Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Schneeketten in der City

Berlin unter Schnee und Eis - die räumfaule öffentliche Hand war kein Vorbild


Wer in den vergangenen Winterwochen in Berlin einen Fleck finden wollte, der verläßlich von Schnee und Eis befreit war, hatte es schwer. Am Kupfergraben immerhin, gegenüber dem Pergamonmuseum in der Mitte der Hauptstadt konnten Suchende fündig werden. Einer der wenigen von erhöhter Knochenbruchgefahr – zumindest zeitweise – befreiten Gehsteige war zufällig der vor der Privatwohnung Angela Merkels. Der Vermieter der Kanzlerin gehört offenbar zu jenen Grundstückseigentümern, die es mit ihren Pflichten sehr genau nehmen, was bei einem Quadratmeterpreis von über 20 Euro für ein Heim wie das der Familie Merkel/Sauer ja finanziell gesehen auch keine Hürde sein darf.

Während also auf der Merkelschen Seite des Kupfergrabens protokollstreckenmäßig vorbildliche Zustände herrschten, zwangen die Verhältnisse auf dem gegenüberliegenden Gehweg – zumindest zeitweise – dazu, über die Anschaffung von Schneeketten für das Schuhwerk nachzudenken. Doch nehmen die Garderobieren im Pergamon- oder Bodemuseum solche Gerätschaften in Verwahrung?

Insgesamt herrschten in der deutschen Hauptstadt Verhältnisse, von denen Ost- wie Westberliner sagten, vor 1990 wäre das in ihrem Stadtteil nicht denkbar gewesen. Das Unfallkrankenhaus in Marzahn legte Nachtschichten ein, um alle Opfer der streusalzverbietenden Umweltfreundlichkeit versorgen zu können, die eine Operation nötig hatten. In der Innenstadt wie den Siedlungsgebieten weiter draußen blieb der Schnee in vielen Straßen einfach liegen, verfestigte sich, taute an, fror wieder auf und ließ sich zu Spurrinnen prägen, die vielen Autolenkern nebst deren fahrbaren Untersätzen zum Verhängnis wurden. Fahrzeuge der Berliner Stadtreinigung konnten in diesen Straßen über Wochen nicht gesichtet werden, obwohl die anliegenden Grundstückseigentümer doch über das ganze Jahr hinweg Gebühren für die Straßenreinigung berappen müssen. Aber Winterdienst ist da nicht mit drin. Und das Land Berlin, dessen Senat sich wegen gefühlter Klimaerwärmung mental offensichtlich auf winterlose Zustände eingestellt hat, sieht sich ohnehin außerhalb jeglicher Verantwortung. Denn im Berliner Straßengesetz steht ja nichts von Schneeräumen und Winterdienst. Viele Berlinerinnen und Berliner blickten neidisch drein, wenn sie vom menschenfreundlichen Umgang mit Schnee und Eis in besser organisierten mecklenburgischen oder brandenburgischen Kleinstädten hörten.

Die wirklich gefährlichen Orte aber waren eben die Gehwege. Schlimm traf es alte und gebrechliche Menschen, die sich kaum noch vor die Tür wagten, und auch Rollstuhlfahrer, denen die Eiskanten an den Straßenrändern zu unüberwindlichen Hindernissen wurden. Gewiß, es gab auch nicht wenige private Grundstückseigentümer von Wohnungsbaugesellschaften bis hin zu Eigenheimbesitzern, die ihren Pflichten nicht nachkamen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geräumt oder gestreut zeigten sich aber über lange Zeit jene Gehsteige, die an Grundstücke im Eigentum des Landes Berlin grenzen. So mußten von aufgebrachten Bürgern herbeigerufene Mitarbeiter der Ordnungsämter ziemlich oft die Räumfaulheit der öffentlichen Hand amtlich feststellen. Kann es sein, daß das Land Berlin nun an sich selbst Bußgelder zahlt? Und welche Kalkulationen stecken hinter der öffentlichen Räumabstinenz? Kommt es das Land Berlin etwa billiger, einfach die Kosten für die Versorgung von Knochenbrüchen und Kollateralschäden wie einer eventuellen Berufsunfähigkeit der Verünglückten aufzukommen als für einen funktionierenden Winterdienst nach den Maßgaben des eigenen Straßenreinigungsgesetzes zu sorgen?

Wir wissen es nicht, meinen aber, daß die Gründe für die winterliche Semikatastrophe in der deutschen Hauptstadt untersucht gehören. Auch wenn die Schneeberge in Berlin sicher schneller abgeschmolzen sein werden, als es die Gipfel des Himalaja selbst nach den fehlerhaftesten Prognosen des Weltklimarates schaffen könnten, mag es ja sein, es wird in Berlin kälter statt wärmer und es kommen auf uns nun öfter lange und harte Winter zu, weil die Flecken auf der Sonne vielleicht mehr Einfluß auf das Erdklima ausüben als die menschliche Kohlendioxidproduktion.

H.B.

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