Verband Deutscher Grundstücksnutzer

8.750 Euro für ein Stück Acker

Horrender Altanschluß-Beitrag brachte Berliner in Sonnewalder Prozeßgemeinschaft


Eigentlich müßte der Berliner Thomas Heberer glücklich sein, denn er hat das, was viele sich wünschen: Er hat geerbt, ein – für Stadtverhältnisse – riesiges Grundstück. Doch für den Berliner bedeutet das Ärger, sehr viel Ärger. Und den Verlust von Geld – Geld, das er nicht hat. Denn es handelt sich bei dem Erbe nicht etwa um ein parkähnliches Anwesen mit einer verschlafenen alten Villa in Berlin-Grunewald. Sondern um einen Acker. Genauer: Um ein Viertel einer 8.487 Quadratmeter großen landwirtschaftlichen Fläche im brandenburgischen Sonnewalde mit einem Gesamtwert von knapp über 4.000 Euro. Diese Fläche hat ein Bauer für ein paar Cent je Quadratmeter gepachtet und bestellt.

Soweit, so gut. Für Thomas Heberer in seiner Stadtwohnung war Sonnewalde damit weit weg und fast vergessen. Bis ihn an einem Sonnabend im Februar ein Schreiben des Wasser- und Abwasserverbandes Westniederlausitz (WAV) erreichte: „Bescheid über die Erhebung eines Herstellungsbeitrages zur Deckung der Kosten für die öffentlichen Wasserversorgungseinrichtungen“. Der Berliner glaubte nicht, was er las: 8.752,24 Euro für einen Acker, der nicht ans öffentliche Leitungsnetz angeschlossen ist!

„Der Zweckverband legt bei seiner Berechnung eine mögliche Bebauung mit einem dreigeschossigen Haus von mehr 5.000 Quadratmeter Größe zugrunde“, ärgert sich der 44jährige. Dabei sei laut Amt für Bauaufsicht der Acker ausdrücklich als Freifläche ausgewiesen, nicht als Bauland. Und: „Alle drei Erben haben einen Bescheid über die Gesamtsumme erhalten. Es wird keine Rücksicht genommen, obwohl zwei der Personen nicht mehr allein handlungsfähig, also im Heim sind.“

Als zusätzliche Provokation empfindet Thomas Heberer bei der Handlungsweise des WAV, daß die Bescheide freitags verschickt werden oder, wie die letzten, in der Urlaubszeit: „Man leert sonnabends den Briefkasten, liest und kann nichts tun. Das ganze Wochenende ist verpfuscht. Man grübelt und grübelt und wird dann auch noch zur Untätigkeit gezwungen. Von Erholung keine Spur.“

Der Berliner hat sich gewehrt, einen Anwalt konsultiert, Widerspruch eingelegt und die Aussetzung der Vollziehung beantragt. Die Freude darüber, daß das Gericht die Satzung des WAV in einem zeitgleich vom VDGN initiierten Verfahren für nicht rechtswirksam erklärte, währte nur kurz.

Dem Lebensmittelchemiker flatterte nicht nur der „neue“ Bescheid über die gleiche Summe wie vorher in den Briefkasten, sondern zudem ein Bescheid für Säumniszuschläge aus dem ersten Beitragsbescheid. Also, wieder zum Anwalt, wieder zahlen. Die Gefühle des 44jährigen schwanken zwischen Unverständnis und Wut. Das, was ihm Schlaf und Nerven raubt, halten andere schlicht für einen Witz. Er sagt: „Wenn ich Bekannten die Geschichte erzähle, denken sie tatsächlich, ich scherze. Keiner, der davon nicht betroffen ist, glaubt, daß so etwas möglich ist.“

Der alleinerziehende Vater mit zwei Kindern kann die Art der Vorgehensweise und die Sturheit in Sachen Musterverfahren des „kommunalen Aufgabenträgers“, des WAV, nicht nachvollziehen. In einem Punkt ist er sich jedoch ziemlich sicher: „Wenn der Verbandsvorsteher Dietmar Seidel persönlich haftbar gemacht würde, wäre vieles leichter.

Bisher kostete ihn der Widerstand gegen die Beitragserhebung 1.700 Euro – wegen des hohen Streitwertes. Schon weit mehr, als sein Anteil an dem Acker wert ist. Urlaub war für ihn und seine beiden Kinder in diesem Jahr nicht drin, und auch im nächsten Jahr wird es dafür nicht reichen. Um die Kosten zu minimieren, hat sich der Berliner kürzlich der Prozeßgemeinschaft des VDGN angeschlossen.

Monika Rassek

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