Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Verschleiß per Umleitung

Wenn an der einen Straße gebaut wird, müssen andere höhere Belastungen aushalten. Aber wer zahlt dafür?


Wenn an der Straße gebaut wird, bringt das für die Anlieger meistens viele Unannehmlichkeiten mit sich. Über Monate ist das eigene Grundstück nur schwer zu erreichen. Baulärm und Schmutz werden zur Dauerbelästigung. Und hinterher dürfen die Grundstückseigentümer dann noch für die neue Straße bezahlen.

Was aber ist eigentlich mit den Anwohnern jener Straßen, die eventuell in der Zwischenzeit an Umleitungsstrecken den Verkehr aufnehmen müssen? Die Antwort auf diese Frage wird vor allem dann wichtig, wenn die Baustelle in einer Hauptverkehrsader liegt, die normalerweise starke Fahrzeugströme zu bewältigen hat.

So ist es beispielsweise mit der Blankenburger Chaussee in Berlin-Pankow, über die ein Großteil des Fahrzeugverkehrs zwischen Karow und der Stadtmitte fließt. Seit April wird sie – für die Anlieger beitragspflichtig – zwischen Tarnowitzer Straße und Bahnhofstraße ausgebaut. Der Verkehr stadtauswärts bleibt ihr über die gesamte Bauzeit erhalten. Doch die stadteinwärts strebenden Fahrzeuge müssen eine Umleitung über Bahnhofstraße, Schräger Weg, Steinauer Straße und Beuthener Straße benutzen. Dafür ist diese Strecke extra als Einbahnstraße mit Parkverbot ausgebaut worden.

Diese Umleitung benutzen täglich nicht nur etliche PKW sondern auch LKW, die in Richtung City fahren. Drei Buslinien muß die Umleitung auch noch aufnehmen. Und das alles dauert geplante 17 Monate lang.

Für die Anwohner eine starke Belastung. Und es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, daß sie – quasi als Dankeschön dafür, die Unannehmlichkeiten ertragen haben – hinterher auch noch zur Kasse gebeten werden. Denn die Straßen der Umleitungsstrecke sind nicht für Belastungen ausgelegt, wie sie die Blankenburger Chaussee aushalten muß.

Man muß sich die Sache so vorstellen: Eine normale Anliegerstraße wird nach der „Richtlinie für die Standardisierung des Oberbaus“ in der Bauklasse IV hergestellt. Ihre Fahrbahn ist danach für eine Belastung von bis zu 10.000 PKW pro Tag ausgelegt. Bei dieser Rechnung werden LKW und Busse in PKW-Einheiten umgerechnet. Ein normaler 16- Tonnen-LKW entspricht dabei je nach Beladung 800 bis 2.000 PKW, ähnlich ein Bus. Fährt gar ein 40-Tonnen-Sattelschlepper über die Straße, werden dafür mindestens 70.000 (!) PKW als äquivalente Belastung angesetzt.

Es läßt sich leicht ausmalen, was diese Belastungen für die meisten Umleitungsstraßen bedeuten. Wenn sie ihre Funktion als Ersatzstrecke erfüllt haben, sind sie schlicht und einfach bis in den Untergrund verschlissen. Zumindestens hat sich ihre weitere mögliche Nutzungsdauer erheblich verkürzt. Zumal die LKW und Busse, wenn sie schärfere Kurven nehmen oder rangieren müssen, besonders starke Kräfte auf den Untergrund ausüben. Auch das Bremsen und Anfahren solch schwerer Gefährte gehört zu den Faktoren erhöhten Verschleißes.

Für die öffentliche Hand mit ihren leeren Kassen ist die Versuchung sehr groß, die finanziellen Konsequenzen auf die Anlieger abzuwälzen. Eigentlich darf sie die Anlieger laut Straßenausbaubeitragsgesetz nicht an den Kosten für eine Reparatur beteiligen. Da aber von den hohen Belastungen der Umleitungszeit nicht nur die obere Deckschicht, sondern auch die darunterliegenden Binder- und Tragschichten betroffen sind, läßt sich das Ganze als „grundhafte Erneuerung“ deklarieren. Und für die darf das Bezirksamt Beiträge von den Grundstückseigentümern fordern. Daß soetwas passiert, zeigte sich in Berlin-Schöneberg, wo die Anlieger für die Instandsetzung der Arnulfstraße zahlen sollten, was nur eine entschlossene Gegenwehr verhinderte.

Wer wie in Berlin-Pankow zu den Betroffenen einer Verkehrsumleitung gehört, sollte sich frühzeitig wappnen. Es ist jedenfalls angeraten, den Zustand der Straße regelmäßig mit Fotos und schriftlichen Protokollen zu dokumentieren, am besten beginnend vor Einrichtung der Umleitungsstrecke. Besondere Beachtung verdienen dabei sichtbar auftretende Schäden. Sie sollten unverzüglich beim zuständigen Bezirksamt aktenkundig gemacht werden. Seinen Mitgliedern steht in solchen Fällen selbstverständlich der VDGN mit Rat und Tat zur Seite.

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