Verband Deutscher Grundstücksnutzer

"Wir mischen uns in die Stadtpolitik ein"

Wie der Rostocker Garagenverein um sichere Standorte kämpft

Sein 50jähriges Jubiläum beging kürzlich der Garagenverein in der Hansestadt Rostock e.V., seit 10 Jahren Mitglied im Verband Deutscher Grundstücksnutzer. Vor Ort gratulierten VDGN-Präsident Peter Ohm und der 1. Vizepräsident Dr. Klaus-Joachim Henke herzlich. Zu Zukunftsaussichten und Problemen gab der Vorsitzende des deutschlandweit vermutlich größten Garagenvereins, Rechtsanwalt Dr. Fritz Krage, in einem Telefoninterview Auskunft.

Wie zuversichtlich sind Sie für die kommenden Jahre?
Ich bin optimistisch. Wir sind gut organisiert, die Verwaltung unserer Garagen über die Geschäftsstelle funktioniert. Dieses Know-how bieten wir auch Garagengemeinschaften außerhalb der Stadt Rostock an, die bislang alles in ehrenamtlicher Arbeit erledigten.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir ebenso eine Menge Erfahrung sammeln können, wie mit bestimmten Problemen umzugehen ist.

Welches Problem beschäftigt Sie denn aktuell?
Wir werden zunehmend mit der grundsätzlichen Frage konfrontiert, ob einzelne Garagenstandorte auch für die Zukunft erhalten werden können. Denn manche Eigentümer des Grund und Bodens, auf dem unsere Garagen stehen, wollen ihn verkaufen. Sie stellen sich nunmehr eine andere Verwertung vor, die größere Erträge verspricht als die – bezahlbaren – Pachten von Garagennutzern. Supermärkte oder Gewerbegebiete etwa.

Um welche Standorte handelt es sich dabei?
Zum Beispiel um unseren Garagenstandort in Warnemünde. Hier ist die Stadt Bodeneigentümerin. Bisher äußerten die Planer eher vage Vorstellungen: Anstelle unserer Garagen könnten dort einmal Stellplätze für Caravan-Besitzer entstehen oder aber ein Gewerbegebiet.

Welche Chancen haben Sie, auf die Planungen Einfluß zu nehmen und Ihre Interessen durchzusetzen?
Wir lassen uns da nicht so einfach rausdrängeln, sondern behalten den Fuß in der Tür. Unsere Mitglieder sind schließlich auch Wähler. Ihre Garagen bedeuten doch eine Entlastung für den ruhenden Verkehr. Das kann den Stadtvätern nicht gleichgültig sein und muß in der Stadtplanung eine Rolle spielen!

Wir mischen uns in die Politik ein, sensibilisieren die Abgeordneten der Rostocker Bürgerschaft für dieses Thema. In Briefen an die dort vertretenen Fraktionen wiesen wir kürzlich auf die prekäre Parksituation in Warnemünde hin. Wo täglich tausende Touristen unterwegs sind, herrscht schon heute akuter Mangel an Parkplätzen. Fallen die weit über 500 Garagen dort weg, würde dies zusätzlich eine kilometerlange Autoschlange bedeuten, die irgendwo an Straßenrändern abgestellt werden muß. Manche Abgeordnete, besonders die aus dem Stadtteil Warnemünde, reagierten auf unsere Briefe positiv. Auch den Oberbürgermeister habe ich um ein Gespräch gebeten, auf eine Antwort warte ich noch.

Sie haben es mit verschiedenen Bodeneigentümern zu tun: Neben den kommunalen sind es auch der Bund oder einige private. Auf welchem Wege wollen Sie künftig ihre Standorte sichern?
Selbst das Land zu kaufen, auf dem die Garagen stehen, ist ein möglicher Weg für unseren Verein – sofern auch der Eigentümer an uns verkaufen möchte. Da betreten wir Neuland und müssen noch die nötige Trittsicherheit bekommen. Die Banken sind nicht bereit Kredit zu geben. Bei relativ geringen Pachten befürchten sie da wohl Probleme ihr Geld wiederzusehen. So greifen wir zur Selbsthilfe: An unserem Standort Kurt-Tucholsky-Straße, einem kleinen Grundstück mit 18 Garagen, haben sich alle Nutzer entschlossen, dem Verein selbst ein Darlehen zu geben. Das Bundesvermögensamt als Eigentümer von Grund und Boden ist bereit, das Grundstück an uns zu verkaufen.
Ob dieser Weg auch für größere Garagengemeinschaften gangbar ist, wird sich zeigen. Es gibt auch respektable Gründe für Vereinsmitglieder, dies abzulehnen. Dazu haben wir noch jede Menge Gesprächsbedarf im Verein.

Sind Kündigungen von Grundstücken und daraus folgende Rechtsstreitigkeiten für Sie gar kein Thema?
Im Moment nicht. Bislang erhielten wir nur eine einzige Kündigung. Das heißt aber nicht, daß es in Zukunft so ruhig bleibt. Wir bereiten uns im Vorstand auf solche Situationen vor, befassen uns mit diesen Grundsatzfragen.

Andernorts kämpfen Garagenvereine mit Leerstand. Wie sieht es damit bei Ihnen aus?
Leerstand ist für uns kein Thema! Jährlich wechseln etwa 400 Garagen den Besitzer. Auf unserer Internetseite und in der Geschäftsstelle des Vereins gibt es die Möglichkeit, sich über freiwerdende Garagen zu informieren. Das klappt recht gut. Die Garagen stehen im Eigentum der Vereinsmitglieder, so lange sie dem Verein angehören. Möchte ein Nutzer seine Garage beispielsweise aus Altersgründen aufgeben, so bietet er sie zum Verkauf an und verhandelt auch mit dem Interessenten selbst. Sind die beiden sich einig, bieten wir eine vertraglich saubere Lösung für den Eigentumsübergang der Garage an.

Interview: Kerstin Große

Der Garagenverein in der Hansestadt Rostock e.V. ist etwas Besonderes, in mehrfacher Hinsicht.

Am 8. Dezember 1960 als Genossenschaft gegründet, wurde 1991 daraus ein eingetragener Verein gebildet. Ihm gehören heute rund 6.200 Mitglieder an, die über 6.600 Garagen auf 54 Standorten in der Stadt nutzen. Damit ist er deutschlandweit vermutlich der größte Garagenverein.

Pro Garagengrundstück und Jahr sind Pachten zwischen 30 und 150 Euro aufzubringen. Die Garagen sind Eigentum der Vereinsmitglieder, so lange sie dem Verein angehören. Viele von ihnen hatten das Bauwerk noch zu DDR-Zeiten selbst errichtet.


Dieses Eigentum zu sichern, war auch einer der Gründe, die Genossenschaft in einen Verein umzuwandeln.

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