Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Auf Nachbars Grund gebaut...

Fragen an Rechtsanwalt Torsten Koschel

Rechtsanwalt Torsten Koschel ist für Mitglieder des Verbandes in Königs Wusterhausen und Umgebung da. Er studierte ab 1988 Jura an der Berliner Humboldt-Universität und gehörte wenig später zum ersten Jahrgang, der die Ausbildung nach bundesdeutschem Recht absolvierte. Während seines Referendariats beschäftigte er sich u. a. mit dem Wohnungseigentumsrecht, erwarb sich außerdem Spezialkenntnisse im Bau-, Arbeits-, Verkehrs- und Arzthaftungsrecht. Seit dem Jahre 2000 hat er eine eigene Kanzlei in seiner brandenburgischen Heimatstadt.

Herr Rechtsanwalt Koschel, wie sind Sie auf den VDGN aufmerksam geworden?
Ich vertrat Mandanten, die schon lange Mitglied des VDGN waren. Sie mußten ihr Datschengrundstück aus Altersgründen aufgeben und nun stellte sich die Frage, ob sie Anspruch auf eine Entschädigung für ihr Wochenendhaus haben, wenn sie selbst kündigen. Bald darauf verhandelte ich mit dem Grundstückseigentümer, um eine Lösung zu finden, die auch den ehemaligen Nutzern gerecht wird. So kam der Kontakt zum VDGN zustande, seit kurzem biete ich nun Beratung für VDGN-Mitglieder aus der Region um Königs Wusterhausen in meiner Kanzlei an.

Von wem wird das neue Angebot angenommen?
Nach dem langen Winter sind die Datschenbesitzer wieder auf ihren Grundstücken und nun melden sie sich mit ihren Fragen und Problemen. Die meisten besitzen ihr Erholungsgrundstück ja schon jahrzehntelang. Manche sind jedoch arg verunsichert, was in ein paar Jahren auf sie zukommt, meinen sogar, mit dem Auslaufen des besonderen Kündigungsschutzes 2015 völlig schutzlos ausgeliefert zu sein. Da konnte ich einige Ratsuchende beruhigen. Auch nach diesem Zeitpunkt greifen Schutzmechanismen, die man kennen und anwenden sollte. Aber auch Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern sind im Berliner Umland stark vertreten und suchen häufiger meinen juristischen Rat.

Vermutlich zum Baurecht, das ja eines Ihrer Spezialgebiete ist?
Es geht weniger um die Probleme, die beim Bau eines Hauses auftreten können, sondern häufiger um Gewährleistungsfragen, die bei der Instandhaltung, beim Sanieren oder Renovieren des Eigenheims entstehen. Ein ganz heißes Eisen sind momentan Beitragsforderungen von Zweckverbänden an Hausbesitzer für den Anschluß an die Kanalisation. Manche sollen 4.000 oder 5.000 Euro zahlen und finden diese Summen überzogen, wollen sich wehren. Nachbarschaftsstreitigkeiten sind ebenfalls ein Dauerbrenner, da besteht großer Beratungsbedarf.

Was bringt die Nachbarn gegeneinander auf?
Beispielsweise Streit um korrekte Grenzverläufe von Grundstücken. Da fällt mir ein Beispiel aus meiner anwaltlichen Tätigkeit ein, das kürzlich beim Landgericht in Potsdam verhandelt wurde: Die neue Eigentümerin eines Grundstücks störten schon seit DDR-Zeiten bestehende – und damals von staatlicher Stelle nicht überprüfte – Überbauten des Nachbarn in ihr Grundstück. Sie zweifelte den Grenzverlauf des Grundstücks und damit die Rechtmäßigkeit des Überbaus an und bekam nach Prüfung der Unterlagen Recht. Der Nachbar muß die Überbauten entfernen, da er – ohne es freilich zu wissen – auf nachbarlichem Grund gebaut hatte.

Neben der Beratung in Grundstücksfragen stehen Sie auch Mitgliedern zur Verfügung, die bei der telefonischen Rechtsauskunft des VDGN um einen kurzen Ratschlag bitten. Sicherlich bietet sich ihre Spezialisierung im Verkehrsrecht, dem Arbeitsrecht oder auch im Arzthaftungsrecht gut an. Was können Sie für Menschen tun, die aufgrund ärztlicher „Kunstfehler“ Nachteile erlitten?
Auch Ärzte machen Fehler, die sich mitunter fatal auf die Gesundheit und das Leben des Betroffenen auswirken können. In solchen Fällen helfe ich Patienten, ihre Interessen zu vertreten, beispielsweise Ansprüche auf Schadensersatz durchzusetzen. Früher war es ja häufig so, daß Patienten meinten, keine Chance zu haben zu ihrem Recht zu kommen. Da hat ein Umdenken stattgefunden.

Wenn Betroffene mit solchen Problemen an mich herantreten, ist es allerdings oft nicht mit einem telefonischen Rat getan. Aber er kann bei der Entscheidung hilfreich sein, ob ein Betroffener die Sache auf sich beruhen lassen oder ob er um sein Recht kämpfen möchte. Beauftragt mich der Mandant mit der Vertretung, versuche ich zunächst mit dem Arzt und eventuell mit dem beteiligten Krankenhaus Kontakt aufzunehmen, um die Angelegenheit außergerichtlich zu klären. Denn landet ein Streitfall vor Gericht, so ist es für Patienten oftmals schwierig den Fehler in der medizinischen Behandlung und den kausalen Zusammenhang mit dem gesundheitlichen Schaden zweifelsfrei nachzuweisen.

Mit der für die norddeutschen Länder zuständigen Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen in Hannover habe ich gute Erfahrungen. Sie ist paritätisch mit Medizinern und Juristen besetzt. Sie schauen sich die Fälle genau an und erarbeiten einen Vermittlungsvorschlag, um langwierige Gerichtsverfahren möglichst zu vermeiden.

Interview: Kerstin Große

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