Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Autarkie ist machbar

Wie läßt sich auf Grundstücken kostengünstig Trinkwasser gewinnen und Abwasser vermeiden?


Beim heutigen Kenntnis- und Entwicklungsstand ist es unter Berücksichtigung der Größe und Belegung von Wohngrundstücken im ländlichen Raum, aber auch vielfach in großzügigen Wohnsiedlungen urbaner Ballungsräume sinnvoll und möglich, die dem Grundstück zur Verfügung stehenden offenen und versiegelten Flächen für die Errichtung autarker Lösungen beim Gebrauch von Wasser zu nutzen.

Bezüglich der Wassermengenbilanz gilt für hinreichend große Grundstücke: Niederschlagsmenge und Verdunstung reichen unter Einbeziehung sinnvoller Wassermehrfachnutzungen zur eigenen Ver- und Entsorgung des benötigten und genutzten Wassers aus.

Die Gewährleistung der Wassergüteansprüche gelingt durch den zweckgebundenen Wassereinsatz in Verbindung mit bewährten hocheffizienten Aufbereitungstechnologien für unterschiedliche Wasserqualitäten des häuslichen Bereichs. Als Konsequenz hieraus werden:

- keine Dienstleister mehr für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung benötigt, das Bauland muß also nicht wassertechnisch erschlossen sein, es sind keine Gewässerbenutzungen mehr erforderlich;

- eine qualitativ höherwertige Trinkwasserbereitstellung – verglichen mit dem allgemein angebotenen Leitungswasser – möglich,

- niedrige Kosten – im Vergleich zum Bundesdurchschnitt für zentrale Lösungen – erreichbar.

Die Hintergründe für diese Entwicklung sind in folgendem zu sehen:

1. Der spezifische Wasserverbrauch je Einwohner ist durch moderne, auf Kreislaufverfahren ausgerichtete Haustechnik (Waschmaschine, Geschirrspüler etc.) in der letzten Zeit ständig wieder gesunken.

2. Die Regenwasserauffangflächen je Einwohner sind in den Grundstücken kontinuierlich gestiegen.

3. Die vorliegenden Vergleiche von Regenwasserqualität und Fluß- bzw. Grundwasserqualität als Rohstoff für die Trinkwassergewinnung weisen die Vorteilhaftigkeit von Regenwasser aus. Das ist eine Folge der generell abnehmenden Luftverschmutzung bei der gleichzeitig zunehmenden Anzahl der in Fließgewässer und Grundwässer eingeleiteten Mikroschadstoffe aus Industrie, Medizin und Landwirtschaft.

4. Die Kosten für Hauswasserspeicher und Hauswasseraufbereitungsanlagen höchster Güte (Umkehrosmose) sind deutlich in den letzten Jahren gefallen; Betriebsstabilität und Möglichkeiten der Fernüberwachung dagegen verbessern sich.

5. Der Aufwand für zentrale Ver- und Entsorgung von Einzelgrundstücken – insbesondere im ländlichen Raum – steigt kontinuierlich. Hauptursachen sind die Kosten für Bau und zunehmend auch für den Betrieb (Spülungen, Belüftungen, Desinfektion) der öffentlichen Rohrleitungen.

Lösungskonzept
Das Lösungskonzept für den Wassergebrauch eines Grundstücks orientiert auf die Erzeugung folgender drei Wasserqualitäten auf diesem:

1. „Trinkwasserqualität“: Hier handelt es sich um ein qualitativ höherwertiges Wasser als das üblich zentral angebotene Leitungswasser für den Haushalt. Die Nutzung erfolgt nur zum Trinken und zur Zubereitung von Mahlzeiten. Für die geringen Mengen sind Spitzentechnologien bezahlbar, die als Auf- oder Untertischgeräte direkt am Gebrauchsort (Küche) fest oder mobil installiert sind. Ausgangswasser: Badewasserqualität (Behandlungstechnologie: Umkehrosmose, UV-Bestrahlung).

