Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Bitte keine Thermoskannen

Von Peter Ohm, Präsident des VDGN


Es sind wahrhaft schwierige Fragen, vor denen Menschen heute stehen, die ihr Eigenheim selbst nutzen. Was soll geschehen, um den Energiebedarf des Hauses zu senken? Welche Heizung ist die richtige? Lohnen sich bauliche Veränderungen zwecks Wärmedämmung? Welche heutigen gesetzlichen Bestimmungen wie beispielsweise die bundesweit gültige Energieeinsparverordnung sind zu berücksichtigen? Und wie werden sich die Regularien verändern? Verschärfen einzelne Bundesländer – wie in Berlin geplant – die Anforderungen, versuchen sie die Hausbesitzer unter dem Vorwand des Klimaschutzes mit neuen Gesetzen zum verstärkten Einsatz Erneuerbarer Energien oder ersatzweise zu ebenso teuren energetischen Sanierungsmaßnahmen zu zwingen? Und kann sich ein jeder dann noch sein Häuschen leisten?

Wer da noch durchsieht, hebe bitte die Hand. Klar scheint nur eines zu sein: Die Preise für die Energie werden weiter steigen, solange die Versorgung von fossilen Energieträgern und bisher reell nicht marktfähigen Varianten der Energiegewinnung aus Wind und Sonne abhängt. Daraus ergibt sich ein Interesse zur Einsparung – gesellschaftlich und individuell, nicht aber ein Grund zum Zwang. Viele Menschen können sich die bauliche Umrüstung ihres Hauses, die sich erst nach langen Zeiträumen amortisiert, einfach nicht leisten. Sie sind aber durchaus bereit, ihr eigenes Verhalten zu ändern. Die Raumtemperatur um zwei Grad zu senken, ist derzeit immer noch die effizienteste Einsparvariante. Auch baulichen Maßnahmen werden sich viele nicht verschließen, wenn sie denn, sobald sie ein Stück Fassade anfassen, nicht gleich zu Dämmorgien in Richtung Niedrigenergiehaus verpflichtet werden. Dafür fehlt ihnen das Geld, so daß jegliche bauliche Veränderung unterbleibt. Gesetzlicher Zwang bewirkt hier sogar das Gegenteil des deklarierten Ziels.

Außerdem sollte über eines nachgedacht werden: Wenn es um die Wohnungen von Menschen geht, kann für deren Gestaltung die Energieeinsparung, so wichtig sie ist, nur ein Aspekt unter mehreren sein. Leidlich bekannt ist inzwischen, daß Dämmaßnahmen Bauwerken nicht selten den Schimmel bescheren. Schimmel aber kann krank machen. Niemand, der Gesetze zur Energieeinsparung oder zum Klimaschutz entwirft oder beschließt, sollte sagen: Das geht mich nichts an.

Oder wie steht es um die ästhetischen Aspekte des Bauens? Wer Augen hat zu sehen, der bemerkt: Häuser sehen nach der Dämmung ihrer Außenwände oftmals erheblich anders aus als vorher. Architektonische Eigenheiten und Strukturen der Fassade verschwinden, Fenster werden zu schießschartenartigen Gebilden. Von manchem Gebäude, das vorher eine Augenweide war, wendet sich der Betrachter nun mit Grausen. Aber ist es wirklich gleichgültig, wie die Welt aussieht, in der wir leben?

Ich meine: Energiesparen – ja, aber die Welt darf nicht nur von einem Punkt aus betrachtet werden. Wir reden hier von menschlichen Behausungen, die bitteschön immer noch etwas anderes als Thermoskannen sind: nämlich das wichtigste Stück unserer Umwelt.

zurück