Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Vom Eigenheim ins Pflegeheim?

Für den Ernstfall sollte privat vorgesorgt werden

 

Von Eckhart Beleites

Zu einem Pflegefall zu werden, das wünscht sich niemand. Und doch ereilt dieses Schicksal jedes Jahr tausende Menschen. Für die meisten bedeutet dies eine persönliche und finanzielle Zäsur. Und wer – wie viele unserer Verbandsmitglieder – Eigentümer eines Grundstückes ist, den trifft ein solcher Einschnitt besonders hart. Gar nicht so selten müssen pflegebedürftige Eigentümer ihre Immobilien verkaufen, um die anfallenden hohen Pflegekosten zu bezahlen. Für diesen Ernstfall vorzusorgen, das raten Experten. Sie empfehlen, eine private Zusatzversicherung abzuschließen.

Viele Mitglieder unseres Verbandes sind zu Recht stolz darauf, daß sie selbst in höherem Alter noch die meisten Arbeiten an Haus und Grundstück allein bewältigen. Doch irgendwann kommt eine Zeit, in der die Kräfte nachlassen. Was früher ein Klacks war, kostet plötzlich ernorme Mühe und Anstrengung. Schließlich geht es ohne fremde Hilfe nicht mehr. Mancher wird gar pflegebedürftig und benötigt selbst für kleine alltägliche Verrichtungen Unterstützung.

Bereits jetzt sind rund 2,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Mit einem deutlichen Anstieg auf 2,9 Millionen rechnen Experten für die kommenden zehn Jahre. Stimmt ihre Prognose, wird es 2020 mehr Pflegefälle als Kindergartenkinder in Deutschland geben.

Fast jeder dritte Pflegebedürftige lebt in einem Pflegeheim und wird dort stationär betreut. Das ist teuer: Für Unterbringung und Pflege kommen schnell mehr als 3.000 Euro pro Monat zusammen. Zwar zahlt jeder in die gesetzliche Pflegeversicherung ein. Doch erweist sich diese häufig nur als eine gute Basisabsicherung. Meist reichen deren Auszahlungen nicht, die hohen Kosten zu begleichen.

In Pflegestufe III, der höchsten Pflegestufe, zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung zum Beispiel gerade einmal 1.510 Euro pro Monat. Die Differenz von rund 1.500 Euro – um beim obengenannten Beispiel zu bleiben – muß der Pflegebedürftige selbst finanzieren. Dafür reicht doch meine Rente gar nicht aus, werden jetzt die meisten Leser einwenden. Völlig zu Recht!

Für den Rest, der nicht aus eigener Tasche bestritten werden kann, kommt unter bestimmten Voraussetzungen das Sozialamt auf. Doch hat ein Pflegebedürftiger selbst ein Vermögen aufgebaut, muß er es erst einmal in bestimmten Grenzen für die Pflege einsetzen. Auch Wohneigentum zählt dazu.

So steht zur Disposition, was man sich in Jahrzehnten geschaffen und wofür man auf andere Annehmlichkeiten verzichtet hat.

Auch den Nachkommen zuliebe, die die Immobilie einmal erben sollen. Der Gedanke ängstigt.

Viele Ältere treibt zudem die Sorge um, daß ihre längst erwachsenen, berufstätigen Kinder vom Sozialamt aufgefordert werden könnten, für die Pflegekosten der Eltern aufzukommen.

Womit ist nun wirklich zu rechnen? Dem Pflegebedürftigen wird ein sogenanntes Schonvermögen zugesprochen. Darauf darf das Sozialamt nicht zugreifen. Dazu zählen alle Gegenstände, die der Hilfesuchende für seinen Lebensunterhalt braucht. So steht ihm zum Beispiel ein Freibetrag bei Geldvermögen zu, ein „angemessenes“ Fahrzeug oder eine „angemessene“ Immobilie, sofern er sie selbst nutzt.

Doch, was ist im deutschen Sozialrecht „angemessen“ – und was nicht? Die Angemessenheit bestimmt sich nach vielen Faktoren, etwa der Zahl der Bewohner oder der Größe des Hauses oder des Grundstücks. So sind Eigentumswohnungen angemessen, wenn sie nicht größer als 120 Quadratmeter pro Person sind. Bei Häusern darf die Wohnfläche bis zu 130 Quadratmeter betragen.

Eine angemessen große Immobilie gehört so lange zum Schonvermögen, wie sie von beiden Ehepartnern bewohnt wird. Das ist immer dann so, wenn ein Ehepartner zu Hause gepflegt wird – egal, ob durch den eigenen Partner oder einen häuslichen Pflegedienst. Selbst wenn ein Ehepartner ins Pflegeheim zieht, gehört das Haus noch zum Schonvermögen. Aber nur unter zwei Bedingungen: Der andere Partner muß es weiterhin bewohnen und die Wohnfläche muß nach wie vor angemessen sein. Ziehen jedoch beide Ehepartner in ein Pflegeheim, muß das Haus in der Regel verkauft werden. Von dem Erlös wird schließlich ein Teil der Heimkosten bezahlt.

Wir haben einen zunehmenden Beratungsbedarf für Fälle, bei denen in der Familie ein Pflegefall eingetreten ist, die Kosten nicht durch Rente und sonstige Einnahmen gedeckt werden können und das Sozialamt einspringen muß. Wiederholt stand dann ein vom Sozialamt „geschickter“ Wertermittler auf dem Grundstück von Mitgliedern, um die zusätzliche Bebaubarkeit, die Teilung des Grundstücks oder sonstige Inanspruchnahme zu prüfen. Horror für die Betroffenen. Uns fällt dann die Aufgabe zu, nach Möglichkeiten der Abwehr zu suchen.

Gerade diejenigen unter unseren Mitgliedern, die Eigentümer einer Immobilie sind, sollten sich deshalb rechtzeitig Gedanken machen, wie sie die mögliche Versorgungslücke im Pflegefall schließen. Verbraucherschützer empfehlen private Pflegeergänzungsversicherungen. Auch das Bundesministerium für Gesundheit rät, für einen möglichen Pflegefall privat vorzusorgen. Denn schon heute übersteigen die tatsächlichen Pflegekosten die Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung. Ein Trend, der sich fortsetzen wird.

Die private Pflegezusatzversicherung gibt es in zwei Varianten: Pflegetagegeld-Versicherung und Pflegekosten-Versicherung. Beim Pflegetagegeld wird eine feste Summe vereinbart, die der Pflegebedürftige täglich erhält. Diese Summe wird auch dann ausgezahlt, wenn die tatsächlichen Pflegekosten von der gesetzlichen Versicherung gedeckt sind. In diesem Fall hat der Pflegebedürftige eine Art Taschengeld, welches er auch für Dinge ausgeben darf, die mit der eigentlichen Pflege nichts zu tun haben.

Anders funktionieren die Pflegekostenpolicen: Bei ihnen zahlt die Versicherung im Pflegefall keinen festen Betrag, sondern übernimmt einen Anteil der tatsächlichen Pflegekosten. Wie hoch dieser Anteil sein soll, kann der Kunde bei Vertragsabschluß selbst bestimmen.

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