2. „Badewasserqualität“: Dieses Wasser erfüllt die Hygieneanforderungen nach Trinkwasserverordnung und entspricht etwa einem herkömmlichen Leitungswasser. Es wird genutzt für Bad und Dusche, Waschmaschine, Geschirrspüler. Bei vorhandenen Grundstücken fließt dieses Wasser in den ehemals für Leitungswasser (Trinkwasser) vorgesehenen Leitungen; Neuinstallationen entfallen nahezu vollständig. Ausgangswasser: Niederschlagswasser (Technologie: Filtration, UV-Bestrahlung).

3. „Nutzwasserqualität“: Nutzwasser findet Verwendung für die Bewässerung von Garten- und Grünflächen des Grundstücks und die WC-Spülung. Die Qualität orientiert sich nach der DIN 19650 Bewässerungswasser, Eignungsklasse 2, d. h. Gartenkulturen ohne Karenzzeit. Ausgangswasser: Prozeßab-laufwasser aus allen o. g. Nutzungen im Haushalt einschließlich WC (Mehrstufige Pflanzenkläranlagen oder Membranbelebungsanlagen).

Alles aus dem Haushalt übrigbleibende Wasser wird letztlich als Bewässerungswasser genutzt und verdunstet bis auf eine geringe Restmenge, die in das Pflanzensubstrat eingeht. Die Bewässerung erfolgt unter Berücksichtigung von Klima, Boden und Pflanzenkulturen entsprechend Bewässerungsrichtlinien, d. h. ohne Speisung des Grundwassers wie das andernfalls bei einer sog. „Wasserverregnung“ der Fall wäre.

Wirtschaftlichkeit

An vier ausgewählten Modellfällen, die erstens vorwiegend technische und zweitens vorwiegend naturnahe Aufbereitungstechnologien beinhalten, wurden für Einzelgrundstücke mit vier Personen und alternativ für Grundstücksgruppen mit 24 Personen Investitionskosten und Betriebskosten berechnet und mit Mittelwerten zentraler Lösungen verglichen.

Danach liegen die autarken Lösungen in den Investitionskosten, bezogen auf einen Einwohner, in allen Varianten unter den Durchschnittswerten zentraler Lösungen. Bezüglich der Betriebskosten zeichnet sich bis auf eine Ausnahme das gleiche Bild ab. Die Ausnahme bilden zur Zeit noch Einzelgrundstücke mit vier Personen bei vorwiegend technischen Lösungen. Die Ursache liegt in behördlich geforderten Kontrollen von dreimal im Jahr. Der Trend orientiert aber auf zwei Kontrollen; dann liegt auch diese Gruppe betriebskostengünstiger als die zentraler Lösungen.

Rechtliche Situation

Den gesetzlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern gelingt es mit unterschiedlichem Tempo, eine naturgemäß verzögerte Anpassung an den wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu erreichen. Auch die Meinungsbildung der Entscheidungsträger für die bürgernahe Umsetzung optimaler technischer Lösungen ist nicht frei von Einflüssen der etablierten Ver- und Entsorger. Es ist deshalb nicht auszuschließen, daß in Einzelfällen den gewünschten autarken Lösungen der Anschluß- und Benutzungszwang der Ver- und Entsorger entgegengehalten wird. Grundsätzlich kann aber festgestellt werden, daß ein organisiertes und zeitnahes Engagement der Grundstückseigentümer und Siedler dort hilfreich ist, wo andernfalls durch Fehlentscheidungen die Gefahr besteht, wirtschaftliche dezentrale Lösungen auf viele Jahrzehnte durch langlebige zentrale Lösungen zu verbauen.

