Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Krise der Optionen

Empfehlenswert: Kristof Magnussons Roman "Das war ich nicht"


Angesichts der Zerstörung von Vernunft, wie sie das deutsche Feuilleton betreibt, indem es den unlesbaren Text einer minderjährigen Dramaturgentocher ( „Axolotl Roadkill“) in den Dichterhimmel hebt, muß dringend das neue Buch des 34jährigen Schriftstellers Kristof Magnusson empfohlen werden. Die drei gleichberechtigten Helden und Ich-Erzähler dieses Romans sind erstens ein erfolgreicher US-amerikanischer Autor, der ein großes Buch über den 11. September 2001 versprochen hat und das dann schuldig bleibt, zweitens dessen deutsche Übersetzerin, die sich wegen ihres nervenden neubürgerlichen Umfeldes mit Weinkühlschränken und himalajasalzgefüllten Gewürzmühlen aus dem Hamburger Schanzenviertel in ein baufälliges Haus hinterm Nordseedeich verzieht, und drittens ein junger deutscher Banker, der in Chicago mit dem Geld seiner Bank ihm eigentlich nicht erlaubte Optionsgeschäfte nebst Leerkäufen von Aktien betreibt und damit eine internationale Finanzkrise auslöst. Der leicht angejahrte homosexuelle Schriftsteller Henry verliebt sich in den ehrgeizigen, aber heteroveranlagten Banker Jasper, während die Übersetzerin Meike nach Chicago reist, um den plötzlich verschwundenen Henry zu suchen. So verschränken sich die Lebenswege der drei ineinander zu einer mitunter turbulenten Geschichte.

Magnusson hat seinen Roman raffiniert konstruiert. Er erzählt seine Geschichte in einem hervorragenden Deutsch. Sein Buch ist spannend wie ein guter Krimi, voll von guten Beobachtungen wie witzigen Formulierungen und – dem Verlag sei ´s gedankt – so gut wie druckfehlerfrei. Am meisten aber imponiert, wie eindrücklich der gelernte Kirchenmusiker und Absolvent des Deutschen Literaturinstitutes in Leipzig sowie der Universität Reykjavík seine Figuren zu zeichnen weiß. Angesichts der Situationen, in die sie gestellt werden werden, schwanken deren Gefühle zwischen Verzweiflung und Euphorie. Alle drei wollen und müssen eine Antwort auf die Frage finden, wie sie mit Selbstachtung und in Würde weiter durchs Leben gehen können. Dafür Vorschläge zu unterbreiten ist derzeit die Möglichkeit der Literatur.

Übrigens: Bei den Geschäften, mit denen Jasper die internationale Finanzkrise auslöst, geht es um die Aktien eines Immobilienfinanzierers, der auf einem Berg fauler Kredite sitzt. So ging´s bei der realen Finanzkrise ab 2007 in den USA tatsächlich los. Nur Magnusson hatte seine Geschichte schon vorher geschrieben.

H.B.

Kristof Magnusson: Das war ich nicht. Roman. Verlag Antje Kunstmann, München 2010, 288 Seiten, 19,90 Euro

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