Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wiedergewinnen statt entsorgen

Wie aus Abfall Rohstoffe werden können, war Thema der VfU-Fachtagung


Für die Herstellung von Papier aus Altpapier braucht es weniger Energie als die gleiche Menge Altpapier bei der Verbrennung an Energie erzeugt. Besser und nachvollziehbarer kann man den Nutzen von Recycling nicht darstellen. Diese bestechende Logik präsentierte Professor Klaus Fricke von der TU Braunschweig auf der Fachtagung des Gemeinnützigen Vereins zur Förderung und Pflege der Städtischen und Kommunalen Umwelt e.V. (VfU) am 23. November in Berlin in seinem vielbeachteten Vortrag. Zum Thema Siedlungsabfall = Rohstoffreserven folgten 80 Wissenschaftler, Politiker und Interessierte der Einladung des VfU. Die Tagung zeigte Einigkeit darin, daß es an der Zeit ist für ein radikales Umdenken und Umsteuern in puncto Entsorgung. Denn eigentlich gibt es kein Entsorgen, sondern nur eine Wiedergewinnung von sekundären Rohstoffen. Insoweit geht das neu geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz in die richtige Richtung, wenn es eine Abkehr von der Gleichstellung der Verbrennung mit dem Recycling fordert. Gerade für Deutschland, ein rohstoffarmes Land, muß die Rückführung von Werkstoffen in den Wirtschaftskreislauf oberste Priorität haben.

Daß uns Rohstoffe nicht ewig zur Verfügung stehen, ist genauso bekannt wie wahr. Nur daß wir die Zeit bis dahin in irgendwelcher zeitlichen Entfernung wähnen. Doch der Moment rückt näher. Nach einer Analyse der Europäischen Kommission herrschen bereits im europäischem Rahmen Engpässe bei 14 Rohstoffen. Dabei handelt es sich um Rohstoffe, die wesentlicher Bestandteil von Hightech-Produkten wie etwa Mobiltelefonen, Dünnschichtphotovoltaikmodulen, Lithium-Ionen-Batterien, Glasfaserkabeln und synthetischen Treibstoffen sind. Diese Engpässe hätten das Potential, technologischen Fortschritt und damit künftiges Wirtschaftswachstum in der EU zu hemmen, heißt es in der Studie. Um Engpässen entgegenzuwirken, müsse das Recycling von Rohstoffen forciert werden.

Für Berlin konnte dafür das private Recycling-Unternehmen ALBA beeindruckende Zahlen präsentieren. So betrug 1990 der Anteil Restmüll noch 87 Prozent, nur 13 Prozent waren Wertstoffe. 2008 lag das Verhältnis bereits bei 39 Prozent (Restmüll) zu 61 Prozent (Wertstoffe). Mit seiner innovativen Idee der Gelben Tonne plus, die bereits seit 2004 in Absprache mit dem kommunalen Verwerter die Sammlung von Wertstoffen in der Großstadt forciert, hat das Unternehmen ein Modell für Wertstoffsammlungen etabliert. Inzwischen hat auch die Berliner Stadtreinigung mit ihrem System Orange Box nachgezogen. Hier sahen viele Teilnehmer auch den innovativen Charakter des Wettbewerbs zwischen den verschiedenen Verwertungsunternehmen. Die Richtung muß sein, je mehr Köpfe sich Gedanken um die Rückgewinnung machen, um so mehr wird dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

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