Hinweise: Die Hierarchie der Gesetzgebung ist zwingend einzuhalten; die sich auf in diesem Sinne ungedeckte Satzungspassagen der Zweckverbände stützende Rechtssprechung von Verwaltungsgerichten wird mit großer Regelmäßigkeit in den Berufungsverfahren von den Oberverwaltungsgerichten (OVG) aufgehoben. Zu orientieren ist sich am Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das bereits 1998 formuliert hatte:

Aus dem Rechtsstaatsprinzip und der bundesstaatlichen Kompetenzordnung folgt, daß ein Satzungsgeber keine Regelungen mit Lenkungswirkung treffen darf, die der Konzeption eines Bundesgesetzes zuwiderlaufen. Dies ist nicht nur der Fall, wenn der Satzungsgeber Regelungen trifft, deren Inhalt unmittelbar im Widerspruch zum Inhalt bundesrechtlicher Normen steht, sondern auch dann, wenn mit den ortsrechtlichen Regelungen eine Lenkungswirkung bewirkt oder bezweckt wird, die mit den bundesrechtlich verfolgten Zwecken kollidiert.

Nach der Auswertung einer Vielzahl von Rechtssprechungen in zweiter Instanz (Oberverwaltungsgerichte) können zusammenfassend folgende Möglichkeiten der Befreiung bei autarken Lösungen festgehalten werden:

- beim Neubau auf nicht erschlossenem Bauland, für das keine zentrale Ver- oder Entsorgung vorgesehen ist.

- bei anforderungsgerechter Modernisierung in Gebieten für die sich aus Kosten-Nutzungsberechnungen eine zentrale öffentlich-rechtliche Lösung nicht trägt, dezentrale Lösungen also erforderlich werden.

- bei zentralen, privat-rechtlichen Lösungen.

- innerhalb von Gebieten, die durch zentrale öffentlich-rechtliche Lösungen erschlossen sind, weil autarke Lösungen keine Voraussetzungen für eine externe Abgabe von Abwasser haben, wenn die einschlägigen baurechtlichen, wasserrechtlichen, hygienischen und umweltrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Voraussetzung allerdings ist, daß durch die konkret beauftragte autarke Lösung die zentrale Lösung nicht aufgrund mangelnder finanzieller Selbsttragung zum Scheitern verurteilt wäre. Eine Ablehnung erfordert den Einzelfallnachweis. Der Versorgungsträger darf nicht auf zukünftige, sondern muß auf manifeste Umstände abstellen (AZ BV 05.1037).

Fazit: Die gehobene Rechtssprechung urteilt deutlich erkennbar in Übereinstimmung mit der Bundesgesetzgebung und dem durch die EU vorgegebenen Rahmen zur Schonung der Ressourcen. Unzulässige Festlegungen in den Satzungen, die vorwiegend das fiskalische Interesse der Verbände bedienen und auf hohe Wasserinanspruchnahme für Zwecke abzielen, die keiner Trinkwasserqualität bedürfen, haben letztlich keinen Bestand.

Die Oberverwaltungsgerichte entscheiden im Sinne des Minimierungsgebots für Aufwand und Umweltbelastung. Das entspricht genau dem Anliegen der dezentralen Ver- und Entsorgung.

Konkrete Anleitung

Es ist verständlich, daß die Inangriffnahme autarker Lösungen im vorher beschriebenen Sinne einer gründlichen Vorbereitung bedarf. Der VDGN hat sich deshalb entschlossen, das von Prof. Dr. Helmut Löffler (ehemals TU Dresden) hierzu verfaßte Ratgeberheft „Trinkwasser – Abwasser. Eigenständige Lösungs-möglichkeiten auf Grundstücken“ herauszugeben. Auf ca. 120 Seiten mit über 50 Abbildungen wird der Leser in die Lage versetzt, die Vorbereitungen für eine eigene Lösung gezielt voranzutreiben.

Der Autor verfügt über 50 Jahre Praxis in Planung, Forschung, Lehre und Consulting auf den Gebieten Wasserversorgung, Industriewasserwirtschaft und Optimierung der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum.

Im Vorwort von Prof. Dr. Jörg Spitz (Hessen), der als Nuklear- und Ernährungsmediziner das Konzept der „Integralen Prävention“ des Europäischen Gesundheitsnetzwerkes unterstützt, wird das Buch als wirksame Hilfe zur Selbsthilfe begrüßt und den Entscheidungsträgern dringend als „Pflichtlektüre“ empfohlen.

zurück