Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Zimmer zu niedrig - kein Schallschutz

Berlin: Flughafen versagt wegen weniger fehlender Zentimeter vorbeugende Maßnamen

Winfried Bigalke aus Berlin fehlen derzeit zum Glück 150 Meter oder acht Zentimeter. Denn beides sind Maße, die über Fluglärm oder Ruhe in seiner Wohnung entscheiden. Die Bigalkes wohnen am Rande von Berlin, in Bohnsdorf. Ihr Haus liegt unmittelbar in der nördlichen Einflugschneise des Flughafens Berlin-Brandenburg International. Schon jetzt donnern Jets in knapp 400 Metern Höhe über Haus und Grundstück. Und das alle zehn Minuten, im Schnitt. Winfried Bigalke: „Wenn ein Flieger direkt über uns ist, versteht man im Fernsehen kein einziges Wort mehr.“ Der Lärmpegel liegt dann bei rund 85 Dezibel, was dem Motorengeräusch eines Lastwagens entspricht. Deswegen hatte die Familie große Hoffnungen auf das Schallschutzprogramm des BBI gesetzt. 140 Millionen hat der Airport dafür eingeplant. Und Bigalkes liegen mitten im Schallschutzgebiet.

Lärmschützende Fenster, Dachisolierung und damit auch ein ruhiger Schlaf. Alles wäre drin. Doch genau hier liegt das Problem. Denn dafür müßte die Deckenhöhe seiner Wohnung um acht Zentimeter höher sein. Seit 1995 gilt nach der Berliner Bauordnung ein Raum dann als Aufenthaltsraum, wenn er eine Mindestdeckenhöhe von 2,50 Meter hat. Bigalkes Wohnzimmer mißt aber nur 2,42 Meter. Oder aber Bigalkes Haus müßte 150 Meter weiter in Brandenburg liegen, denn da gilt heute noch, was zu DDR-Zeiten beschlossen wurde, nämlich eine Mindest-Deckenhöhe ab 2,40 Meter.

Bereits Anfang 2007 stellte Familie Bigalke einen Antrag beim BBI auf Schallschutzmaßnahmen. Der kam Anfang 2010 zurück: Abgelehnt, weil die Decke eben um 8 Zentimeter zu niedrig ist. Auch für den Rest der Wohnung wurde ihr Anspruch abgelehnt, obwohl dort sogar die Berliner Norm erfüllt ist. Frei nach dem Motto: Ganz oder gar nicht.

Die Bigalkes wohnen bereits seit 1961 in diesem Haus. Die Raumhöhen aller Räume in diesem Haus liegen über 2,50 Meter. Bis auf zwei. Die bauten Bigalkes 1989 mit Zustimmung des damaligen Verwalters, der Kommunalen Wohnungsverwaltung, an. Da zu diesem Zeitpunkt noch DDR-Recht galt, schien alles in Ordnung. Erst ab 1995 waren die 2,50 Meter vorgeschrieben. Winfried Bigalke: „Ich kann mir nicht vorstellen, daß danach viele Eigenheimbesitzer ihre Dächer noch einmal aufgenommen und aufgestockt haben.“

Bisher hatte sich auch niemand am Bau gestört. Erst als der Gutachter kam, der Bigalkes Schallschutz-Anspruch prüfen wollte, nahm das Unglück seinen Lauf. Von Nachbarn, die im 150 Meter entfernten Brandenburg leben, weiß er, daß mehrere schon ihre Anträge bewilligt bekamen.

Inzwischen haben die Bigalkes gegen die Ablehnung geklagt. Die einzige Entschädigung, die ihnen bereits zugesprochen wurde, sind die 4.000 Euro für den Außenbereich. Da gibt es auch glücklicherweise keine Probleme mit der Deckenhöhe, denn die geht sogar bis zu den Wolken.

Thomas Walther

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