn Jahre, ist nicht gesagt. Ein Pflegefall kann schon morgen eintreten, und dann steht keine Leistung zur Verfügung. Um ein Pflegerisiko abzusichern, ist ein Sparplan keine gute Lösung.

Finanzlücke schließen – aber wie?
Und außerdem stellt sich die Frage nach der Höhe der Kosten, die im Pflegefall auf einen zukommen: Wieviel Geld benötige ich eigentlich, um den zusätzlichen Pflegebedarf abzusichern? Nebenstehende Tabellen veranschaulichen, was tägliche Pflegeleistungen in den verschiedenen Pflegestufen an Kosten verursachen. Je nach Schwere der Erkrankung und der Dauer eines Pflegefalls kann so ein Finanzbedarf von durchschnittlich 70.000 Euro bei Männern und über 100.000 Euro bei den Frauen entstehen.

Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nicht für alle notwendigen Leistungen. So tut sich eine recht große Finanzlücke auf. Wie kann sie geschlossen werden? Als untauglich erweist sich in diesem Fall der oben angeführte Sparplan. Mit dem „Kapital“ von gerade mal 8.100 Euro kommt man nicht weit. Bei einer fünf Jahre andauernden Pflegebedürftigkeit muß mit einem Finanzbedarf von rund 80.000 Euro gerechnet werden. Das Vorhaben, den Versorgungslücken durch zusätzliches Sparen zu begegnen, erscheint also wenig erfolgversprechend.

Allgemein gelingt die Absicherung eines beliebigen Risikos am besten über eine Risikoversicherung. Was bedeutet das? Die Zahl der bestehenden Risikoversicherungsverträge wird ins Verhältnis gesetzt zu den möglicherweise eintretenden Schadensfällen. Sie als Eigentümer kennen das u. a. von Ihrer Wohngebäudeversicherung, die beispielweise Ihr Eigenheim gegen Feuerschäden versichert. Auf diese Weise kann eine sogenannte „Risikoabdeckung“ zu vertretbaren Preisen erfolgen.

Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die privaten Pflegezusatzversicherungen. Verbraucherschützer empfehlen sie übereinstimmend als nützlich, um das finanzielle Risiko eines möglicherweise eintretenden Pflegefalls und -bedarfs abzusichern. Die oben beschriebene Finanzlücke im Pflegefall läßt sich so mit zumutbaren Beiträgen schließen, im Gegensatz zum Banksparplan.

Pflegezusatzversicherung – das Richtige für mich?
Die private Pflegeversicherung gibt es in zwei Varianten: Pflegetagegeldversicherung und Pflegekostenversicherung.

Bei der Pflegetagegeldversicherung wird eine feste Summe vereinbart, die sie oder Ihre Angehörigen monatlich erhalten, wenn der Pflegefall eintritt. Diese Summe wird immer gezahlt, egal wer die Pflege durchführt und solange die Pflegebedürftigkeit besteht. Bei der Pflegekostenversicherung wird im Gegensatz zu o.g. kein fester Betrag geleistet, stattdessen wird ein Teil der tatsächlichen Pflegekosten übernommen. Die Höhe dieses Anteils bestimmt der Kunde bei Vertragsabschluß. Danach richtet sich dann natürlich auch der monatlich zu entrichtende Versicherungsbeitrag.

Welche Kriterien gilt es nun bei der Wahl einer solchen Versicherung zu beachten; wie trägt sie der Situation in Ihrer Familie Rechnung? Statistiken besagen, daß der durchschnittliche Pflegefall zur Zeit fünf Jahre dauert. Je älter Menschen werden, desto höher steigt das Risiko eines möglichen Pflegefalls.

Dabei sollte man berücksichtigen, daß die meisten Pflegefälle sich in den Stufen I und II ereignen und die betroffenen Personen dort zeitlich am längsten verweilen – in der Pflegestufe 1: 2,55 Jahre, in der Pflegestufe

2: 1,40 Jahre, in der Pflegestufe 3: 1,05 Jahre. Die genannten Werte geben nur den Trend an; sie sind in jedem Fall immer unterschiedlich. Also ist die Frage wichtig, ob oder welche Pflegestufen man privat absichern will.

Wenn die eigenen finanziellen Mittel reichen, kann man vielleicht auf Pflegestufe I verzichten, obwohl hier Häufigkeit und zeitliche Dauer des Pflegefalls am größten sind. Entscheidet man sich beispielweise nur die Pflegestufe III abzusichern, zahlt die Versicherung bei einem Pflegefall in den Stufen I und II keine Leistung.

In der Regel werden aber eigene Rücklagen und auch die Rente nicht reichen, um die Versorgungslücken aus den Stufen I und II zu schließen. Eine Absicherung über alle drei Stufen ist sinnvoll und daher anzustreben.

Natürlich stellt sich nun die Frage nach dem Preis für eine solche Pflegezusatzversicherung. Dabei gilt, daß mit wachsendem Alter die Beiträge steigen. Wir hatten bereits darauf hinge-wiesen, daß mit einem höheren Alter eine höhere Risikowahrscheinlichkeit einhergeht.

Nun ein paar Beitragsbeispiele, die Leistungen für alle Pflegestufen beinhalten. Für folgende Leistungen aus einer privaten Pflegezusatzversicherung

• bei Pflegestufe I: 400 Euro

• bei Pflegestufe II: 700 Euro

• bei Pflegestufe III:1200 Euro

würden folgende monatlichen Beiträge an die private Pflegezusatzversicherung fällig:

Männer Frauen Durchschn.
50jährig 27,91 E 44,53 E 36,22 E
59jährig 45,62 E 71,49 E 58,56 E
65jährig 66,38 E 103,43 E 84,91 E

Zusammen mit den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung wäre jetzt der entstehende Finanzbedarf in allen Pflegestufen weitgehend abgedeckt.

 Die höheren Beiträge für Frauen resultieren aus deren höherer Lebenserwartung und dem damit verbundenen erhöhten Pflegerisiko. Natürlich sind das für viele unserer Mitglieder keine kleinen Summen, die aus oft nicht üppigen Bezügen oder Renten aufgebracht werden müssen. Aber nur so kann es gelingen, die beschriebenen Pflegelücken zu schließen und Eigentum und Familie zu schützen.

Was bleibt zu tun?
Im schlechtesten Fall tut man gar nichts und hofft, daß die Pflegefälle die eigene Familie verschonen. Man muß dann aber auch mit dem Risiko leben können, die eigene materielle Existenz und die seiner Familie zu gefährden.

Zusätzliches Sparen ist ehrenvoll, aber, wie die Zahlen zeigen, einfach nicht ausreichend und zum Scheitern verurteilt.

Der Abschluß einer Pflegezusatzversicherung bietet die realistische Möglichkeit, Pflegelücken umfassend zu schließen und dies im bezahlbaren Rahmen. Daher empfehlen wir den Abschluß einer solchen Versicherung. Unser Verband will Sie als Mitglied bei dieser Entscheidung unterstützen. Deshalb beschäftigten wir uns beim VDGN seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema Pflegezusatzversicherungen. Gegenwärtig prüfen wir verschiedene Produkte und Kooperationspartner. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, daß Sie als VDGN-Mitglied individuell, nach ihren Bedürfnissen über den Grad einer Absicherung entscheiden können. Es muß möglich sein, zwischen und in den einzelnen Pflegestufen wählen zu können, um einen passenden Tarif zu finden. Für unerläßlich halten wir eine Absicherung bei Demenzerkrankung, die Beitragsfreistellung im Leistungsfall und einen umfassenden Beratungsservice bei Eintreten des Pflegefalls.

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